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Die Prüfungen von morgen

Nicht nur die Bologna-Reformen verändern das Prüfungswesen an den Hochschulen. Auch die Wirtschaft meldet sich mit Ansprüchen an die zukünftigen Absolvierenden und die Didaktik entwickelt sich weiter. Die Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik hat drei Referate ihrer Reihe «Hochschuldidaktik über Mittag» der Suche nach neuen Prüfungsformen gewidmet.
Adrian Ritter

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«Studierende lernen individuell, ob uns das gefällt oder nicht.» Nötig sei deshalb ein ganzes Repertoire an Prüfungsformen, findet Pamela Alean-Kirkpatrick von der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik.

Dr. Pamela Alean-Kirkpatrick zeigte sich als Mitarbeiterin der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik (AfH) in ihrem Referat überzeugt: «Studierende lernen individuell, ob uns das gefällt oder nicht.» Sinnvoll sei deshalb ein «ganzes Repertoire an Prüfungsformen».

Und weil Feedback nicht nur am Semesterende sinnvoll sei, plädiert Alean für ein «continuous assessment». Solche kontinuierlichen Beurteilungen und Rückmeldungen sollen die Selbstverantwortung der Studierenden stärken, indem diese jederzeit wissen, wo sie stehen. Leistungen während des Semesters sollen auch in die Schlussnote einfliessen können. Gemeint sind nicht nur fachspezifisches Wissen, sondern auch fachübergreifende Fähigkeiten wie das Entscheidungsvermögen oder die Teamfähigkeit.

Die Bewertung wählen

Bewertbar sind gemäss Alean-Kirkpatrick nicht nur mündliche und schriftliche Prüfungen, sondern eine Vielzahl von studentischen Aktivitäten: dies reicht von Laborberichten, Informationsrecherchen, Referaten und Posterpräsentationen bis zu Beiträgen in E-Diskussionsforen: «Wichtig ist, dass die Lernziele klar kommuniziert werden und die Beurteilung für die Studierenden transparent ist.»

An Beispielen aus dem Ausland zeigte Alean-Kirkpatrick, dass «continuous assessment» bereits praktiziert wird. An der Universität Edinburgh beispielsweise können die Studierenden wählen, ob allein die schriftlichen Prüfungen oder auch Praktika und Tutorate bewertet werden sollen.

Die Studierenden des Blockkurses Zellbiologie wünschten sich fortlaufendes Feedback - «damit sie wissen, wo sie stehen». Prof. Urs Greber vom Zoologischen Institut. 

Wissen, wo man steht

Urs Greber hat als Professor am Zoologischen Institut Erfahrungen mit neuen Prüfungsformen gesammelt. Im Fachstudium Zellbiologie werden seit 1996 Blockkurse angeboten. Diese stellen eine Mischung aus Vorlesung, Praktikum und mündlichen Präsentationen dar. Der Kurs ist so aufgebaut, dass den Studierenden fortlaufend Feedback gegeben wird. «Das war auch der Wunsch der Kursbesucher. Sie wollen wissen, wo sie stehen und sich während der Veranstaltung verbessern können», so Greber. 

Mit dem Portfolio als Prüfungsform lernt man die Person besser kennen - Felix Winter vom Höheren Lehramt Mittelschulen. 

Rechenschaft ablegen

Von einer weiteren alternativen Prüfungsform berichtete Felix Winter, wissenschaftlicher Abteilungsleiter am Höheren Lehramt Mittelschulen. Bei der «Prüfung mit Portfolio» sammeln die Studierenden während des Studiums fortlaufend Leistungsdokumente aus ausgewählten Veranstaltungen und erstellen damit ihr persönliches «Portfolio». Prüfungen sind daneben trotzdem möglich, basieren aber idealerweise auf dem erstellten Portfolio.

«Das Portfolio ist eine Art Rechenschaftslegung darüber, wie man sein Studium organisiert hat und welche Leistungen daraus entstanden sind», so Winter. Nicht unterschätzt werden sollte allerdings der Aufwand: «Portfolios sind kein Selbstläufer, sondern die Studierenden müssen gezielt dabei angeleitet werden.» Möglich ist aber auch, nicht gleich das ganze Studium, sondern nur einzelne Veranstaltungen danach auszurichten.

In der Schweiz ist das Instrument gemäss Winter bisher nicht sehr verbreitet – er habe es insbesondere in den USA kennen gelernt. In Zukunft könnte das Portfolio allerdings durchaus zu einer eigentlichen Bewerbungsunterlage werden, denn «in einem Portfolio lernt man eine Person einfach besser kennen als durch die Ergebnisse einer normalen Prüfung.»

Defizite im Sozialverhalten, bei der Integrationsfähigkeit und bei der Selbsteinschätzung sind heute die häufigsten Ursachen, warum gut qualifizierte Bewerber abgelehnt werden - Elisabeth Rohmert, selbstständiger Führungscoach.

Fachwissen genügt nicht

Immer wichtiger ist es dabei, nicht nur das Fachwissen, sondern auch die sogenannten Soft Skills kennen zu lernen. Die Referentin Elisabeth Rohmert arbeitet als selbstständiger Führungscoach und sieht einen «wachsenden Druck auf die Ausbildungsinstitutionen, ihre Studierenden mit solchen Ressourcen auszustatten». So soft wie die Skills seien allerdings auch deren Definitionsversuche. Rohmert versteht unter Soft Skills ganz umfassend «all jene persönlichen Kompetenzen, die über rein fachliches Wissen hinausgehen».

Defizite im Sozialverhalten, bei der Integrationsfähigkeit und bei der Selbsteinschätzung seien heute die häufigsten Ursachen, warum gut qualifizierte Bewerber abgelehnt werden. Als Übungsfelder für Soft Skills sieht Rohmert an der Universität insbesondere Projektarbeiten, Praktika, Auslandaufenthalte, Prüfungen in der Form von Präsentationen und Feedback von Lerncoaches und Mentoren.

Beim Coaching haben sich für Rohmert folgende Fragen an die Studierenden bewährt: Woran werden Sie merken, dass Sie mit dieser Arbeit Fortschritte machen? Was wäre der grösste Nutzen, den Sie mit dieser Aufgabe erreichen könnten? Was hat Ihnen in der Vorbereitung in einem früheren Fall am meisten geholfen? Wenn es darum geht, Soft Skills zu überprüfen und zu bewerten, sei man allerdings «noch ganz am Anfang der Entwicklung».

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