Auf Rädern zum Korb

Nicolas Hausammann ist Student der Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich. Vor allem aber ist er im Moment als Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft im Rollstuhl-Basketball beschäftigt. Ende Juni versucht das Team an der Europameisterschaft in Tschechien den Aufstieg in die A-Gruppe.

Adrian Ritter

Pendler zwischen Hörsaal und Spielfeld: Nicolas Hausammann, Rollstuhl-Basketballer in der Schweizer Nationalmannschaft und Student der Publizistikwissenschaft an der Unviersität Zürich. (Bild: Adrian Ritter)

Gegen die Türkei, Österreich und Kroatien tritt das Schweizer Team ab 24. Juni in der tschechischen Stadt Brno an. Gelangen sie an dieser Europameisterschaft der B-Gruppe bis ins Finale, steigt das Team in die A-Gruppe auf. «Das ist ein wichtiger Schritt zu unserem Ziel, 2012 bei den paralympischen Spielen in London teilnehmen zu können», erklärt Nicolas Hausammann.

Rollen und Dribbeln

Rollstuhlbasketball verläuft nach ähnlichen Regeln wie das «Fussgängerbasketball», wie es die Rollstuhlspieler nennen. So ist es nur begrenzt erlaubt, mit dem Ball in der Hand zu fahren. «Zweimal das Rollstuhlrad anstossen, dann muss gedribbelt werden.» Auch das Spielfeld und die Höhe der Körbe entsprechen dem Fussgängerbasketball. Der Wurf aus der sitzenden Position erfolgt dementsprechend über eine längere Distanz und ist schwieriger.

Bemerkbar macht sich beim Werfen aus dem Rollstuhl aber vor allem der Nachteil, dass die Kraft der Beine nicht mithelfen kann. Umso wichtiger sind kräftige Arme und ein kräftiger Rumpf für die Stabilität. Hausammann ist mit seiner Legi der Universität Zürich denn auch Stammgast beim ASVZ. Dreimal wöchentlich ist Wurftraining, Fahrtraining mit dem Rollstuhl und Krafttraining angesagt.

Nicolas Hausammann an der Schweizer Meisterschaft im Mai 2006. Die «Pilatus Dragons» wurden dabei zum dritten Mal Schweizermeister. (Bild: Pilatus Dragons)

Handicap nach Punkten

Je nach Behinderung sind Rollstuhl-Basketballer in ihrer Beweglichkeit unterschiedlich eingeschränkt, was in der «Handicap Punktierung» ausgedrückt wird. 14 Punkte dürfen die fünf Spieler der Nationalmannschaft insgesamt aufweisen, die Einstufung wird jeweils vor einem Match von Physiotherapeuten vorgenommen.

Nicolas Hausammann ist mit 2,5 Punkten eingestuft. Als «unvollständiger Tetraplegiker» hat er zwar im ganzen Körper Gespür, aber wenig Kraft in den unteren Extremitäten. Seit einer Rückenmarkverletzung mit zwölf Jahren ist er im Alltag auf Krücken oder den Rollstuhl angewiesen: «Den Rollstuhl benutze ich etwa wie andere Leute das Fahrrad, eher für längere Strecken oder eben beim Basketball.»

Schnell, kreativ und hart zur Sache

Seine Leidenschaft für den Sport entdeckte er als Jugendlicher während der Rehabilitation in der Universitätsklinik Balgrist. «Für mich ist Rollstuhlbasketball die schnellste und kreativste Sportart im Behindertensport. Die Fingerfertigkeit mit dem Ball und das Austricksen der Gegner mit Täuschungsmanövern fasziniert mich; und auch, dass es auf dem Spielfeld manchmal hart zur Sache geht.»

Während seiner Zeit am Gymnasium in Zürich entwickelte er sein Können und wurde Mitglied beim Rollstuhl Basketballclub Uster. Elf Teams gibt es in der Schweiz, die sich an den nationalen Meisterschaften beteiligten und dauernd auf Talentsuche sind. Es waren die Innerschweizer «Pilatus Dragons», denen es 2002 gelang, Hausammann von Uster abzuwerben. Sein Potenzial bringt er aber bereits seit 1998 auch in die Nationalmannschaft ein und ist heute Captain sowohl der Dragons wie auch der Nationalmannschaft.

Sport und PR kombinieren

In der Schweiz gibt es zwar im Rollstuhlbasketball keine Profis, der Zeitaufwand für Spieler wie Nicolas Hausammann ist aber doch beachtlich. Zusätzlich zu seinem privaten Training kommen zweimal wöchentlich Trainings mit den «Pilatus Dragons» sowie Wochenenden mit der Nationalmannschaft hinzu.

«Ich würde schon gerne mindestens eine Saison lang erleben, wie es ist, Profisportler zu sein», meint er mit Blick auf seine berufliche Zukunft. Die Möglichkeit dazu besteht auch bereits, in Form von Angeboten eines deutschen und spanischen Profiteams. Vorerst gilt es aber, sein Studium der Publizistikwissenschaft, Betriebswirtschaftslehre und Soziologie an der Universität Zürich abzuschliessen. «Es wäre toll, wenn ich danach Basketball und mein Interesse für Public Relations kombinieren könnte.»

Reizen würde ihn beispielsweise eine Tätigkeit im Sportsponsoring oder Eventmanagement. Voraussetzungen dazu bringt er auch in diesem Bereich mit. So ist er bei den «Pilatus Dragons» für die PR zuständig, hat vor einigen Jahren für den Polyball die Sponsoren und Medienpartner betreut und arbeitet neben dem Studium als Assistent in einem privaten Institut für Marketingforschung.

Steigendes Interesse an Behindertensport

Zu steigenden Zuschauerzahlen bei den Spielen im Rollstuhlbasketball haben vor allem die Paralympics in Sydney beigetragen, ist er überzeugt. «Besonders freut es mich, wenn jemand ein erstes Mal einen Match von uns besucht, weil er Rollstuhlbasketball speziell findet, ein nächstes Mal aber wieder dabei ist, weil wir guten Basketball bieten.»

Eine nächste Gelegenheit, guten Basketball zu zeigen, hat die Nationalmannschaft in Tschechien. Die Chancen für einen Aufstieg in die A-Gruppe stehen nicht schlecht, schätzt Hausammann: Beim Training in Wien waren die Schweizer dem österreichischen Team zum Teil weit überlegen.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000