Verschiedenere Nationalitäten, überdurchschnittlich viele Frauen

Wie jedes Jahr hat die Universität Zürich auch Ende 2005 die Neuberufungen des laufenden Jahres statistisch ausgewertet und dem Universitätsrat darüber Bericht erstattet. Damit verfügt sie nun über Auswertungen der Jahre 2000 bis 2005. Fazit: Nichtdeutsche und weibliche Professoren haben zugelegt.

Brigitte Blöchlinger

Die Universität Zürich kennt nicht nur den Status ihrer neuberufenen Professorenschaft – also wie viele ordentliche und ausserordentliche Professorinnen und Professoren bzw. ordentliche und ausserordentliche Professorinnen und Professorn ad personam, bis 2003 nebenamtliche ordentliche und ausserordentliche Professorinnen und Professoren sowie Assistenzprofessorinnen und -professoren sie in den Jahren 2000 bis 2005 angestellt hat. Sie wertet jedes Jahr auch deren Geschlecht und Nationalität statistisch aus. Dabei wurden nur vom Universitätsrat ernannte Professorinnen und Professoren berücksichtigt – also keine SNF-Förderungsprofessuren, die vom Schweizerischen Nationalfonds ernannt und finanziert wurden oder werden.

Rund 40 Neuberufungen jährlich

Im Durchschnitt werden jährlich um die vierzig neue Professorinnen und Professoren an die Universität Zürich (UZH) berufen. Im ersten Jahr der statistischen Auswertung, im Jahr 2000, waren es total 31 Neuberufungen; 2003 griffen die Massnahmen der UZH, um das Betreuungsverhältnis Studierende–Professoren zu verbessern, so dass mit 63 Neuberufungen ein Peak zu beobachten ist.

Neu geschaffene Lehrstühle

Prinzipiell werden vor allem bereits bestehende Lehrstühle, die durch Emeritierungen oder Abgänge frei werden, wiederbesetzt. Doch die UZH schafft auch neue Stellen. Zum einen, um die Betreuungsverhältnisse zu verbessern, zum andern, um das Angebot zu optimieren und auf neue Entwicklungen zu reagieren bzw. diese mitzugestalten. So schuf sie beispielsweise an der Medizinischen Fakultät einen Lehrstuhl für Biomedizinische Ethik, einen Lehrstuhl für Molecular Imaging und Funktionelle Pharmakologie und eine ausserordentliche Professur ad personam für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie, an der Philosophischen Fakultät einen Lehrstuhl für Methoden der Politikwissenschaft, einen Lehrstuhl für Ethik mit Schwerpunkt in angewandter Ethik, einen Lehrstuhl für Iberoromanische Literaturwissenschaft, einen Lehrstuhl für Psychopathologie sowie einen Lehrstuhl für Alte Geschichte und an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät einen Lehrstuhl für Multimedia. Diese Lehrstühle wurden alle im Jahr 2005 erstmals besetzt. Ab und zu wird eine Professur auch «gesponsert», 2005 waren das an der Philosophischen Fakultät zwei Assistenzprofessuren für Youth Development der Jacobs Foundation, an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät die Alfred-Werner-Stiftungsprofessur in organischer Chemie als Assistenzprofessur, an der Medizinischen Fakultät eine Assistenzprofessur in Kardiologie und an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät durch den dort angesiedelten NCCR Finance eine halbe Assistenzprofessur.

Platz 1: ein Schweizer wird ordentlicher Professor

Nach wie vor werden am häufigsten ordentliche Professuren vergeben, und zwar an Männer schweizerischer Nationalität. Unter den nicht schweizerischen Neuberufungen sind solche deutscher Herkunft am stärksten vertreten (um die 30%). «Andere» Nationalitäten – das sind Professorinnen und Professoren aus den USA, aus Finnland, Österreich, Italien und Frankreich – finden sich vergleichsweise wenige (unter 10%). In den letzten zwei Jahren sind «die Anderen» allerdings auf rund 20% angesteigen – eine Entwicklung, die Dr. Kurt Reimann, Generalsekretär der UZH, positiv bewertet: «Es gelingt uns immer mehr, auch Leute aus nicht deutschsprachigen Ländern zu gewinnen, was auch ein Zeichen für die internationale Anerkennung der Universität Zürich beziehungsweise des Forschungsplatzes Zürich ist.»

Weshalb unter den deutschsprachigen Ländern das nördliche Nachbarsland Deutschland das östliche Österreich so weit hinter sich lässt, dazu gibt es nur Vermutungen. Kurt Reimann nimmt an, dass das Potential möglicher Bewerber in Deutschland mit seinen 82 Millionen Einwohnern sehr viel höher ist als in Österreich, das etwa gleich gross wie die Schweiz ist. Der Konkurrenzkampf um die Besten ist hart. Trotzdem kann sich die UZH sehr oft und erfreulicherweise auch international durchsetzen, was sich darin ausdrückt, dass meistens die Wunschkandidatinnen und -kandidaten auf dem ersten Listenplatz gewonnen werden können.

Steigender Frauenanteil

Der Bund hat bereits vor fünf Jahren die Förderungsprogramme für Chancengleichheit initiiert und auch finanziell bestückt. Gesamtschweizerisch konnte der Frauenanteil bei der Professorenschaft im letzten Jahr auf durchschnittlich 12% angehoben werden. Rektor Hans Weder von der Universität Zürich ist stolz, dass die grösste Schweizer Universität stets überdurchschnittlich viele Professorinnen berufen hat. Die Statistik liefert nun auch die genauen Zahlen: Die UZH konnte den Frauenanteil von rund 22% (das sind 7 Professorinnen) im Jahr 2000 auf 25% (das sind 10 Professorinnen) im Jahr 2005 erhöhen und hat damit rund doppelt so viele Frauen neu für Professuren gewinnen können wie der gesamtschweizerische Durchschnitt.

 

Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin von unipublic.

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