Ostasiatisches Seminar

Die Koreanistik erwacht

Erstmals seit 1988 wird an der Universität Zürich wieder eine Vorlesungsreihe zu Korea angeboten. An der feierlichen Eröffnung wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, das Fach könnte zu seiner alten Stärke zurückfinden.

Daniela Tan und Martin Lehnert

Die Koreanistik stärken: Professorin Martina Deuchler, Botschafter Chang Chul-Kyoon und Professorin Andrea Riemenschnitter. (Bild: Martin Lehnert)

Wird das Ostasiatische Seminar der Universität Zürich bald um eine Disziplin reicher sein? Letzte Woche wurde die Vorlesungsreihe «Geschichte und Kultur Koreas» eröffnet. Zu den geladenen Gästen gehörte Chang Chul-Kyoon, Botschafter der Republik Korea.

Erstmals seit 1988 werden damit an der Universität Zürich (UZH) wieder regelmässig Lehrveranstaltungen aus dem Fachbereich Koreanistik angeboten. Die zweistündigen Lehrveranstaltungen in diesem und im nächsten Semester können dank grosszügiger Unterstützung durch die «Korea Foundation» durchgeführt werden.

In seinem Grusswort betonte Professor Bernd Roeck, Dekan der philosophischen Fakultät, die Bedeutung der Koreanistik für die Stärkung der asienwissenschaftlichen Kompetenzen und Fächer. Diese könnten an der Universität Zürich auf eine lange und interdisziplinäre Tradition zurückblicken.

Institutionellen Rahmen geben

Professorin Andrea Riemenschnitter unterstrich als Institutsleiterin dankend das besondere Engagement von Botschafter Chang Chul-Kyoon. Sie äusserte ihre Zuversicht, dass die neu eingerichtete Vorlesungsreihe über die Koreanistik hinaus dem akademischen Austausch der UZH mit koreanischen Universitäten zu Gute kommen würde.

So könnten einerseits die asienwissenschaftlichen Fachbereiche an der Universität Zürich in Forschung und Lehre weiter ausgebaut werden. Andererseits könnten die Grundlagen geschaffen werden, um der über 20 Jahre vakant gebliebenen Koreanistik an der UZH wieder einen institutionellen Rahmen zu geben.

Riemenschnitter verlieh damit ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Koreanistik in Zürich in Zukunft zur internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit beitragen möge. Nicht zuletzt übermittelte sie die Freude des Universitären Forschungsschwerpunkts «Asien und Europa» über den disziplinären Zuwachs.

Die Koreanistik ist wichtig: Grusswort von Bernd Roeck, Dekan der Philosophischen Fakultät. (Bild: Martin Lehnert)

Professorin Marion Eggert (Koreanistik, Universität Bochum) wird für die Fortsetzung der Vorlesungsreihe im kommenden Semester verantwortlich zeichnen. In ihrer schriftlich übermittelten Grussbotschaft würdigte sie das Engagement der Initianten nicht nur als Neubeginn der einst starken Zürcher Koreanistik, sondern auch allgemeiner als weiteres Anzeichen für das erneute Aufblühen des Faches in der akademischen Landschaft.

Der Standort Zürich habe insbesondere den Vorteil, dass neben einer bestehenden substantiellen Fachbibliothek, auf deren Bestände in Zukunft zurückgegriffen werden kann, ein reges studentisches Interesse vorhanden sei, so dass Lehre und Forschung auf fruchtbarem Boden gedeihen dürften.

Im Schatten der Nachbarländer

Im Anschluss daran präsentierte Professorin Martina Deuchler (Koreanistik, School of Oriental and African Studies, London) ihr gegenwärtiges Forschungsprojekt zur Geschichte der koreanischen Gesellschaft vom 9. bis zum 18. Jahrhundert und eröffnete damit die Vorlesungsreihe für das laufende Herbstsemester.

Sie verwies auf das Paradox, dass Korea einerseits als global player, der durch Spitzentechnologie weltweit präsent und vernetzt ist, andererseits als hermit nation im Schatten der Nachbarländer wahrgenommen wird.

Die aktuelle Forschung Deuchlers zeigt, wie die vormoderne koreanische Gesellschaft sich signifikant von denen der Nachbarländer China und Japan unterscheidet: komplexe Verwandtschaftsbeziehungen prägen nach wie vor die sozialen Strukturen des gegenwärtigen Korea.

Mit Bezug auf die Zusammenhänge von Sprache und Gesellschaft erörterte Deuchler die spezifischen Eigenheiten des Koreanischen und des 1444 unter König Sejong entwickelten, heute noch gebräuchlichen Hangul-Alphabets. Sie schloss ihre Ausführungen mit einem Plädoyer für die Koreanistik als ein Fach, das eine erweiterte Perspektive auf Geschichte, Kultur und Sprache der ostasiatischen Länder eröffnet.

Abschliessend äusserte Botschafter Chang Chul-Kyoon seine besten Wünsche für das Gedeihen der Koreanistik an der UZH. Beim anschliessenden Apéro mit koreanischen Köstlichkeiten wurde der viel versprechende Auftakt von Gästen wie Institutsmitgliedern gebührend gefeiert.

Daniela Tan und Martin Lehnert sind wissenschaftliche Mitarbeitende am Ostasiatischen Seminar.

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