Vetsuisse-Fakultät

Klonratten, gefährliche Mikroben und kranke Wellensittiche

Von der Grundlagenforschung bis zu Diagnose und Therapie: Das Spektrum der veterinärmedizinischen Forschung ist breit. An der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich präsentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuelle Forschungsresultate und hochkarätige, neue Projekte.

Felix Straumann

Unter dem Motto «From Gene to Therapy» trafen sich am vergangenen Donnerstag, 4. November 2004, Forscherinnen und Forscher der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich im Tierspital zu einem Austausch ihrer Forschungsresultate. «An Veranstaltungen wie der heutigen entstehen neue Zusammenarbeiten und Ideen», unterstrich zu Beginn der Veranstaltung der Dekan der Zürcher Vetsuisse-Fakultät, Ueli Hübscher, den Nutzen des Treffens. Und der Prorektor Forschung, Alexander Borbély, hob hervor, dass die vorgestellten Forschungsprojekte alle durch Drittmittel finanziert seien. Dies sei ein Zeichen für hohe Qualität, denn «bekanntlich sind solche Gelder nur schwerzu erhalten», so Borbély.

Antonio Arnoldo (Bild: Felix Straumann)

Gefährliche Bakterien bekämpfen

In der «Wissenschaftssprache» Englisch präsentierte der Nachwuchs anschliessend eine geballte Ladung hochkarätiger Forschung. Beispielsweise Antonio Arnoldo vom Institut für Veterinärbiologie und Molekularbiologie. Er ist auf der Suche nach neuen Angriffspunkten für die Bekämpfung des Bakteriums «Pseudomonas aeruginosa». Die Mikrobe verursacht beim Menschen häufig den Tod bei Krankheiten, die die Abwehrkraft schwächen, etwa bei Aids, Krebs, grossflächigen Verbrennungen oder der Stoffwechselkrankheit Cystische Fibrose. Unglücklicherweise ist der Krankheitserreger häufig resistent gegenüber Antibiotika, weshalb neue Bekämpfungsstrategien dringend nötig sind.

Tonko Buterin (Bild: Felix Straumann)

Muttermilch testen

Um Fremdstoffe, die die Aktivität der Gene verändern, ging es im Referat von Veterinärtoxikologe Tonko Buterin. Er untersuchte Substanzen, die aufgrund ihrer Struktur an die gleichen Zellrezeptoren binden wie das Hormon Östrogen. Dazu kultivierte er Brustzellen und beobachtete anhand der Genprodukte, welche Gene eingeschaltet waren. Jede dieser so genannten Xenoöstrogene bewirkte ein eigenes Aktivitätsmuster im Erbgut; wobei die betroffenen Gene zum Teil im Zusammenhang mit Krebs stehen. In einem nächsten Schritt wird der Veterinärtoxikologe Buterin natürliche Proben testen, in denen schon Xenoöstrogene gefunden wurden: Muttermilch und Sedimente aus Schweizer Seen sowie Fische.

Melanie Blasius (Bild: Felix Straumann)

Die Jungforscherin Melanie Blasius berichtete anschliessend von ihrem Dissertationsprojekt am Institut für Veterinärbiochemie und Molekularbiologie. Sie ist dabei, ein Eiweiss zu untersuchen, das im Bakterium «Deinococcus radiodurans» Reparaturen am Erbgut vornimmt. Ein spannendes Projekt, denn die Mikrobe D. radiodurans hat eine besondere Eigenschaft: Sie ist äusserst resistent gegenüber radioaktiver Strahlung und Chemikalien, die bei anderen Lebewesen schwere Veränderungen im Erbgut bewirken.

Oliver Sterthaus (Bild: Felix Straumann)

Dollys Erben

Auch das Klonschaf Dolly hat Spuren bei den Veterinärmedizinern hinterlassen. Oliver Sterthaus vom Institut für Labortierkunde ist dabei, die Dolly-Kloniertechnik bei der Ratte zu etablieren. Das Verfahren ist äusserst diffizil, wie Sterthaus anhand eines kurzen Films zeigte: Mit Hilfe eines kleinen Röhrchens wird der Zellkern aus einer Eizelle entfernt und ein neuer Kern aus einer Körperzelle eingefügt. Das neue Konstrukt wird dann einer weiblichen Ratte eingepflanzt und entwickelt sich – wenn alles klappt – zu einer Klonratte. Das Ziel von Sterthaus ist es, Versuchstiere zu kreieren, bei denen gezielt bestimmte Gene ausgeschaltet sind. Dies war bisher erst bei Labormäusen üblich. Für gewisse Experimente ist die Ratte jedoch besser geeignet – etwa für Verhaltensversuche.

An den insgesamt 18 Referaten liess sich die ganze Bandbreite veterinärmedizinischer Forschung ablesen.Neben Projekten auf der Ebene von Zellen und Genen präsentierten die Zürcher Veterinärmediziner auch Resultate in den Bereichen Diagnose und Therapie von Krankheiten - auch zu klassisch-tiermedizinischen Themen, wie etwa einer neuen Therapie für Katzen mit Diabetes oder der Diagnostik von Nierentumoren bei Wellensittichen.

Felix Straumann ist freier Wissenschaftsjournalist.