Hochschuldidaktik über Mittag

Die Qualität der Hochschulen fördern

Auch im Hochschulwesen wird die Qualitätssicherung immer wichtiger. Wie es dazu kam und welche Fragen sich dabei stellen, dazu referierte Prof. Andrea Schenker-Wicki im Rahmen der Hochschuldidaktik über Mittag.

Adrian Ritter

Andrea Schenker-Wicki ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich. Sie war 1997-2001 als Sektionschefin Universitätswesen beim Bundesamt für Bildung und Wissenschaft tätig. (Bild: Adrian Ritter)

Andrea Schenker-Wicki ist Professorin für Betriebswirtschaft an der Universität Zürich und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des «Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung der Schweizerischen Hochschulen» (OAQ), welches sich auf nationaler Ebene mit Fragen der Qualitätssicherung beschäftigt. In ihrem Referat «Qualitätssicherung – Verbesserung versus Kontrolle» blickte sie am Mittwoch auf die Entwicklung des Hochschulwesens seit den 1990er Jahren zurück.

Gesellschaftlicher Wandel

Es war eine «spannende Zeit», als sie 1997 Sektionschefin Hochschulwesen beim Bundesamt für Bildung und Wissenschaft wurde. «Man spürte das veränderte wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld und den Druck auf die Universitäten», so Schenker-Wicki. Der finanzielle Spielraum der öffentlichen Hand war kleiner, der Ruf nach einer effizienteren Verwaltung und «New Public Management» grösser geworden. Die Universitäten forderten mehr Autonomie und die Studierenden eine bessere Betreuung.

Gleichzeitig drängten private Anbieter auf den Hochschulmarkt und verlangten beim Bund nach Möglichkeiten, sich akkreditieren, also offiziell begutachten und anerkennen zu lassen. Der dringende Handlungsbedarf zeigte sich spätestens, als beispielsweise die USA begannen, ihren Studierenden Stipendien zu verweigern, wenn sie an Schweizer Universitäten studieren wollten.

Die Rahmenbedingungen anpassen

Zu den Aufgaben von Schenker-Wicki gehörte es, mitzuhelfen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Hochschulwesen angesichts dieser Veränderungen neu zu definieren. Ausdruck finden sollte dies unter anderem im 1999 in Kraft getretenen Universitätsförderungsgesetz (UFG) sowie in der 2001 in Kraft getretenen Vereinbarung zwischen dem Bund und den Universitätskantonen über die Zusammenarbeit im universitären Hochschulbereich.

Parallel zur Gesetzgebung auf nationaler Ebene erhielten praktisch alle Universitäten neue Gesetze, die ihnen mehr personelle und finanzielle Autonomie, etwa in der Form von Globalbudgets, versprachen. Im Gegenzug wollten die Geldgeber aber genau wissen, wohin die Mittel fliessen und ob sich die Hochschulen qualitativ verbessern.

Dies herauszufinden gehört zu den Aufgaben eines Qualitätssicherungssystems. Dass Systemen zur Qualitätssicherung in Zukunft im Hochschulbereich eine zunehmende Bedeutung zukommen wird, dafür sorgt neben den Qualitätssicherungsmassnahmen, die in den kantonalen Gesetzen festgeschrieben sind, auch das im Universitätsförderungsgesetz vorgesehene OAQ, welches 2001 seine Arbeit aufgenommen hat.

Das OAQ wird allerdings – ausser bei der Akkreditierung – nicht selber an den Universitäten Einzeldaten erheben, sondern umschreibt die Anforderungen an die Qualitätssicherung und prüft, ob diese an den Universitäten angewandt werden. «Es ging weniger um Kontrolle als um Verbesserung», so Schenker-Wicki. Entsprechend wurden die Ergebnisse dieser Evaluationen auch nicht direkt an die Finanzierung der Hochschulen gekoppelt, wie dies beispielsweise in Grossbritannien der Fall ist.

Nachhaltig erfolgreich?

Was aber bringt die Qualitätssicherung konkret? Auf die Hochschulen bezogen, fehle die entsprechende Forschung noch, so Schenker-Wicki. Klar sei aber, dass die Diskussion um die Qualitätssicherung dazu geführt habe, dass beispielsweise Fragen rund um die Betreuung der Studierenden sowie Fragen der Qualität von Lehre vermehrt Beachtung finden.

«Erfahrungen in der Privatwirtschaft zeigen zudem, dass Unternehmen, welche die Qualitätssicherung ernst nehmen, nachhaltig erfolgreich sind», so Schenker-Wicki. Die Referentin ist darum überzeugt, dass Massnahmen der Qualitätssicherung es auch den Universitäten erlauben werden, sich weiter zu professionalisieren.

Nicht zuletzt werde das Thema auch im Zusammenhang mit der Bologna-Reform und der zunehmenden Bedeutung von Rankings aktuell bleiben. Allerdings gelte es immer, das richtige Mass zu finden: «Qualitätssicherungsmassnahmen wie zum Beispiel Evaluationen sind immer mit einem grossen Aufwand verbunden. Eine 'Überevaluation' gilt es deshalb zu vermeiden.»

 

Andrea Schenker-Wicki ist ordentliche Professorin für Betriebswirtschaftslehre am Institut für Strategie und Unternehmensökonomik sowie Direktorin des Executive MBA Programms der Universität Zürich. Sie studierte Lebensmittelingenieurin und Wirtschaftswissenschaften und habilitierte zum Thema «Evaluation von Hochschulleistungen». Von 1997-2001 war sie Sektionschefin Universitätswesen im Bundesamt für Bildung und Wissenschaft, bevor sie 2001 an die Universität Zürich wechselte.  

Die nächsten Veranstaltungen der Hochschuldidaktik über Mittag:13. Dezember 2006: Prof. Christiane Spiel, Universität Wien: Von studentischer Lehrveranstaltungsbewertung zum Qualitätsmanagement17. Januar 2007: PD Dr. Michael Siegrist, UZH und ETH Zürich: Befragungen von Ehemaligen: Was sagen sie aus, was können sie leisten?31. Januar 2007: lic.phil. Kathrin Futter, UZH: Aus eigener Initiative die Lehre evaluieren – mit welchen Instrumenten?

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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