Vortragen mit Pfiff

Das Kongress-Einmaleins

Ethnologie-Professorin Mareile Flitsch geht neue Wege in der Lehre. 66 Studierende sammelten im Frühjahrssemester auf einer Lehrtagung vom «Call for papers» bis zum öffentlichen Vortrag erste Erfahrungen mit gängigen Formen wissenschaftlicher Präsentation auf Konferenzen. Laut Flitsch kann man gar nicht früh genug damit anfangen. 

Marita Fuchs

Michele Cirigliano, Ethnologiestudent im sechsten Semester, steht vor grossem Publikum. In stattlicher Zahl sind die Tagungsteilnehmer erschienen, um seinem Vortrag über die Gesänge italienischer Reisbäuerinnen zu lauschen. Michele hat sich während des Semesters gut in das Thema eingearbeitet; auf kritische Fragen aus dem Publikum ist er vorbereitet. Er spricht frei und ist nur anfänglich etwas irritiert durch das Mikrophon. Es sei eine gute Erfahrung gewesen, bilanziert der Student nach der Tagung. Michele war Teilnehmer einer Lehrtagung, die Ethnologie-Professorin Mareile Flitsch im vergangenen Semester organisiert hat.

Ethnologie-Professorin Mareile Flitsch: Studierende früh an wichtige akademische Formen heranführen. (Bild: Marita Fuchs)

Das Thema durchdringen

Eine Lehrtagung ist ein didaktisches Mittel Studierende fit zu machen für den wissenschaftlichen Wettbewerb. Dabei wird ein Kongress quasi nachgespielt. «Sich auf Kongressen mit Vorträgen oder Postersessionen richtig zu präsentieren, lernen Naturwissenschaftler in der Regel von der Pike auf. In den Geisteswissenschaften kommt das zu kurz», meint Flitsch. Wichtig war es der Professorin, dass ihre Studierenden lernen, ein Thema gedanklich zu durchdringen, zu verdichten und so zu strukturieren, dass ein verständlicher und interessanter Vortrag herauskommt.

Strikt den Tagungsablauf einhalten

Die Tagungsvorbereitung lief wie am Schnürchen: Studierende gestalteten einen Flyer mit dem Programm der Tagung, zum Thema «Reis-Wissen – Reis-Kulturen – Reis-Ökonomien». Im Vorfeld erfolgte ein «Call for papers» in dem die Teilnehmer aufgefordert wurden, in einem Abstract das Thema zu umreissen. «Die Deadline für den Abgabetermin der Abstracts wurde von allen 66 Studierenden eingehalten, was mich ehrlich gesagt erstaunt hat. Die letzte Mail erhielt ich nachts um 24 Uhr, gerade noch rechtzeitig», sagt Flitsch. Didaktischer Vorteil: Durch die Formulierung der Abstracts würden die Studierenden frühzeitig dazu angehalten, sich mit ihrem Thema zu befassen.

Im Verlauf der Themenfindung wurden fünf Panel-Gruppen zum Thema Reis gebildet. Auch für den Panel-Auftritt formulierten die Studierenden vorab Kurzfassungen ihrer Statements. Sie sprachen sich mit anderen Panel-Teilnehmern ab und überlegten, in welchem Kontext die eigenen Forschungsarbeiten zu den anderen Themen stehen. Besonders anspruchsvoll dabei: Jede und jeder Studierende musste den eigenen Beitrag an der Ausrichtung des Panels orientieren.

Mehr Arbeit, aber auch mehr Spass daran

Einige Studierende entschieden sich für eine Postersession, bei der ihre Beiträge nicht als mündliche Vorträge, sondern in Form grosser Poster präsentiert wurden. Auf den Postern sollte nicht der Text überwiegen, sondern Abbildungen und andere Mittel der grafischen Gestaltung, um für die Besucher der Session einen Blickfang zu bieten. Die jungen Wissenschaftler erläuterten auf Anfragen ihre Arbeiten anhand des Posters.

«Obwohl – oder weil – die Studierenden deutlich mehr arbeiteten und sich zwangsläufig stärker beteiligen mussten, machte ihnen dieses Lernen mehr Spass, als lediglich Referate zu halten», bilanziert Flitsch und plädiert dafür, «die Studierenden viel früher an wichtige akademische Formen heranzuführen».

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

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