Versammlung der LERU-Rektoren

Spitzenforscher sind die besseren Manager

Die Rektoren der Liga der europäischen Forschungsuniversitäten (LERU) führten ihr halbjährliches Treffen erstmals an der Universität Zürich durch. Die britische Ökonomin Amanda Goodall plädierte als Gastreferentin dafür, dass Hochschulen nicht von Managern, sondern von Forschern geführt werden.

Adrian Ritter1 Kommentar

Rektor Andreas Fischer war am vergangenen Wochenende Gastgeber für das halbjährliche Rektorentreffen der «League of European Research Universities» (LERU). Die Universität Zürich ist seit 2006 Mitglied dieser Vereinigung der führenden Forschungsuniversitäten Europas.

Rektorinnen und Rektoren der LERU-Universitäten: Die Liga umfasst jetzt 22 Hochschulen. (Bild: Frank Brüderli)

In Zürich zum ersten Mal mit dabei waren die zwei neuesten Mitglieder: die «Universitat de Barcelona» und das «Imperial College London». Die LERU-Familie umfasst inzwischen 22 Universitäten.

Glaubwürdigere Akademiker

Die Rektorinnen und Rektoren widmeten sich unter anderem der Frage, wer besser geeignet ist, eine Universität zu leiten: eine Managerin aus der Privatwirtschaft oder ein Forscher aus dem universitären Umfeld.

Gastreferentin Amanda Goodall, Ökonomin an der Universität von Warwick (GB), plädierte für eine Leitungsperson aus dem akademischen Umfeld. Goodall hat in empirischen Studien untersucht, wer die Universitäten in Grossbritannien und den USA leitet und welchen Einfluss dies auf die Leistungen der Hochschulen hat.

Das Fazit in ihrem Buch «Socrates in the Boardroom: Why Research Universities should be led by Top Scholars» ist klar: Die erfolgreichsten Hochschulen werden von Forscherinnen und Forschern  mit einem hervorragenden Leistungsausweis geführt.

Natürlich müssen auch sie über Management-Erfahrung verfügen, etwa als Institutsleiter. Sie bringen aber vor allem das ausgeprägtere Gespür mit, zukunftsträchtige Forschende und die wissenschaftlich wichtigen Themen der Zukunft zu erkennen. Ausserdem werden akademische Führungskräfte von den Forschenden als glaubwürdiger empfunden, was wiederum ihre Führungsposition stärkt.

Der Kreativität vertrauen

Die Aussagen von Amanda Goodall stiessen beim LERU-Treffen auf Zustimmung. «Das Referat bestätigte Prinzipien, wie sie auch die LERU vertritt», so Andreas Fischer: «Wer selber in der Forschung tätig war, versteht besser, dass Forschung auch zu unerwarteten Resultaten führen kann und dass Grundlagenforschung wichtig ist. Man muss der Kreativität der Forschenden vertrauen.»

Für Rektor Andreas Fischer war das Thema auch deshalb aktuell, weil der Zürcher Kantonsrat gegenwärtig darüber berät, wie der Rektor oder die Rektorin der UZH in Zukunft gewählt werden soll. Umstritten ist dabei, ob der Senat auch in Zukunft ein Antragsrecht haben soll.

EU plant Ranking

Als weitere Themen diskutierten die Rektorinnen und Rektoren über Rankings und die Besonderheiten der Lehre an einer Forschungsuniversität. «Die LERU begrüsst Rankings grundsätzlich, ist sich jedoch der methodischen Probleme solcher Instrumente bewusst», so Fischer.

Die Rektorinnen und Rektoren liessen sich darüber informieren, dass die Europäische Union mit «U-Map» und «U-Multirank» neue Instrumente entwickelt, um Universitäten weltweit klassifizieren und ranken zu können.

Universitäten, an denen Spitzenforschung betrieben wird, sollten dies nutzen, um auch in der Lehre attraktiv zu sein, lautet ein Grundsatz der LERU. So können an forschungsstarken Universitäten beispielsweise Studierende schon frühzeitig in Forschungsprojekte einbezogen werden. Die Lehrveranstaltungen bieten wiederum Gelegenheit, theoretische und praktische Fragen der Forschung zu reflektieren.

Wie die Verbindung von Forschung und Lehre sinnvollerweise aussehen soll, will die LERU demnächst in einem Positionspapier veröffentlichen. Ein Entwurf davon war von den Universitäten Zürich und Freiburg im Breisgau ausgearbeitet und am Rektoren-Treffen diskutiert worden.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

1 Leserkommentar

Richard Dähler schrieb am Ranking Der Ranking Wahn, das totale Abfahren auf Leistung bringt nicht einen besseren, sondern einen versklavten Menschen hervor.

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