Aus StuRa wird SUZ

Die Studierenden setzen sich durch

Der 30-jährige Kampf ist zu Ende: An der Universität Zürich gibt es wieder eine öffentlich-rechtliche Studierendenschaft. Der Kantonsrat stimmte heute dem Begehren mit 99 zu 72 Stimmen zu. Martin Roeck, Präsident des Studierendenrates, wünscht sich ein neues Gemeinschaftsgefühl an der UZH. Und Rektor Andreas Fischer ist gespannt auf «frische und engagierte Ideen».

Alice Werner2 Kommentare

Die Studierendenvertretung der Universität Zürich (StuRa) wird in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft umgewandelt, die Studierendenschaft der Universität Zürich, kurz SUZ. Was genau ändert sich?

Zunächst natürlich ein Paragraph im Universitätsgesetz. Die Errichtung einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft der Studierenden gibt der Studierendenschaft das ihr gebührende Rechtskleid. Rechtliche und finanzielle Unabhängigkeit verschafft Planungssicherheit und verstärkt die Möglichkeiten, Ideen und Anliegen im universitären Betrieb einzubringen. Den Studierenden wird ausserdem neben den SUZ-Wahlen ein Initiativ- und Referendumsrecht zugestanden.

Jetzt geht es jedoch erst einmal um die konkrete Ausgestaltung der Statuten und des Reglements. Zudem müssen wir den Kontakt zu studentischen Vereinen und Organisationen verstärken, um die SUZ auch über Dienstleistungsangebote attraktiv zu machen.

Universität Zürich: «Alle Studierenden sind herzlich eingeladen, an der Ausgestaltung der SUZ mitzuwirken.» (Bild: Sebastian Bernhard / Pixelio)

Was bringt die SUZ den Studierenden?

Enorm viel! Zunächst einmal wird sie die studentische Mitbestimmung fördern, indem sie Fachvereine und studentische Organisationen unterstützt. Auf diese Weise können administrative Hürden abgebaut werden.

Daneben wird das Studieren an der UZH aufgrund neuer Dienstleistungsangebote attraktiver. So kam der Vorschlag auf, eine StudiBar einzurichten, ein Café, weitere Krippenplätze, einen Veloverleih (zum Pendeln zwischen Zentrum, Irchel, Nord), einen Begegnungsraum, sowie die Öffnungszeiten der Bibliotheken zu verlängern. Auch kulturelle Anlässe von und für Studierende sollen stärker unterstützt werden. An Ideen mangelt es nicht, und alle Studierenden sind herzlich eingeladen, an der Ausgestaltung der SUZ mitzuwirken.

Welche Hoffnungen verknüpfen Sie als StuRa-Präsident mit den Neuerungen?

Ich hoffe, dass das studentische Engagement langfristig – trotz Verschulung des Studiums durch Bologna – gesteigert werden kann. Die Mitbestimmung der Studierenden wird von uns und auch von der Universitätsleitung als wesentlicher Teil des universitären Betriebs wahrgenommen.

Ein weiteres Ziel ist, zu einer stärkeren Vernetzung der Studierenden untereinander und über Universitätsgrenzen hinweg beizutragen. Vor allem kulturelle Angebote wie Filmstellen, Theaterclubs, Cafés und Bars, Partyräume und Proberäume können helfen, neue und interessante Menschen kennenzulernen, sich auszutauschen und wertvolle Erfahrungen neben der Universität zu sammeln.

Martin Roeck, StuRa-Präsident: «Ich wünsche mir, dass an der Universität Zürich eine Art neues Gemeinschaftsgefühl entsteht.» (Bild: Alice Werner)

Ich wünsche mir, dass an der Universität Zürich eine Art neues Gemeinschaftsgefühl entsteht, dass die Studierenden sich mit ihrer Universität verbunden fühlen und sich auch für nachfolgende Generationen einsetzen.

Wie ist der neue SUZ-Vorstand aufgebaut?

Der SUZ-Vorstand soll ähnlich wie der StuRa-Vorstand aus sieben Mitgliedern bestehen und wird mit den ersten SUZ-Wahlen im Herbst 2012 gewählt. Ich werde aktiv mithelfen, die SUZ auf gute Bahnen zu leiten. 

Treten Sie bei den ersten SUZ-Wahlen im Herbst wieder als Kandidat an?

Momentan kann ich nur sagen, dass mir die vielseitige und interessante Arbeit als Studierendenvertreter sehr grossen Spass macht. Der Einblick, der mir in die universitären Abläufe und auch in die Politik gewährt wird, ist enorm lehrreich und bringt mich in meiner persönlichen Entwicklung vorwärts. Dennoch: Das Engagement als StuRa-Präsident ist auch sehr nerven- und zeitaufreibend. Umso mehr freue ich mich, dass die SUZ Vieles einfacher machen wird.

