Mobilität

Studieren, Sprachen und Snowboard

Studierende aus 47 Ländern durfte Rektor Hans Weder am 24. November im Lichthof der Universität Zürich zum diesjährigen Apéro der Mobilitätsstudierenden begrüssen. Diese schätzen derartige Veranstaltungen, um sich noch besser integrieren zu könnnen.

Adrian Ritter

«Erzählen Sie überall von ihrem Land», ermunterte Rektor Hans Weder (Mitte) bei seiner Begrüssung die internationalen Studierenden. Rechts Thomas Tschümperlin, Leiter des Ressorts Studierende, links Dr. Yasmine Inauen, Leiterin Internationale Beziehungen. (Bild: Adrian Ritter)

«Sie haben eine sehr gute Adresse gewählt», sagte ein selbstbewusster Rektor Hans Weder bei seiner Begrüssung der studentischen Gäste aus aller Welt. Der Nutzen der Mobilitätsstudierenden für die Universität Zürich sei aber ebenfalls gross: «Wissenschaft ist auf Mehrdimensionalität im Sinne von verschiedenen Wahrnehmungsweisen angewiesen. Dass sie hier sind, hilft uns, dies zu verwirklichen.»

Wederermunterte die Studierenden, von ihren Herkunftsländern, deren Problemen und Lösungsansätzen zu erzählen. Andererseits seit ein Gastaufenthalt auch eine gute Gelegenheit, unser Land kennen zu lernen. Die Kleinräumigkeit der Schweiz sei «vielleicht nicht unsere beste Eigenschaft», es erleichtere dafür das Reisen und Erleben verschiedener Landschaftsformen innerhalb kurzer Distanz.

Hat im Rahmen ihres Medizinstudiums in Deutschland bereits mehrere Praktika in der Schweiz absolviert: Gesa Isensee. (Bild: Adrian Ritter)

Nach zwei Praktika nun ein Semester

Die Schweizer Berge waren denn auch mit ein Grund für Gesa Isensee (25), in Zürich ein Gastsemester zu verbringen: «Ich möchte die Zeit auch nutzen, um besser Snowboarden zu lernen.» Einige Erfahrung bringt die Medizinstudentin aus Tübingen aus früheren Aufenthalten in der Schweiz schon mit. So war sie bereits als Unterassistentin am Kantonsspital Glarus und im Rahmen eines weiteren Praktikums an der Epiklinik in Zürich tätig gewesen.

Der Bezug zur Schweiz ist nicht zuletzt durch ihren Freund gegeben, der hier lebt. Sie könnte sich durchaus vorstellen, später in der Schweiz eine Arbeitsstelle zu suchen. Vorerst bleibt es jetzt aber beim einsemestrigen Aufenthalt. Gesa Isensee nutzt dabei die Gelegenheiten, andere Mobilitätsstudierende kennen zu lernen. Nach einer Begrüssung in der medizinischen Fakultät stehen demnächst ein Fondueessen für Erasmus-Studierende und ein Ausflug nach Lausanne auf dem Programm. Die Wochenenden aber wird sie nicht zuletzt auf dem Snowboard verbringen.

Deutsch lernen, die Welt entdecken und Mathematik studieren: Fünf Austauschstudierende aus Mexico City. (Bild: Adrian Ritter)

Je mehr Sprachen, desto besser

Von etwas weiter her als Deutschland, dafür gleich zu fünft, sind Andrés Gentzen (24), Alvaro Bermudez Zindel (21), Gabriela Mata (21) Rebeca Contreras (20) und Juan Carlos Cervantes (21) für ihr Gastsemester angereist. Die fünf Freunde studieren in Mexico City Mathematik. Andrés hat den Bachelor bereits abgeschlossen und ist für den Master nach Zürich gekommen, die anderen sind im 5. Semester. Die Idee für den Austausch hatte Alvaro, dessen Mutter Schweizerin ist: «Ich hatte Lust, die Schweiz endlich mal kennen zu lernen. Schon im Schweizer Gymnasium in Mexico haben die Lehrer zudem Werbung gemacht für die Schweizer Hochschulen.»

Er fiel ihm leicht, seine Freunde zu überzeugen, ihre geplanten Gastsemester mit ihm in Zürich zu verbringen. Die Ziele, die sie dabei verfolgen: Die Welt kennen lernen und das Curriculum erweitern. Je mehr Sprachen man beherrsche, desto besser die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, so Gabriela. Neben Vorlesungen in Mathematik stehen deshalb wöchentlich vier Stunden Deutschunterricht an der Uni ebenfalls auf dem Programm.

Recherchiert während ihrem Gastsemester über die Mehrsprachigkeit in der Schweiz: Zsuzsa Hoffmann aus Ungarn. (Bild: Adrian Ritter)

Die Schweiz als Beispiel für Mehrsprachigkeit studieren

Ebenfalls für Sprachen interessiert sich Zsuzsa Hoffmann (25) aus Ungarn. Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und der ungarischen Sprachwissenschaft will sie sich in ihrer Dissertation vor allem mit Aspekten der Mehrsprachigkeit befassen. Die Schweiz schien ihr dazu ein interessantes Beispiel, weshalb sie sich bei der Botschaft um ein Stipendium bewarb. Der Auswahlprozess mit rund 50 Bewerbenden dauerte rund ein Jahr, aber Zsuzsa Hoffmann hatte Glück und ist jetzt eine von zwei Stipendiatinnen.

Die Dissertation schreiben wird sie vermutlich erst, wenn sie zurück ist in Ungarn. Ihr Aufenthalt in Zürich dient ihr der Vorbereitung. Zudem hofft sie, während des Gastaufenthaltes einen Artikel für ein Journal schreiben und allenfalls an Fachkonferenzen teilnehmen zu können. «Ich bin zwar nicht Erasmus-Studentin, möchte den Organisatoren aber für die tollen Angebote danken, welche für Austauschstudierende bestehen und an denen ich auch teilnehmen kann.»

Adrian Ritter ist freischaffender Journalist in Zürich.