Executive Master in Arts Administration

Die ganze Klaviatur beherrschen

Kunst muss keineswegs brotlos sein. Im Gegenteil: Der breite Markt für Kultur bietet durchaus Karrierechancen, wenn man die Sache richtig angeht. Zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum « Executive Master in Arts Administration» an der UZH. Zwei Lehrgänge wurden bisher an der UZH durchgeführt. Vier Absolventen geben einen Blick in Zürichs «Intendantenschmiede».

Marita Fuchs

Video-Portrait über Jürg Dähler, Absolvent EMAA.

«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.» Der Kabarettist und Schauspieler Karl Valentin hat es schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf den Punkt gebracht. Kunst will zudem vermittelt sein: Management, Organisation und Geldbeschaffung müssen zusammenspielen. Viele Künstler haben jedoch nie gelernt, wie man Geld für Projekte organisiert und Sponsoren anspricht. Auf der anderen Seite gibt es Organisationstalente und wirtschaftlich versierte Leute, die gern auch ihre künstlerische Seite leben möchten.

Beide treffen sich an der Universität Zürich im post graduate Master-Lehrgang «Executive Master in Arts Administration» und holen sich so das nötige Rüstzeug, um im Kulturbetrieb zu bestehen. Angesichts chronisch leerer Kassen brauchen Gemeinden und freie Kulturträger gerade heute Finanzprofis. Kulturmanager müssen daher den Spagat zwischen Kunstförderung, Verwaltung und Etatvorgaben beherrschen.

Zwischen Kunst und Kommerz

Die vom Intendanten der Zürcher Oper Alexander Pereira ins Leben gerufene und von Lehrgangsleiter Gerhard Brunner geleitete Ausbildung zum «Executive Master in Arts Administration» an der UZH ist weitgehend berufsbegleitend und dauert drei Jahre. Einen Teil der Interessenten stellen Betriebswirtschaftler, Juristen und Verwaltungswissenschaftler, die ihre Fachkenntnisse mit Wissen über Kultur ergänzen. Hinzu kommen Absolventen der schönen Künste. Sie büffeln neben Ästhetischer Theorie auch Marketing, Kulturpolitik sowie Urheber- und Vertragsrecht. «Beide Wege sind gangbar und werden zu gleichen Teilen nachgefragt», sagt Brunner. Nach dem Master- oder Diplomabschluss hätten beide Gruppen gleich gute Vermittlungschancen. Dazu tragen auch Praktika bei.

Jürg Dähler: Absolvent des ersten Lehrgangs, leitet und organisiert Musik-Festivals und Konzertreihen. (siehe auch Video-Portrait). (Bild: zVg.)

Der Geiger und Bratscher Jürg Dähler zum Beispiel – Absolvent des ersten Lehrgangs – hat ein Jahr lang als Praktikant in der Sponsoring-Abteilung einer grossen Schweizer Versicherung gearbeitet. «Das war eine fremde Welt für mich, aber ich habe mit der Zeit die Sprache der Privatwirtschaft gelernt und profitiere heute davon», erzählt er. Jetzt leitet und organisiert Dähler erfolgreich Musik-Festivals und Konzertreihen, steht selbst als gefragter Solist auf vielen internationalen Bühnen und führt mit zwei anderen Absolventen des ersten Lehrgangs eine Berater-Firma für Institutionen und Künstler. «Unsere Kunden sind Operhäuser, Festivals, Kunstschaffende oder andere Institutionen. Vom Vatikan haben wir jetzt gerade den Auftrag erhalten, ein Preisverfahren zu konzipieren». (Portrait Jürg Dähler, siehe Video-Beitrag).

Henriette Birrer-Götz, Absolventin des ersten Lehrgangs, hat heute ihren Traumjob gefunden. Sie leitet als kaufmännische Direktorin die Flämische Oper in Antwerpen und Gent. (Bild: zVg.)

Der Oper verfallen

Die zweite Teilhaberin dieser Firma ist Dählers Lehrgangskollegin Henriette Birrer-Götz. Auch sie ein Multitalent. Als Kind besuchte sie mit ihren Eltern – leidenschaftlichen Kunst-Sammlern – Museen, Galerien und Konzerte. «Früher bin ich nicht gern in die Oper gegangen, heute jedoch ist die Oper für mich vollkommene Kunst, denn alle Sinne werden in einer Opernaufführung angesprochen.» Die ausgebildete Wirtschaftswissenschaftlerin hat in der Textilbranche gearbeitet, wollte immer schon Modedesignerin werden, verliess sich aber doch lieber auf ihre Organisations- und Managerqualitäten als auf ihre künstlerischen Ambitionen.