Welche Arbeit ist in den nächsten Monaten zu bewältigen?

Eine gründliche und überlegte Vorbereitung was die Strukturen, Reglements- und Vernetzungsmechanismen anbelangt ist enorm wichtig. Im Übrigen muss noch ein guter Name gefunden werden – «SUZ» ist lediglich ein Projektname. Das Soziologische Institut würde wohl auf die Barrikaden gehen, sollten wir den Namen beibehalten. Eine mögliche Alternative wäre «SUZH». Ich persönlich fände es auch toll, wenn wir für die SUZ ein aussagekräftiges und sympathisches Maskottchen finden würden.

Auch das Einweihungsfest muss gut geplant werden. Denn es ist uns wichtig, dass die SUZ gleich von Anfang an erfolgreich startet. Bei Stiftungen und Organisationen wie etwa der Darlehenskasse, dem Solidaritätsfonds, der Filmstelle sowie den kulinarischen Angebote im universitären Umfeld muss zudem geprüft werden, ob eine engere Zusammenarbeit von beiden Seiten gewünscht und sinnvoll ist. All dies erfordert viele Gespräche, auf die ich mich bereits jetzt freue.

Rektor Andreas Fischer zur verfassten Studierendenschaft


Herr Rektor Fischer, was bedeutet es für die Universität Zürich, dass die Studierenden in Zukunft in einer rechtlich verfassten Studierendenschaft organisiert sind?
Die Universität Zürich begrüsst den Beschluss des Kantonsrates; damit ist die Vertretung der Studierenden besser legitimiert und tiefer verankert als zuvor. Ich freue mich über den Entscheid und hoffe, dass sich viele Studierende durch den Neuanfang dazu motiviert fühlen, sich aktiv an der studentischen Politik zu beteiligen. Wie steht die Universitätsleitung zu dieser Entwicklung? Die Universitätsleitung unterstützte die Initiative der Studierenden. Die Studierenden sind politisch gestärkt und werden zu einem noch verlässlicheren Gesprächspartner. Das ist zum Beispiel in Konfliktfällen wichtig, wie bei der Hörsaalbesetzung vor zwei Jahren. Für welche Bereiche innerhalb der Universität erhoffen Sie sich Ideen und Anregungen von Seiten der Studierenden? Schon heute sind die Studierenden in allen relevanten Gremien vertreten, zum Beispiel bei Sitzungen des Universitätsrates, des Senats, der erweiterten Universitätsleitung, bei Instituts- und Fakultätsversammlungen, um nur einige zu nennen. Das wird sicher weiterhin so gut funktionieren wie bisher. Eine noch bessere Zusammenarbeit erhoffe ich mir zwischen den politisch ausgerichteten studentischen Gruppen und den Fachvereinen. Es wird eine Aufgabe der neuen Studierendenschaft sein, alle diese Interessen aufzufangen und zu vertreten. Die Studierenden können zudem dank der Mitgliederbeiträge Dienstleistungen anbieten. Ich bin gespannt auf frische und engagierte Ideen von Seiten der neuen Körperschaft.

Alice Werner ist Redaktorin UZH News.

2 Leserkommentare

Michael Böhler schrieb am Glückwünsche Zum gestrigen Erfolg im Kantonsrat möchte ich all jene beglückwünschen, die an dessen Zustandekommen beteiligt waren und darauf hin gewirkt haben. Als Studentenschaftspräsident (damals KStR-Präsident) 1963/64 und Delegierter des Schweizerischen Studierendenverbandes in der Nationalen UNESCO-Kommission 64/67 habe ich die hochschulpolitisch völlig verfehlte Abschaffung der öffentlich-rechtlich verfassten Studierendenschaft im Jahre 1978 durch einen begrenzt liberalen und noch weniger weitsichtigen Erziehungsdirektor und auf Druck eines rabaukenhaft agitierenden rechtsbürgerlichen Grüppchens stets bedauert und freue mich nun über deren Wiedererstehung nach 33 Jahren. Ich hoffe, dass die erneut möglich gewordene aktive Mitgestaltung der künftigen Universitätspolitik einerseits und der alltagspraktischen Unterstützung studentischer Anliegen andererseits erfolgreich sei - und ebenso viel Spass mache, wie sie es uns vor beinahe 50 Jahren gemacht haben.
Silvia Gallego schrieb am Endlich! Endlich wird dem Studierendenrat der Uni Zürich sein legitimer Anspruch auf eine Rechtskörperschaft zugestanden - der Kanton Zürich hat sein Hinterwäldlertum in dieser Sache abgelegt. Den Studierendenvertretern sei gratuliert und für ihre grosse Arbeit gedankt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Obrigkeit die Studierenden als gleichwertige und wichtige Partner in unipolitischen Entscheidungen anerkennen.

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