Digitale Medien

Musik aus dem Internet - lieber gratis als billig

Tauschbörsen zum freien Herunterladen von Musik im Internet bereiten der Musikbranche Kopfzerbrechen. Liesse sich das Ganze nicht auch kommerziell nutzen? Eine Studie am Lehrstuhl für Marketing der Universität Zürich nennt das wichtigste Kriterium für die vor allem jugendlichen Nutzer: den Preis.

Adrian Ritter

Musik aus dem Internet - In einer Umfrage erwiesen sich Jugendliche insbesondere als Nutzer von Tauschbörsen. (Bild: Montage)

Die Studie von Thomas Bamert, Thomas S. Meier-Bickel und Christoph Rüdt vom Lehrstuhl für Marketing geht vonzwei widersprüchlichen Feststellungen aus: einerseits den starken Umsatzeinbussen im traditionellen Handel mit Tonträgern und andererseits den trotz Tauschbörsen «vielversprechenden Wachstumsraten» auf dem kommerziellen Markt für Online-Musik in den USA, etwaim «iTunes Music Store» von Apple. Auch in der Schweiz sind diesen Herbst mehrere Plattformen für den digitalen Musikkauf eröffnet worden.

Kommerzieller Musikdownload - zwischen Wachstumsraten und Konkurrenz von Gratis-Anbietern. Der Musiktitel «Vertigo» beispielsweise kostet bei iTunes $0.99,... (Bild: Internet)

Kommerzielle Angebote bisher kaum beachtet

Mit ihrer Studie wollten die Marketingforscher das Verhalten und die Einstellungen insbesondere von Jugendlichen im Umgang mit Online-Musik aufzeigen und Anregungen für die Ausgestaltung von kommerziellen Angeboten geben. Dazu führten sie im November 2004 auf einer Ausgeh- und Nightlife-Plattform im Internet eine Umfrage durch, an der sich 1508 Personen beteiligten.

Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, über Tauschbörsen Musik herunterzuladen und dabei insbesondere Portale wie KaZaA, eMule und Morpheus zu nutzen. Weitere 22 Prozent gaben an, keine Downloads vorzunehmen und nur knapp sechs Prozent der Befragten nutzen auch kommerzielle Anbieter. Der Grund: Warum zahlen, wenn derselbe Musiktitel auch gratis auf einer Tauschbörse erhältlich ist?

...ist bei einer Tauschbörse aber kostenlos erhältlich. Kein Wunder, nutzen mehr als 70 Prozent der befragten Jugendlichen solche Angebote im Internet. (Bild: Internet)

Preis auf einen Franken senken?

Der Preis ist somit gemäss der Studie der wichtigste Faktor bei Online-Musik-Angeboten. «Für Anbieter kann es durchaus interessant sein, die heutigen Preise auf einen Betrag in der Grössenordnung von einem Franken pro Song zu senken. (...) Unter Umständen könnten so auch Benutzer von Tauschbörsen vermehrt fürkommerzielle Angebote gewonnen werden.» Durch die gesteigerte Nachfrage würde für die Anbieter trotz Preissenkung ein höherer Umsatz resultieren.

Tatsache ist nämlich, dass die Befragten für ihren Musikkonsum durchaus auch Geld ausgeben, etwa für den Kauf von CDs: 32 Franken sind es durchschnittlich pro Monat. Die Marktforscher empfehlen daher, die kostenpflichtigen Angebote so zu gestalten, dass sie den Kunden einen Mehrwert bieten.

Kreative Preismodelle gesucht

Die heutigen Preismodelle etwa liessen noch einiges an Kreativität vermissen. Mit der gängigen Version, bei der für jeden einzelnen Download bezahlt wird («Pay-per-Download») sei bisher kaum die ideale Lösung gefunden worden. Gerade die Kundenbindung spreche eher für Modelle mit einer Monatsgebühr, bei denen eine bestimmte Anzahl Downloads inbegriffen ist.

Fazit der Studie: «Kommerzielle Online-Musik-Angebote werden auch in Zukunft hart gegen andere Download-Kanäle kämpfen müssen. Wenn sie jedoch ihr Angebot konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten, so liegt im Geschäft mit der Online-Musik sicher viel Potenzial.»

Adrian Ritter ist Mitarbeiter von unipublic.