Schreiben in der Wissenschaft

Wissenschaftliches Schreiben stellt besondere Anforderungen an Studierende und Dozierende an einer Universität. Das «Forum wissenschaftliches Schreiben» soll dabei Unterstützung bieten. Bruno Wohlgemuth von der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik äussert sich zur Situation des Schreibens an der Universität Zürich.

Adrian Ritter

Wissenschaftliches Schreiben will eine klare Fragestellung einer plausiblen Lösung zuführen. Aus didaktischer Sicht steht bei dieser Art von Schreiben der damit verbundene Denk- und Lernprozess im Vordergrund.  (Bild: Adrian Ritter)

Das «Forum wissenschaftliches Schreiben» wurde im September 2005 von Universitäten, Hochschulen sowie Schreibexpertinnen und Schreibexperten aus dem deutschsprachigen Raum gegründet. Es will den Dialog über das Schreiben an den Hochschulen fördern, entsprechende Bildungsangebote machen und die in diesem Bereich Tätigen vernetzen.

Anfang Juni wurde zu diesem Zweck eine Tagung veranstaltet. Bruno Wohlgemuth, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik (AfH), ist Gründungsmitglied des Forums und hat an der Tagung teilgenommen.

unipublic: Worin unterscheidet sich wissenschaftliches Schreiben von anderen Arten des Schreibens?

Bruno Wohlgemuth: Bei vielen Textsorten wie etwa einem Roman, einem Gedicht oder auch einer Gebrauchanweisung steht das geschriebene Produkt im Mittelpunkt. Beim Schreiben in der Bildung hingegen steht ein Prozess im Mittelpunkt. Das Schreiben soll den eigenen Denk- und Lernprozess fördern und sichtbar machen. Es dient der Reflexion darüber, was ich als Schreibender weiss, wie ich argumentiere.

Der Text an sich ist weniger wichtig?

Inhaltlich ist der Text natürlich Teil der fachspezifischen Wissenschaftskommunikation. Aus didaktischer Sicht ist er ein Nachweis, dass man das wissenschaftliche Handwerk beherrscht. Diese Wissenschaftlichkeit unterscheidet das Schreiben an einer Universität wiederum vom Schreiben auf anderen Bildungsstufen. An einer Universität hat das Schreiben eine klare Fragestellung als Ausgangspunkt und soll zu einer plausiblen Lösung hinführen. Dazu bedient sich der Schreibende zusätzlich eines fachspezifischen Vokabulars.

Bruno Wohlgemuth ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik und Gründungsmitglied des «Forum wissenschaftliches Schreiben». (Bild: Adrian Ritter)

Dies kann den Text für Laien schwer verständlich machen. Inwiefern ist die Verständlichkeit ein Ziel des wissenschaftlichen Schreibens?

Grundsätzlich ist die Verständlichkeit immer das erste Ziel. Es gilt dabei zu unterscheiden zwischen dem Schreiben für die Fachwelt und für ein allgemeines Publikum. Ziel des Studiums ist es, beides zu erlernen. Mit der Bologna-Reform wird das Ziel des Schreibens für ein allgemeines Publikum im Rahmen der so genannten «fächerübergreifenden Kompetenzen» zusätzlich betont. Am Gymnasium sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, analytisch zu denken sowie klar zu argumentieren und sich auszudrücken. Damit bringen sie gute Voraussetzungen für ein Studium mit. Das wissenschaftliche Schreiben an sich zu vermitteln ist dann Aufgabe der Universitäten.

Wie beurteilen Sie die Qualität des Schreibens an der Universität Zürich?

Es gibt bisher keine systematische Erhebung dazu. An der Tagung des Forums war man sich aber einig, dass im deutschsprachigen Raum ein grosser Bedarf an Schreibförderung an Hochschulen beseteht. Dies zeigen auch die Erfahrungen der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik. Wir bieten seit 2001 Kurse an zum wissenschaftlichen Schreiben wie auch zur Vermittlung der entsprechenden Kompetenz an die Studierenden. Die Kurse sind seit Jahren ausgebucht.

Sind zusätzliche Anstrengungen notwendig, um das Schreiben zu fördern?

Wir werden uns überlegen müssen, wie wir zusätzliche Kurse anbieten können. Als nächsten Schritt wollen wir zudem eine Übersicht gewinnen, welche Angebote der Schreibförderung an den einzelnen Instituten und Fakultäten der Universität Zürich bestehen. Diese Übersicht soll helfen, den Erfahrungsaustausch zwischen diesen Angeboten zu fördern. Für den Erfahrungsaustausch über die Universität Zürich hinaus wird sicherlich das neue Forum nützlich sein.

Mit welchen weiteren Massnahmen das Schreiben an der Universität Zürich am besten gefördert werden kann, muss noch diskutiert werden. Die Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik wird das wissenschaftliche Schreiben im Jahr 2007 zu einem Schwerpunktthema machen. Längerfristig wäre aus unserer Sicht an der Universität Zürich die Einrichtung eines eigentlichen «Schreibzentrums» wünschenswert.

Die Arbeitsstelle für Hochschuldidaktikbittet Institute und Fakultäten der Universität Zürich, eigene Instrumente der Schreibförderung der Arbeitsstelle zu melden, damit diese eine entsprechende Übersicht erstellen kann.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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