Career Services

Brücke zur Arbeitswelt

Es lohnt sich, rechtzeitig die Fühler in die Arbeitswelt auszustrecken. Am besten schon während des Studiums. Die neu gegründeten Career Services der Universität Zürich helfen dabei.

David Werner

Plötzlich diese Zweifel. Kurz vor ihrem Studienabschluss beginnt Romanistik-Studentin Petra S. ihre bisherigen Zukunftspläne zu hinterfragen. Soll sie wirklich eine Doktorarbeit schreiben? Eine Online-Standortanalyse der Career Services der Universität Zürich (UZH) verstärkt ihr Gefühl, dass sie nochmals gründlich über ihr Vorhaben nachdenken sollte: Ihr wird klar, dass nicht in erster Linie wissenschaftlicher Ehrgeiz und Freude an der Forschung hinter ihrem Dissertationsplan steckte, sondern vor allem Angst vor dem Unbekannten draussen in der Berufswelt. Sie entschliesst sich zu einer persönlichen Beratungssitzung bei den Career Services. Danach fühlt sie sich ermutigt und befähigt, Alternativen zur Dissertation auszuloten und eigenständige Recherchen über mögliche Berufsfelder anzustellen.

Roger Gfrörer und Natalie Breitenstein unterstützen Studierende beim Sprung ins Berufsleben. (Bild: Frank Brüderli)

Mit Unsicherheiten kämpft auch Reto K., frisch gebackener Absolvent eines BWL-Studiums. Er sieht sich, was seine zukünftige Laufbahn anbelangt, in einem Dilemma: Seine Stärken liegen im Rechnungswesen, doch eigentlich möchte er möglichst viel mit Menschen zu tun haben. Beides zu verbinden, glaubt er, sei schwierig. Eine Beratung bei den Career Services macht ihm bewusst, dass die Bandbreite möglicher Tätigkeitsbereiche viel grösser ist als vermutet. Personal Controlling als Berufsziel etwa hatte er zuvor nie in Betracht gezogen. Mit Unterstützung der Career Services wird er sich nun näher darüber informieren.

Ganz nach oben

Den Studierenden der Universität den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, das ist die Aufgabe der vor einem halben Jahr gegründeten Career Services der UZH. Lokalisiert ist die neue Abteilung ganz oben: im ausgebauten Dachgeschoss des liebevoll renovierten Giebelhauses am Hirschengraben 60. Karrierewillige Studierende müssen einige knarrende Stufen erklimmen, um hierher zu gelangen. Ansonsten aber sind die Dienstleistungen der Career Services denkbar niederschwellig. Sie können von Studierenden aller Fakultäten unkompliziert in Anspruch genommen werden.

Die Abteilung besteht aus einem jungen, ideenreich und tatenlustig wirkenden Zweierteam, dem Wirtschaftswissenschaftler Roger Gfrörer (Leitung) und der Sprach- und Literaturwissenschaftlerin Natalie Breitenstein. Innert kurzer Zeit haben die beiden eine Dienstleistungspalette erstellt, die vom Online-Bewerbungsratgeber über Informationsveranstaltungen bis zur individuellen Beratung reicht und in nächster Zukunft um Workshops, Podiumsveranstaltungen und interaktive Trainingsprogramme erweitert werden soll.

Beziehungspflege als das A und O

Um ihre Drehscheiben-Funktion zwischen Studium und Beruf erfüllen zu können, arbeiten Roger Gfrörer und Natalie Breitenstein gegenwärtig mit Hochdruck daran, möglichst viele Kontakte zu Arbeitgebern sowie zu universitären Fachstellen und Instituten herzustellen. «Diese Kontakte», so Gfrörer, «sind das A und O unserer Arbeit.» Es gilt, Rekrutierungsverantwortliche von Firmen und Verwaltungen über universitäre Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten und sie dazu zu bewegen, selbst an der Universität in Erscheinung zu treten.

Genauso gilt es aber auch, sich mit Lehrverantwortlichen sowie Studienberaterinnen und -beratern der UZH über die Bedürfnisse und Trends auf dem Arbeitsmarkt auszutauschen. «Wir versuchen wo immer möglich, unser Wissen zu Fragen des Berufseinstiegs und zum Arbeitsmarkt in Zusammenarbeit mit den universitären Instituten zu erweitern.» Die Zusammenarbeit mit Fachstellen wie dem Sprachenzentrum, der psychologischen Studienberatung, dem Zentrum für Weiterbildung, der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik oder den Alumni-Organisationen wird ebenfalls gross geschrieben.

