Nationale Forschungsschwerpunkte

Mammutprojekte wenig sinnvoll

Am 14. Oktober startet der Schweizerische Nationalfonds eine neue Ausschreibungsrunde für Nationale Forschungsschwerpunkte. Diesmal eigens für Geistes- und Sozialwissenschaften, damit sie nicht wie beim letzten Mal leer ausgehen.

Sabine Witt

Bei der ersten NFS-Runde leer ausgegangen: die Geisteswissenschaften. (Bild: cartoonexpress.ch)

Wenn in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Instituten trotz Semesterferien eine gewissse Betriebsamkeit auffällt, dann liegt das im Moment an einer Ankündigung des Schweizerischen Nationalfonds. Denn im Oktober 2003 wird eine neuerliche Ausschreibungsrunde für Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS) gestartet. Diesmal jedoch einzig und allein für geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte. Die erste Runde im Jahr 2000 war für alle wissenschaftlichen Disziplinen offen. Das hatte für die oft «weich» genannten Disziplinen zu einem desaströsen Ergebnis geführt: Sie gingen leer aus. Es hatte zwar auch aus diesem Bereich Anträge gegeben, die von der internationalen Jury für förderungswürdig befunden worden waren. Doch das Instrument NFS, hiess es, sei nicht angebracht für die eingereichten geisteswissenschaftlichen Projekte und so fielen diese einem politischen Entscheid und der starken Konkurrenz von Life Sciences oder Nanowissenschaften zum Opfer.

Konsequenzen aus dem Desaster gezogen

Der Bund setzte hernach eine Arbeitsgruppe ein, um die Lage der Geistes- und Sozialwissenschaften beurteilen zu lassen. Deren Ergebnisse fanden ihren Niederschlag in der Bildungsbotschaft für die Jahre 2004 bis 2007. Die besondere Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften in der Schweiz wurde darin zum Ziel erklärt. Die neue Ausschreibung des Nationalfonds im Oktober ist nun als Schritt in diese Richtung zu verstehen.

Kompetenzzentren besonders erfolgversprechend

Die Leitung der Universität Zürich hat hinsichtlich der im Juni 2003 vorangekündigten Ausschreibung bereits gehandelt. Der Antragszeitraum ist knapp bemessen, bis Januar 2004 müssen die Projektskizzen eingegangen sein. So wurden alle Professorinnen und Professoren sowie Privatdozentinnen und Privatdozenten angeschrieben, damit sie Vorbereitungen treffen können. Zudem wurden Vertreter/innen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Kompetenzzentren zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Diese haben, so Hansueli Rüegger vom Prorektorat Forschung, aufgrund ihrer ausgewiesenen Kompetenzen besonders gute Voraussetzungen für erfolgreiche Projektanträge.

Lieber kleiner, dafür mehr

Laut Auskunft beim Nationalfonds rechne man mit insgesamt etwa sechs neuen NFS in zwei Ausschreibungsrunden. Das ist auf die ganze Schweiz bezogen wenig. Die bestehenden NFS sind dem finanziellen Umfang nach sehr grosse Projekte, an denen sich jeweils zahlreiche Projektgruppen verschiedener Universitäten aus dem In- und Ausland beteiligen. Dass diese Grösse auch für geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte angemessen ist, bleibt zu bezweifeln. Rüegger hofft deshalb, dass das Ausschreibungsprofil auf die Besonderheit der Disziplinen abgestimmt wird: «Es sollten auch kleinere Projekte finanziert werden, an denen sich zum Beispiel drei Projektpartner beteiligen, und nicht nur Mammutprojekte.» Dies hätte zugleich den Vorteil, dass dann eine grössere Zahl an Projekten unterstützt werden könnte.

Keine thematischen Vorgaben

Thematisch werden in der Ausschreibung keine Vorgaben gemacht, soviel steht schon jetzt fest. Zu wünschen wäre ferner, dass nicht gesellschaftliche Relevanz oder Anwendungsorientiertheit als zentrale Kriterien aufgestellt werden. Denn dann würden die Geisteswissenschaften diesmal nicht von den Naturwissenschaften, sondern womöglich von den ihnen nahe stehenden Sozialwissenschaften ausgebootet werden. Gewissheiten diesbezüglich wird aber erst die Veröffentlichung der Ausschreibung am 14. Oktober 2003 bringen.

Sabine Witt ist Redaktorin des «unijournals» und Mitarbeiterin von «unipublic».