Sie entschloss sich zum Lehrgang Executive Master in Arts Administration in Zürich um Einblick in die Kulturwelt zu bekommen. Durch den Lehrgang konnte sie einen Kontakt zum Luzerner Symphonieorchester knüpfen, wo sie die Verantwortung für das Marketing übernahm. «Für mich war der Lehrgang perfekt, weil ich das ‚who is who‘ der Kultur kennen gelernt habe und ein wichtiges Netzwerk knüpfen konnte», resümiert Birrer-Götz. Allerdings sei es blauäugig zu meinen, allein ein Lehrgang schmiede den Intendanten. «Der Kulturbetrieb ist knallhart, man muss sehr viel mitbringen, um zu bestehen». Heute hat Henriette Birrer-Götz ihren Traumjob gefunden: Sie leitet als kaufmännische Direktorin die Flämische Oper in Antwerpen und Gent.

Maia Koberidze, Absolventin des zweiten Lehrgangs, wird 2010 ein Festival organisieren, das Kunstschaffende aus aller Welt zusammenbringt. (Bild: zVg.)

Finanzkrise hat die Kunstwelt erreicht

Maia Koberidze, Absolventin des zweiten Lehrgangs, ist leidenschaftliche Geigerin. Die aus Georgien stammende Konzertmeisterin am Theater in Freiburg i.Br. entschied sich für den Lehrgang «Arts Administration» in Zürich, als sie Opernhausdirektor Pereira im Fernsehen über den Lehrgang sprechen hörte. «Für mich als Künstlerin waren vor allem die Rechts- und Finanzmodule der Ausbildung wichtig, davon hatte ich bisher keine Ahnung», erklärt sie. «Und jetzt habe ich die nötige Kenntnis und den Mut, ein Festival zu organisieren, das Kunstschaffende aus aller Welt zusammenbringt. Das auf 2010 terminierte Festival «Arts Dialog» vermittelt in Tiflis und in einigen Städten in Deutschland Theater, Musik, bildende Kunst und Tanz der verschieden Kulturen», erzählt sie.

Maia Koberidze hat auch die georgische Regierung für ihre Pläne gewinnen können. «Leider kann der georgische Staat keine Zuschüsse gewähren». Zwei feste Sponsoren haben ihr in dürren Worten erklärt, dass sie zu ihren Zusagen nicht mehr halten können. Die internationale Finanzkrise hat die Kunstwelt erreicht. Doch die Georgierin lässt den Kopf nicht hängen: Einige Stiftungen haben ihr nun versprochen, das Grossprojekt finanziell zu unterstützen.

Kleinster Konzertsaal der Welt

Stephanie Witschi, auch Absolventin des zweiten Lehrgangs, arbeitet heute als Projektleiterin am Theater Luzern. Sie hat Volkswirtschaft studiert, ihr Herz hing jedoch von Kindsbeinen an am Tanztheater. «Durch die Ausbildung zum Master of Arts habe ich international bekannte Koryphäen des Kulturbetriebs kennengelernt. Und durch den Kontakt in der Gruppe entstand ein wertvolles Netzwerk und eine tolle Zusammenarbeit».

Ein Beispiel: Im Rahmen einer Projektarbeit entwickelte ihre Gruppe eine neue Festivalidee: den kleinsten Konzertsaal der Welt. Dabei treffen sich ein Künstler und ein Besucher in einem Wohnwagen. Der Musiker spielt für etwa fünf Minuten für den Besucher, und zwar ganz für ihn allein.

Das Programm der Universität Zürich verknüpft den akademischen Anspruch mit den Prinzipien einer Meisterschule. Getragen von zwei Fakultäten, der philosophischen und der wirtschaftswissenschaftlichen. Die hochkarätig besetzte Faculty (Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, Kulturpolitik und Wirtschaft ersten Ranges sowie renommierte Dozenten der Universität Zürich) ist nur ein Teil der weltweiten Netzwerke, in die dieses Programm führt. Sie öffnen die Türen in Kunstinstitute und führende Wirtschaftsbetriebe.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News

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