Baumfällaktion an der Rämistrasse

Ein Mammut fällt

Seit über hundert Jahren bewachen zwei Mammutbäume den Eingang zum Universitätsgebäude an der Rämistrasse 69. Einer der beiden Riesen war krank und drohte auf die Rämistrasse zu fallen. Gestern wurde der Baum gefällt.

Marita Fuchs1 Kommentar

Mammutbäume sind ursprünglich in Amerika beheimatet. Da sie als besonders prächtig galten, wurden Bäume der Art Sequoiadendron giganteum seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Europa – meist als Parkbäume – angepflanzt.

Die «Alte Physiologie» an der Rämistr. 69 um 1910 mit den damals noch niedrigen Mammutbäumen.) (Bild: Baugeschichtliches Archiv Zürich)

So zierten sie das Universitätsgebäude an der Rämistrasse 69 – die so genannte «Alte Physiologie» – das 1884 bis 1885 vom damaligen Staatsbauinspektor Otto Weber, einem Schüler von Gottfried Semper, erbaut wurde. Rechts und links der Treppe fanden zwei Mammutbäume ihren Platz. Heute sind sie über 30 Meter hoch und haben einen Stammumfang von mehr als 440 cm.

In Schräglage geraten

Einer der Riesen hatte den Halt verloren und sich schon vor vielen Jahren geneigt. Ursache dafür sind wahrscheinlich Verletzungen im Wurzelbereich, die durch Bauarbeiten in der Umgebung ausgelöst wurden, vermutet ein Baumsachverständiger.

In Schräglage: Mammutbaum (links) an der Rämistrasse 69. (Bild: Marita Fuchs)

Seit zehn Jahren wurde der Baum regelmässig kontrolliert und vermessen. Die Schräglage hatte sich in letzter Zeit massiv verstärkt: In der Messperiode von Sommer 2008 bis November 2009 hatte sich der Baum so stark geneigt (6 cm auf einer Messtrecke von 3 Metern), dass er bei einem Sturm auf die Rämistrasse zu stürzen drohte.

«Leider konnten für den schweren Baum keine Rückverankerungen an der Natursteinfassade des historischen Gebäudes an der Rämistrasse 69 angebracht werden, die den Baum hätten halten können», bedauert Zoran Raljevic, Abteilung Bauten und Räume der Universität Zürich.

So wurde der alte Mammutbaum in der vergangenen Nacht gefällt. Sein Bruder muss nun allein Wache stehen.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News

1 Leserkommentar

Rolf Corbat schrieb am Anfrage zu Details der Baumfällung Was sich lange abgezeichnet hat, ist nun wahr geworden. Der Mammutbaum konnte nicht mehr mit gutem Gewissen stehen gelassen werden. Nun interessiert mich aber sehr, wie der riesige Baum zwischen den Tramleitungen und den Ankerseilen "gefällt" werden konnte. Wahrscheinlich war es eher ein stückweises Abtragen von oben nach unten. Gibt es darüber einen Bericht oder gar eine Fotodokumentation. Denn ganz so einfach und ohne gute Fachkräfte ist diese Aktion sicher nicht über die Bühne gegangen. Weil das sicher keine alltägliche Aufgabe war, fände ich es gut, wenn wir von der UNI das noch irgendwie in der Geschichtsschreibung von Rämistrasse 69 festhalten könnten. Mit freundlichen Grüssen, Rolf Corbat

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