Chinesisch lernen

Mit Mandarin ins Reich der Mitte

Alles Unverstandene als Chinesisch abzutun, ist längst passé. Immer mehr Menschen, oftmals Geschäftsleute, lernen Chinesisch. Am Ostasiatischen Seminar der Universität Zürich können Interessierte nun erstmals ihre Sprachkenntnisse testen und zertifizieren lassen. Das Hanyu Shuiping Kaoshi (HSK), der Chinesische Proficiency-Test, ist ein standardisierter, international anerkannter Test für Chinesisch als Fremdsprache. Ein dreiwöchiger Intensivkurs bereitet die Prüflinge gezielt auf die Prüfung vor.

Marita Fuchs

Hanyu Shuiping Kaoshi (Bild: Marita Fuchs)

Das Reich der Mitte rückt näher: Gruppen chinesischer Touristen in der Zürcher Innenstadt zeigen, dass das China von heute kein geschlossenes Land mehr ist. Brigitte Kölla, wissenschaftlicheMitarbeiterin am Ostasiatischen Seminar der Universität Zürich und dort zuständig für die Sprachausbildung, ist davon überzeugt, dass kulturelle und wirtschaftliche Kontaktezwischen China und der Schweiz in Zukunft zahlreicher werden. Dadurch würden auch Chinesischkenntnisse immer gefragter. «Als Wirtschaftsfachfrau oder -mann kann man heute nicht mehr damit rechnen, in China ausschliesslich mit Englisch durchzukommen - nicht jeder hat einen Dolmetscher an seiner Seite.» Inzwischen verlangen westliche Firmen oft ein Sprachzertifikat, wenn sie jemanden für die Zusammenarbeit mit Chines/innen suchen.

Das Ostasiatische Seminar bietet am 18. September 2004 erstmals die Möglichkeit an, das Hanyu Shuiping Kaoshi (HSK), den Test für Chinesisch als Fremdsprache, abzulegen und damit das begehrte Zertifikat zu erhalten, das in China und international anerkannt ist.

China selbst hat in den Achtzigerjahren den international anerkannten Sprachnachweis etabliert. Er ist vergleichbar mit dem Proficiency-Test für die englische Sprache. Der Chinesisch-Test war ursprünglich für Ausländerinnen und Ausländer gedacht, die an einer chinesischen Universität studieren wollen. Inzwischen wird die HSK auch von chinesischen Staatsbürgern abgelegt, die nicht chinesischer Muttersprache sind und mit dem Test einen Nachweis über ihre Kenntnisse erbringen; das Hochchinesisch oder Mandarin ist die offizielle Amtssprache.

Durchfallen nicht möglich

Mittlerweile kann man in 31 Ländern der Welt einen HSK ablegen. In der Schweiz bestand dazu bis anhin keine Möglichkeit, ab jetzt aber kann der Test in Zürich und in Genf gemacht werden. Zur Prüfung bringt ein/e Supervisor/in aus China die Prüfungsunterlagen und nimmt nach der Prüfung die ausgefüllten Multiple-Choice Prüfungsbögen nach China mit zurück. Dort werden die Prüfungen ausgewertet und die Zertifikate in alle Welt verschickt. Das ganze Testverfahren untersteht dem chinesischen Erziehungsministerium.

Der Test ist als relative Prüfung konzipiert, das heisst, dem jeweiligen Prüfling wird ein bestimmtes Level zugeordnet. Durchfallen kann also niemand, aber jeder weiss nach der Prüfung, wo er steht.

In Zürich werden die HSK-Elementarstufe und die HSK-Grund- und Mittelstufe geprüft. Die Elementarstufe umfasst 100–800 Unterrichtseinheiten mit 400–3000 Schriftzeichen, die Grund- und Mittelstufe 400–2000 Unterrichtseinheiten mit 2000–5000 Schriftzeichen. Getestet wird das Text- und Hörverständnis, es findet keine mündliche Prüfung statt.

Brigitte Kölla ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ostasiatischen Seminar der Universität Zürich und zuständig für die Sprachausbildung. (Bild: Marita Fuchs)

Prüfung mit intensiver Vorbereitung

Das Ostasiatische Seminar stellt die Infrastruktur zur Verfügung und organisiert die Prüfung. Insgesamt rechnet Brigitte Kölla mit 60 Kandidatinnen und Kandidaten. Bis jetzt haben sich Absolventen von Chinesischkursen der Volkshochschule angemeldet sowie Angestellte der ETHZ, die am Sprachenzentrum Chinesisch gelernt haben. Hinzu kommen Studierende der Sinologie, die einen international anerkannten Ausweis erwerben wollen.

Was Zürich im Vergleich zu anderen Prüfungsorten auszeichnet, ist die Möglichkeit, zur Prüfungsvorbereitung einen Intensivkurs zu besuchen. In dem dreiwöchigen Kurs werden anhand von Originalmaterial aus China Musterprüfungen geübt. «Wir sind sehr froh, dass wir für den Intensivkurs Frau Hao Zhang anstellen konnten», sagt die Organisatorin, sie sei eine sehr qualifizierte Lehrerin. Kölla hofft, dass sich das Hanyu ShuipingKaoshi in Zürich rasch etabliert.

Anfragen

Ostasiatisches Seminar der Universität Zürich
HSK
Zürichbergstrasse 4
CH-8032 Zürich
E-Mail: hsk@oas.unizh.ch

Vorbereitender IntensivkursZur Vorbereitung der HSK-Grund- und Mittelstufe wird am Ostasiatischen Seminar der Universität Zürich vom 23. August bis 10. September 2004 ein Intensivkurs mit Einführungen in die Prüfungsteile und gezielten Übungen durchgeführt. Anmeldungen per E-Mail anhsk@oas.unizh.chInteressiertekönnen sich auch autonom mit Hilfe von Modellprüfungen vorbereiten und die Materialien dazu am Ostasiatischen Seminar beziehen.

PrüfungAnmeldeschluss : 10. September 2004Termin: 18. September 2004Ort: Universität Zürich (der Prüfungsraum wird mit der Zustellung der Zulassung bekannt gegeben)Die Prüfung kann beliebig oft wiederholt werden

ZertifikatPrüfungsteilnehmer/innen, die das HSK abgelegt haben, erhalten einen Leistungsausweis, der die Ergebnisse in allen Prüfungsteilen ausweist. Ein Zertifikat wird nur ausgestellt, wenn eine bestimmte Punktzahl erreicht wird.Da die Prüfungsleistungen zentral in China bewertet werden, erhalten die Teilnehmenden das Zertifikat erst einige Wochen nach dem Prüfungstermin.

Marita Fuchs ist Mitarbeiterin von unicom