Studieninformationstage 2010

Mitdenken und nicht nur Punkte sammeln!

Die Universität legt für künftige Studierende den roten Teppich aus: Gestern und heute noch können Gymnasiasten die Hochschule von innen kennenlernen. Ein umfangreiches Programm weist ihnen den Weg zu Probevorlesungen und Studienpräsentationen.  

Julian Fuchs

Es ist schon fast eine Tradition: Am Mittwoch und am Donnerstag vor dem Herbstsemesterbeginn finden die alljährlichen Studieninformationstage an der Universität Zürich und der ETH Zürich statt. Tausende zukünftige Studenten und Studentinnen nahmen die Chance wahr, für ein paar Stunden die ungewohnte Hochschulluft zu schnuppern und die verschiedenen Fachrichtungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Ansturm war am Mittwoch – wie schon im letzten Jahr – gewaltig, vor allem bei den bekannteren Studiengängen wie den Rechts-, Wirtschaftswissenschaften oder der Psychologie.

Worauf sich die zukünftigen Studierenden in den nächsten drei bis fünf Jahren einlassen, das konnten sie an den Studienpräsentationen und Probevorlesungen realitätsnah erleben: Wie fühlt es sich an, Student, Studentin zu sein und worum geht es im gewählten Fachgebiet genau?

Für zwei Tage ein Beratungszentrum für angehende Studierende: der Lichthof der Universität Zürich. (Bild: Julian Fuchs)

Gebannt zugehört

Anschauung bot zum Beispiel Professorin Nada Boškovska, die im Fachbereich Osteuropäische Geschichte lehrt und eine Vorlesung über das Leben während des Terrorregimes Stalins hielt. Sie schilderte die 30er-Jahre in der Sowjetunion. Es war eine Zeit des Schreckens, in der Hunderttausende erschossen wurden, Millionen in Lagern verschwanden und ganze Völker deportiert wurden. Niemand war davor gefeit, plötzlich als «Volksschädling» oder «Saboteur» vor Gericht zu stehen; von der einfachen Angestellten bis zu Stalins treusten Anhängern und Mitgliedern seiner Verwandtschaft konnte es jeden und jede treffen. Die Mittelschüler hörten gebannt zu.

«Eine Vorlesung zu besuchen ist eine sehr gute Erfahrung für zukünftige Studierende», so Boškovska. Sie freue sich über die neuen, wissbegierigen Zuhörer. «Mitbringen sollte ein guter Student Ausdauer und neue Ideen. Er soll mitdenken und mitdiskutieren und nicht nur seine Punkte sammeln.» Boškovska, die schon zum zweiten Mal Vorlesungen für die Studieninformationstage hielt, erlebte die Mittelschüler als neugierig und offen. «Sie sehen zwar etwas jünger aus, aber sie verhalten sich gleich wie ‹richtige› Studenten. Es ist eigentlich wie beim ersten Tag eines neuen Semesters», stellte sie fest.

Am Stand: Die persönliche Beratung steht im Vordergrund. (Bild: Julian Fuchs)

Gut vorbereiten auf den neuen Lebensabschnitt

Wer seinen Wissensdurst bei den Studienpräsentationen und Vorlesungen noch nicht gestillt hatte, konnte sich bei den Ständen der entsprechenden Fachrichtung noch genauer informieren, Fragen stellen oder Broschüren mitnehmen.

Noam Arnold, Master-Student in Mathematik an der Universität Zürich, berät die Neuankömmlinge nun zum dritten Mal. Ihm fiel vor allem auf, dass die Berufsaussichten, die Zeiteinteilung während des Studiums und die Wahl des Nebenfaches die Maturanden interessieren. «Die Studieninformationstage sind sehr gut organisiert. Man spürt den Effort der Universität, um zukünftige Studierende auf den neuen Lebensabschnitt vorzubereiten.»

Wem der Kopf nach all den vielen Tipps und Infos brummte, der konnte sich am Stand des Akademischen Sportverbandes erholen und staunen, wie viele Sportarten künftigen Studierenden angeboten werden.

Julian Fuchs ist angehender Informatik-Student.

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