Individuelle Beratungen

Ein Kernangebot der Career Services sind individuelle Beratungen bei der Laufbahnplanung. Dabei empfiehlt sich, wie Natalie Breitenstein erklärt, ein dreistufiges Vorgehen: Zuerst bringt sie die Studierenden durch gezielte Fragen dazu, sich Klarheit über den eigenen Standort, die eigenen Wünsche und Fähigkeiten zu verschaffen. In einem zweiten Schritt soll der Wissens- und Vorstellungshorizont erweitert werden.

«Sehr oft», sagt Natalie Breitenstein, «haben die Studierenden einen viel zu vagen Begriff von den verschiedenen Berufsrealitäten. Wir geben Tipps, wie man mit sogenannten informellen Interviews Kontakte mit erfahrenen Berufsleuten anknüpft, die in interessanten Bereichen tätig sind; wir zeigen, wie man sich auf diese Weise verbindliche Informationen aus erster Hand beschafft und dabei gleich auch noch sein persönliches Netzwerk erweitert.»

In einem dritten Beratungsschritt lotet Natalie Breitenstein mit den Studierenden aus, mit welchen «flankierenden Massnahmen» sie ihre individuelle Ausgangsposition auf dem Arbeitsmarkt verbessern können: etwa durch Praktika, Auslandaufenthalte, Computer- oder Sprachkurse.

Die Career Services bieten auch Hilfe in praktischen Belangen rund ums Bewerbungsverfahren. Zum Beispiel beim Erstellen eines Lebenslaufes. Ein Trainingsprogramm für Bewerbungssituationen ist ebenfalls in Planung. Ein klares Bild von den eigenen Fähigkeiten zu vermitteln will gelernt sein. «Gerade Schweizer Studierende», sagt Gförer, «achten oft viel zu wenig darauf, die eigene Person ins rechte Licht zu rücken.»

Bewerbungskompetenzen trainieren

Nicht immer ist es nötig, persönlich am Hirschengraben zu einem Beratungstermin zu erscheinen. Wer sich mehr Klarheit über die eigenen Laufbahnpläne verschaffen will, dem steht auch ein gut strukturierter, umfangreicher Online-Ratgeber auf der Website der Career Services zur Verfügung. Er beinhaltet nicht nur viele Tipps und Informationen, sondern auch interaktive Übungen zur Karriereplanung, zum Networking oder zur Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen. Eine Infothek bietet Veranstaltungshinweise sowie Zusammenstellungen von Kontaktadressen, Stellenbörsen, Suchverzeichnissen und berufsspezifischen Infomationsplattformen.

Die Career Services wenden sich nicht nur an Studierende, die kurz vor dem Berufseinstieg stehen. Der Anspruch besteht vielmehr darin, die Studierenden das ganze Studium über in Fragen der Laufbahnplanung zu begleiten.

Dazu sind verschiedenste Lehr- und Informationsveranstaltungen geplant – unter anderem eine Vortragsreihe, die jeweils am Dienstag über Mittag stattfinden soll. Roger Gfrörer hält nachdrücklich fest, dass es sinnvoll ist, sich schon während des Studiums Gedanken an die Zeit danach zu machen. «Wer rechtzeitig Vorstellungen über seine spätere Laufbahn entwickelt, der wird sich konzentrierter und mit mehr Freude seinem Studium widmen können.»

Karriere über Mittag Career Services organisiert ab diesem Semester eine Informationsveranstaltungsreihe rund um Laufbahnplanung und berufliche Identitätsfindung. «Karriere über Mittag» findet ab 24. Februar regelmässig alle 14 Tage jeweils dienstags von 12.15 bis 13 Uhr an der Rämistrasse 69 im Raum SOC 1-106 statt. Kurzberatungen Kurzberatungen ohne Anmeldungen jeweils mittwochs von 11 bis 13 Uhr am Hirschengraben 60.

David Werner ist Redaktor des unijournals

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