Promotion

Neue Wege zum Doktortitel

Die Universität Zürich stärkt die Doktoratsstufe – und schärft damit ihr Profil als Forschungsuniversität. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wird markant verbessert.

David Werner

Graduiertenschule des Deutschen Seminars: Lydia Butt aus New York in der Mitte, flankiert von Iris Spalinger und Daniel Alder. (Bild: Frank Brüderli)

Es gibt Erfreuliches zu vermelden: An der Universität Zürich (UZH) zu doktorieren wird zwar nicht einfacher, aber deutlich attraktiver. In der Schweiz besteht Nachholbedarf bei der Förderung des akademischen Nachwuchses. Mit der Reform der Doktoratsstufe, die im laufenden Semester in Kraft getreten ist, macht die UZH nun einen bedeutenden Schritt nach vorn.

Doktorierende erhalten eine kontinuierliche und breit abgestützte Betreuung. Sie werden befähigt, rascher in der Wissenschaftsgemeinde Fuss zu fassen. Es war ein strategischer Entscheid, auf die Erneuerung der Doktoratsstufe besonderes Gewicht zu legen.

Freiräume nutzen

Rektor Andreas Fischer sieht darin «eine grosse Chance, das Profil der UZH als Forschungsuniversität weiter zu schärfen». Die Schweizer Hochschulrektorenkonferenz CRUS überliess es – anders als bei der Bologna-Reform – im Rahmen einiger weniger Richtlinien den einzelnen Universitäten, die Doktoratsstufe in eigener Verantwortung zu gestalten.

Die Freiräume, die sich dadurch ergeben, werden eine Ausdifferenzierung des Angebots in der Schweiz zur Folge haben. Was die UZH anbelangt, so orientiert sie sich vor allem an den Qualitätsgrundsätzen der LERU (League of European Research Universities).

Kernstück der Doktoratsreform sind die so genannten strukturierten Doktoratsprogramme. Die Vorzüge dieses Modells bestehen unter anderem in der kooperativen Betreuung im Team sowie in guten Vernetzungsmöglichkeiten mit der Spitzenforschung. Die klassische Individualpromotion wird es daneben weiterhin geben.

Brennpunkte der Forschung

Nicht nur für die Doktorierenden, sondern für die ganze Universität sind die strukturierten Doktoratsprogramme ein Mehrwert: Sie sind Brennpunkte der Forschungsaktivität, von denen auch auf die übrigen Lehr- und Forschungsbereiche Impulse ausgehen. Als international sichtbare Aushängeschilder für Institute und Fakultäten entfalten sie darüber hinaus Magnetwirkung auf die klügsten Köpfe.

Natürlich sind strukturierte Doktoratsprogramme keine neue Erfindung. Insbesondere im angelsächsischen Raum haben sie sich bewährt. Auch an der UZH gibt es Beispiele mit schon mehrjähriger Laufzeit. Zu erwähnen ist die zusammen mit der ETH betriebene Life Science Zurich Graduate School, die zu den grössten und erfolgreichsten ihrer Art in Europa gehört.

Hier wurde in den letzten Jahren eine mittlerweile dreizehn Programme umfassende Dachstruktur aufgebaut, die es erlaubt, Synergien zu nutzen und viele Kurse und Dienstleistungen anzubieten. In jüngster Zeit sind an allen Fakultäten Doktoratsprogramme entstanden, inzwischen gibt es davon über vierzig, weitere sind in Planung.

Erfahrungen sammeln

Welche sich davon dauerhaft bewähren, welche Grösse optimal ist, und ob sich mit der Zeit weitere Dachstrukturen wie bei den Life Sciences herausbilden, wird sich weisen. «Wir sind sehr gut unterwegs, müssen aber noch einige Erfahrungen sammeln», sagt Prorektor Otfried Jarren.

Die Stiftung Mercator Schweiz hilft dabei. Sie unterstützt die UZH bei der Evaluation von Dachstrukturen für PhD-Programme im Ausland. Jarren hofft, auf diesem Weg Erkenntnisse für die Etablierung leistungsstarker Doktoratsprogramme zu gewinnen. Die Mittel zur Durchführung der einzelnen Programme werden auf Antrag hin im Rahmen des so genannten Förderprogramms Bologna II/III vergeben. Den Instituten und Fakultäten obliegt die Programmgestaltung. Uniformität wird nicht angestrebt, und schon heute ist die Vielfalt unter den Doktoratsprogrammen gross.

David Werner ist Redaktor des unijournals.

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