Life Science Learning Center

Auf Tätersuche im Labor

Im «Life Science Learning Center» von Universität und ETH Zürich können Kinder, Gymnasiasten und interessierte Erwachsene im Labor selber Hand anlegen. Die diversen Praktika wollen die Lust auf die Biowissenschaften wecken.

Adrian Ritter

Schnittstelle zwischen Forschung, Öffentlichkeit und Pädagogik: Schülerinnen und Schüler beim Besuch im Life Science Learning Center. (Bild: LSLC)

Vier Verdächtige stehen zur Auswahl. Aber welcher von ihnen hatte versucht, den Aktenschrank im Lehrerzimmer aufzubrechen? Im Praktikum «Genetischer Fingerabdruck» gilt es, einen fiktiven Kriminalfall zu lösen. Die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Wiedikon sollen den Schuldigen finden, indem sie die am Tatort gefundene DNA mit den Speichelproben von vier Verdächtigen vergleichen.

Kursleiter Michael Röthlisberger, Doktorand am Institut für Molekularbiologie der UZH, hatte zuvor informiert, wozu das Praktikum dient: «Nach dem heutigen Tag wisst ihr, was ein genetischer Fingerabdruck ist, wie er durchgeführt wird und unter welchen Bedingungen er überhaupt möglich ist.»

So ist beispielsweise eine bestimmte Menge DNA nötig, um den Täter überführen zu können. So machen sich die Schülerinnen und Schüler denn mit Labormänteln und Gummihandschuhen ausgerüstet ans Pipettieren und Zentrifugieren, um genügend DNA herzustellen.

Infrastruktur nutzen

Rund 2100 Schülerinnen und Schüler, mehr als 100 Lehrpersonen und rund 700 Erwachsene haben das Life Science Learning Center (LSLC) seit seiner Eröffnung im März 2006 besucht. Das Schullabor auf dem Campus der Universität Zürich Irchel bietet eine breite Palette von Kursen und Veranstaltungen an – von «Aug in Aug mit einer Fliege» über pflanzenökologische Feldmethoden bis zur «Gentechnologie im Brennpunkt von Kultur und Gesellschaft».

«Wir wollen Schnittstelle sein zwischen Forschung, Öffentlichkeit und Pädagogik», sagt Peter Jann, Geschäftsführer des LSLC. So ermöglichen es die Praktika beispielsweise Schulen, Experimente durchzuführen, für welche spezifische Geräte nötig sind. Die Schülerinnen und Schüler des Ergänzungsfaches Biologie der Kantonsschule Wiedikon haben schon diverse molekularbiologische Techniken im eigenen Schulzimmer angewandt.

Ein eigenes Gerät für die Polymerasekettenreaktion - zur Vervielfältigung von DNA - besitzt die Schule allerdings nicht. «Wir sind froh, die Infrastruktur der Hochschule benützen und gleichzeitig den Schülern Einblick in das Leben an der Universität geben zu können», so Biologielehrer Martin Hefti. Das Praktikum bietet nämlich auch Gelegenheit, Labors an verschiedenen Instituten zu besichtigen.

«Sehr inspirierend»

«Wir wollen die Freude und Neugier an den Biowissenschaften wecken und Einblick in die aktuelle Forschung geben», sagt Peter Jann. Die Erfahrungen nach zwei Jahren Lernzentrum seien ermutigend. So erhielt das Learning Center vom sechsten Forschungsrahmenprogramm der EU kürzlich die Auszeichnung «Good Practice» für seine Verbindung von Forschung und Bildung.

Auch der Blick ins Gästebuch zeigt, dass das Angebot auf Anklang stösst. «Sehr inspirierend», «toll», «cool» oder schlicht «mega geil» lauten da je nach Altersstufe die Rückmeldungen zu den Praktika.

Dass das Lernen altersgerecht und in einem anregenden Umfeld stattfinden kann, dafür sorgt nicht zuletzt die enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik der Universität Zürich und den Erziehungswissenschaften an der ETH Zürich. Die Fachpersonen aus den Biowissenschaften und der Didaktik erarbeiten die Praktika gemeinsam.

Gleichzeitig werden am Learning Center für angehende Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer Kurse durchgeführt, welche sie auf die Vermittlung von biowissenschaftlichem Wissen vorbereiten. Aber auch wer bereits in der schulischen Praxis steht, kann vom LSLC profitieren. Spezifische Weiterbildungen informieren Lehrkräfte über den aktuellen Stand der Wissenschaft und sorgen dadurch für den Wissenstransfer an die Schulen.

Das Life Science Learning Center richtet sich mit seinen Kursen nicht nur an Schulklassen und Lehrkräfte, sondern auch an die breite Öffentlichkeit. Im Bild: Veranstaltung im Rahmen der Seniorenuniversität. (Bild: LSLC)

Leuchtturm schaffen

In naher Zukunft sollen am Learning Center weitere Kursangebote entstehen, etwa zum Thema Biochemie. Geschäftsleiter Peter Jann hat aber noch weitergehende Pläne. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der beiden Hochschulen möchte er das LSLC zu einem eigentlichen «Science Education Center» machen.

Es würde verschiedene Naturwissenschaften auch ausserhalb der Life Sciences einbeziehen. «Ein solches Zentrum wäre ein Leuchtturm für den Wissens- und Bildungsstandort Zürich», ist Jann überzeugt und rechnet sich gute Chancen aus, die Idee realisieren zu können.

Ein solch interdisziplinäres Zentrum wäre ganz im Sinne des Interesses von Benjamin, einem der Schüler der Kantonsschule Wiedikon. Während die DNA-Proben erwärmt werden, erzählt er, dass ihn am Fach Biologie vor allem das Verstehen von Zusammenhängen interessiert: «Warum altern wir? Wie funktionieren Gedanken? Dass man solche Frage, die im täglichen Leben auftauchen, auch im Labor untersuchen kann, ist faszinierend.»

Den Täter, der sich am Aktenschrank zu schaffen gemacht hatte, konnten die Schülerinnen und Schüler aus Wiedikon übrigens entlarven. Es war der Verdächtige Nummer drei, der sich mit seinem genetischen Fingerabdruck verraten hatte.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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