Lehrpreise im internationalen Vergleich

Das Rezept guter Lehre bleibt unergründet

Viele Universitäten verleihen Lehrpreise, doch die Vergabemodelle sind höchst verschieden. Eine Publikation der Universität Zürich versammelt nun internationale Erfahrungen. Das Fazit: Lehrpreise sind etabliert, doch ein allgemeines Rezept für «ausgezeichnete Lehre» gibt es nicht.

Claudio Zemp

Einen Lehrpreis gibt es an der Universität Zürich seit 2007. «Die Preisträger waren jeweils überrascht, dass sie ausgezeichnet wurden. Und alle sind sehr stolz auf den Preis», sagt Peter Tremp. Der Leiter der Arbeitsstelle Hochschuldidaktik war seit Beginn in die Vergabe des Zürcher Lehrpreises involviert. In einer neuen Publikation (siehe Kasten) sammelte Tremp nun Konzepte von Lehrpreisen an anderen Universitäten.

Die meisten Schweizer Universitäten sowie beide ETH verleihen einen Lehrpreis. Die Verfahren der Vergabe sind jedoch höchst unterschiedlich, jede Hochschule hat ihr eigenes Modell.

So ist das Zürcher Modell im nationalen Vergleich sehr ausgefeilt. Die Lehrkommission wählt jährlich einen thematischen Schwerpunkt, bevor die Studierenden in einer Internetumfrage ihre Favoriten nominieren. Schliesslich gibt es einen Zehnervorschlag, aus dem ein Preisgremium der Universitätsleitung einen Preisträger oder eine Preisträgerin erkürt. «Wir haben mit diesem Verfahren die Gewähr, dass jemand ausgezeichnet wird, der wirklich gute Lehre macht», stellt Tremp fest. Obwohl es sicher noch viele weitere Lehrende an der Universität Zürich gebe, die sehr gut lehrten.

Die Universität Zürich vergibt seit 2007 einen Lehrpreis. Nun stellt eine Publikation die Auszeichnung in einen internationalen Kontext. (Bild: PD)

Viel Preis, wenig Ehre

Im internationalen Vergleich ist die Bedeutung der Schweizer Lehrpreise klein. Tremp verweist auf die Praxis in Australien, wo auf lokaler und nationaler Ebene eine Vielzahl von Lehrpreisen ausgeschrieben wird. «Ein Lehrpreis bedeutet dort viel Renommee, so dass dieser gerade auch für Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen laufbahnrelevant sein kann.» Die Dotierung des Preises sei dabei zweitrangig, so Tremp: «Der Lehrpreis lebt auch von seiner symbolischen Bedeutung.»

In Deutschland übrigens variieren die Preisgelder von 300 Euro bis zu einem Mehrfachen eines Monatsgehalts für Professorinnen und Professoren.

In der Schweiz dominiert die Jubiläumsstiftung der Grossbank Credit Suisse die Lehrpreis-Szene. Daneben gibt es andere Geldgeber, in Zürich etwa die medizinische Fakultät, welche den «Medical Teacher of the Year» auszeichnet. Der Lehrpreis der UZH heisst, wie jener an 13 weiteren Hochschulen, «Credit Suisse Award for Best Teaching». Die Stifterin setzt überall den Preis aus und erhält als Sponsor einen Teil der Publizität. Für Tremp ist die Abhängigkeit vom Stifter nicht problematisch. Die Universität vergebe den Preis autonom, betont er: «Die CS hat in keinem Moment Einfluss auf das Verfahren.»

Was bringt ein Lehrpreis der Universität, die ihn vergibt? Sie zeige damit, dass sie nicht nur die Forschung, sondern auch die Lehre als wichtiges Aufgabenfeld der Akademiker wertschätze. Tremp hofft zudem, dass die Auszeichnung von guten Leistungen im Vorlesungssaal die allgemeine Qualität der Lehre im Haus verbessert: «Lehre kann man nicht einfach nachmachen. Aber wir sehen an den Beispielen, was gute Lehre ist.»

Was genau die Preisträger in der Wissensvermittlung besonders gut machen, ist auch im Buch «Ausgezeichnete Lehre!» nicht nachzulesen. Das Rezept ist für jedes Fach und jeden Dozenten anders, sagt Tremp: «Die Kunst besteht darin, jene Lehrform zu finden, die gute Resultate erzielt, aber auch mit der eigenen Disziplin übereinstimmt und zur Person passt.»

«Lehre ist ein einsames Geschäft»

Im Frühling 2011 wird der fünfte Lehrpreis der Universität Zürich vergeben. Derzeit wird mit dem Stifter über die Verlängerung des Engagements gesprochen. Tremp würde sich wünschen, den Lehrpreis in Zukunft zusätzlich auch für ganze Arbeitsgruppen oder Abteilungen auszuschreiben. Damit könnte zum Beispiel ein Studienprogramm ausgezeichnet werden, das die Studieneingangsphase besonders sorgfältig konzipiert und gestaltet. Und der Preis wäre nicht mehr nur eine Prämie für die Stars des Vorlesungssaals.

Einen weiteren positiven Effekt von Lehrpreisen sieht Tremp darin, dass öffentlich vermehrt über die Qualität von Lehre gesprochen wird: «Die Lehre ist ein einsames Geschäft. Man ist oft unsicher, ob man es gut macht oder nicht.» Dies erklärt einen Teil der Freude der bisherigen Preisträger: Der Lehrpreis ist auch eine Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist. Und das ist wertvoll, gerade weil die Qualität von Bildungsresultaten so schwer messbar ist.

Preisvergleich von Australien bis Zürich Die Publikation «Ausgezeichnete Lehre!» sammelt Erfahrungen mit internationalen Modellen von Lehrpreisen. In Beiträgen aus der Schweiz, aus Deutschland, Österreich, Kanada, Australien und China werden Vergabepraxis und Konzepte von Lehrpreisen verglichen. Neben dem Zusammenhang zwischen Belohnung guter Lehre und didaktischer Innovation beleuchten wissenschaftliche Artikel auch problematische Aspekte wie die «Vermessung von Bildung» sowie den unterschiedlichen Stellenwert von Lehrpreisen. In Interviews und Essays ziehen weitere Autoren Analogien zu Auszeichnungen in anderen Sparten, etwa in der Kunst oder in der Architektur. Peter Tremp (Hrsg.), «Ausgezeichnete Lehre!», Lehrpreise an Universitäten, Erörterungen – Konzepte – Vergabepraxis, Waxmann Verlag, Münster 2010, ISBN 978-3-8309-2304-6

Claudio Zemp ist Redaktor
UZH News.

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