Nutella allein, das lass sein

Was tun, wenn man die Finger einfach nicht vom geliebten Schokoladeaufstrich lassen kann und keine Lust zum Kochen hat? Dass gesund essen nicht gleich aufwändig kochen bedeuten muss und jedermann dazu fähig ist, zeigt die Broschüre «Ernährung» des Gesundheits-Trams Zürich.

Brigitte Blöchlinger

Hans ist Computerfachmann in einer Firma. Sport findet er schädlich, und dem Süssen ist er nicht abgeneigt. Ein hoffnungsloser Fall? Nein! Finden Sie erst die 12 Ernährungsfehler von Hans und erfahren Sie anschliessend, wie auch er sich ganz einfach gesünder ernähren könnte:

«Zum Frühstück habe ich am liebsten ein mit Nutella bestrichenes Stück Zopfbrot und Milchkaffee mit Zucker. Leider muss ich am Morgen immer pressieren, meist kaue ich noch an den letzten Bissen, während ich zum Bus renne. Vor der Abteilungssitzung um neun Uhr gibt’s schnell ein paar Gummibärchen, und wenn ich Glück habe, spendiert eine Arbeitskollegin Gipfeli oder es hat noch ein paar Pralinés vom letzten Firmen-Event übrig. Um zwölf Uhr habe ich dann richtig Kohldampf. Da brauche ich was Richtiges, am liebsten ein Steak mit Pommes frites, dazu ein grosses kühles Bier. Das feine Mahl rundet ein Coupe Romanoff ab, zum Verdauen genehmige ich mir einen Cappuccino und einen kleinen Grappa. Dann bin ich zwar etwas müde vom Verdauen, aber meistens läuft bis drei Uhr eh nicht viel im Geschäft. Um vier Uhr machen wir zusammen Zvieripause in der nahen Bar, die haben selbst gemachte Brownies, die mögen alle gern. Am Abend bin ich, obwohl ich den ganzen Tag vor dem Computer gesessen bin, so kaputt, dass es nur noch dazu reicht, eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben. Während die vor sich hin brutzelt, relaxe ich mit einer Schachtel Salznüsschen vor dem Fernseher und trinke ein gutes Glas Weisswein. Ist die Pizza fertig, beginnt meist bereits der Abendspielfilm, drum gesellt sich dann meine Familie zu mir auf die Polstergruppe und zusammen machen wir ein richtig gemütliches TV-Dinner.»

Der Mix machts aus

Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, was Hans ernährungstechnisch falsch macht, ist einfach: alles. Er isst zu zuckerhaltig, zu fett, nimmt zu wenige Ballaststoffe und praktisch keine Vitamine zu sich. Es fehlt ihm ausserdem an Bewegung, und er trinkt viel zu wenig, und das wenige hat Alkohol, Zucker oder Koffein darin – statt dass es einfach Wasser wäre.

Über kurz oder lang wird Hans mit dieser Ernährung gesundheitliche Probleme bekommen. Doch Hans ist ein Gewohnheitstier wie die meisten Menschen. Er ist schlicht zu faul, um sich zu ändern. Für ihn wäre deshalb die Broschüre «Ernährung» des Gesundheits-Trams (die vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin im Auftrag des Kantons Zürich entwickelt wurde) etwas. Darin heisst es im Kapitel «Setzen Sie auf kleine Schritte» verständnisvoll: «Nehmen Sie sich nur kleine Änderungen vor. Vielleicht eine Gemüse- oder eine Fruchtportion mehr pro Tag (…) oder ein ausgiebigeres Frühstück als bisher?» Nicht nur vor Rosskuren wird gewarnt, sondern auch davor, sich seine Lieblingsspeisen zu verkneifen, oder Speisen zu essen, nur weil sie gesund sind. «Essen Sie nichts, was Ihnen nicht schmeckt», lautet die Devise der handlichen Broschüre. Denn nicht die einzelnen Nahrungsmittel für sich alleine sind ungesund, sondern der falsche Mix. Im Fall von Hans' Essgewohnheiten würde das bedeuten: Viel mehr trinken, viel mehr Früchte und Gemüse. Die Lebensmittelpyramide zeigt, wovon viel und wovon wenig gegessen werden sollte.

Die Lebensmittelpyramide zeigt, von welchen Lebensmittelgruppen man viel essen darf und von welchen man weniger geniessen sollte. (Bild: zVg.)

Lieber kleine als keine Schritte

Für Hans also ein brauchbares Konzept. Er könnte beispielsweise sein geliebtes Nutella auf ein Vollkornbrot streichen und im Bus eine Frucht essen. Dann bei der Arbeit zu Fuss die Treppe hoch steigen, statt den Lift zu nehmen. Bis zum Mittagessen Früchte naschen, sobald der Magen knurrt, so dass er nicht völlig ausgehungert über das grösste Menu herfällt. Und einen Liter Wasser neben dem Computer aufstellen, der bis Mittag leer sein muss. Dessert und Schnaps streichen, und sich dafür mit einem Brownie zum Zvieri belohnen. Das Abendessen zum familiären Treffen aufwerten, und aus dem grossen Tiefkühlangebot neben der Pizza auch ein paar praktische Erbsen-, Spinat- oder Brokkoli-Packungen mit nach Hause nehmen. Und wer weiss, vielleicht findet er ja Gefallen an der Blitz-Pasta oder, bei fortgeschrittenem Ernährungsbewusstsein, an den Roten Linsen mit Quark. Diese und noch mehr einfache und wirkungsvolle Rezepte und Tipps finden sich wie gesagt in der Broschüre «Ernährung», gratis im Internet.

Broschüre «Ernährung» Die Broschüre «Ernährung» ist im Rahmen des Projektes Gesundheits-Tram Zürich erschienen. Sie wurde verfasst von der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin. Sie enthält viele Informationen zu gesundem Essen, Lebensmittelsicherheit, Essen mit Kindern, Essen im Alter, zu gesundem Essen auch unter Zeitdruck und vielem mehr. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin ist Teil der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich. Zudem hat es einen Leistungsauftrag der Gesundheitsdirektion. Leiter ist der Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. med. Felix Gutzwiller. Das Institut ist in Forschung, Lehre und Dienstleistung tätig. Die Broschure können Sie bestellen: ISPM, z.H. Frau K. Wehrli Hirschengraben 84, 8001 Zürich

Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin von unipublic

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