Universität

Lehrreicher Tag der Lehre

Der erste «Tag der Lehre» an der Universität Zürich war ein Experiment: Es galt auszuloten, wie Studierende, Dozierende und Mitarbeitende auf die Informations- und Gesprächsangebote reagieren würden. Online war die Diskussionsbereitschaft gross, bescheiden hingegen der Andrang bei den Dialogtischen.  

Marita Fuchs

Neue Formen für die Lehre: «Bewegte Pause» für Otfried Jarren, Brigitte Tag, Katharina Maag Merki, Richard Füglister und Maresa Knaus (v.l.n.r.). (Bild: Marita Fuchs)

Die Initianten des ersten Tags der Lehre an der Universität Zürich hatten sich viel vorgenommen: Auf der entsprechenden Website konnten schon vor dem eigentlichen Anlass am Mittwoch Meinungen zur Lehre eingegeben werden, die dann in der Podiumsdiskussion zum Thema gemacht werden sollten. Ausserdem standen an Dialogtischen am Mittwochnachmittag Dozierende verschiedener Fakultäten Rede und Antwort.

Wie sich zeigte, war die Online-Umfrage für viele attraktiver, als das direkte Gespräch mit Dozierenden an den Dialogtischen. «Es ist ein Anfang, wir müssen die Spielräume ausloten, in welcher Form am besten über die Lehre diskutiert werden kann», sagte der Kunsthistoriker und Lehrpreisträger des Jahres 2008 Marc-Joachim Wasmer, der am Dialogtisch im Lichthof des Hauptgebäudes auf Gesprächspartner wartete.

An der anschliessenden Diskussion in der Aula wurden nach der Begrüssung durch den Rektor Andreas Fischer ausgewählte Online-Statements von verschiedenen Seiten beleuchtet. Mit von der Partie auf dem Podium: Prorektor Geistes- und Sozialwissenschaften Otfried Jarren als Moderator, Maresa Knaus und Richard Füglister vom Studierendenrat, die Erziehungswissenschaftlerin Katharina Maag Merki und Jus-Professorin Brigitte Tag, Lehrpreisträgerin des Jahres 2009.

Forschung in Lehre einfliessen lassen?

Ein Student hatte geschrieben: «Forschung ist meist gute Lehre und gute Lehre oft schon Forschung».

Die Lehrpreisträgerin des Jahres 2009 Rechtsprofessorin Brigitte Tag meinte dazu, dass sie in ihre Veranstaltungen oft aktuelle Forschungsergebnisse einfliessen lasse – ein didaktischer Kniff, der die Studierenden motiviere.

Am Dialogtisch: Lehrpreisträger des Jahres 2008 Marc-Joachim Wasmer im Gespräch. (Bild: Marita Fuchs)

Maresa Knaus vom Studierendenrat bemängelte hingegen, dass sie während ihres Studiums erst viel zu spät von den Dozierenden mit forschungsrelevanten Fragen konfrontiert worden sei. «Ich habe lange warten müssen, bis ich überhaupt erfahren habe, woran mein Dozent geforscht hat». Das sei schade, denn es sei für Studierende viel interessanter, wenn sie früh involviert würden.

Forschung und Lehre strikt trennen?

Ein anderes Statement forderte die strikte Trennung von Forschung und Lehre, denn gute Forscher seien häufig keine guten Didaktiker. Gute Lehrer würden nicht vom Himmel fallen, sagte dazu Professorin Katharina Maag Merki, häufig würden Dozierende sehr spät damit konfrontiert, dass sie auch didaktisch versiert sein müssen. «Es ist hochkomplex, Wissen gut zu vermitteln».

Forschung und Lehre zu trennen sei jedoch keine Lösung, meinte Brigitte Tag, denn das eine würde das andere ergänzen. So bekäme sie Inputs von ihren Studierenden für ihre Forschung. Allerdings wäre es bestimmt hilfreich, wenn Dozierende zeitweise von der Lehre befreit würden und sich ganz in ihre Forschung vertiefen könnten, beispielsweise in Freisemestern.

Pflicht zur Didaktik?

Ein weiteres Online-Statement lautete: Viele Dozierende seien didaktisch ungeschickt und böten nur Frontalunterricht. Alle sollten zu Didaktikkursen gezwungen werden.

Richard Füglister vom Studierendenrat meinte dazu, dass es sehr schwierig sei, bei Vorlesungen mit über hundert Studierenden nicht frontal zu unterrichten. In Kolloquien könne jedoch die Nähe zum Dozenten hergestellt werden; doch auch er sei dafür, dass Dozierende Didaktikkurse besuchen müssten, um in grossen Vorlesungen als auch in Kolloquien adäquat für den Wissenstransfer zu sorgen.

Vor allem sei es sehr frustrierend, so Maresa Knaus, wenn die Inputs der Studierenden zum besseren didaktischen Vorgehen ignoriert würden. Manche Dozenten würden trotz Evaluation im gleichen Stil fortfahren wie bisher.

Punkte für Sozialverhalten?

Ein weiteres Online-Statement forderte, übergreifende Kompetenzen müssten im Studium vermehrt gefördert werden. Maresa Knaus sieht hier ebenfalls Handlungsbedarf: «Die Studierenden müssen mehr Zeit bekommen für Praktika oder für soziales Engagement wie zum Beispiel in Vereinen». Bei der Punktejagd bliebe wirklich zu wenig Zeit für anderes, meinte auch ihr Kollege Füglister vom Studierendenrat.

Konsumhaltung oder Stress?

Am Ende der Podiumsdiskussion meldete sich das Publikum zu Wort. Ein Dozent beklagte die Konsumhaltung vieler Studierender. Viele wollten nur das Script auswendig lernen und mehr nicht. Das sei ungerecht meinte ein Student daraufhin, denn schliesslich ständen viele von ihnen unter dem enormen Druck, die zahlreichen Prüfungen auch zu bestehen.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

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