Fundraising

Türen öffnen

Der Bedarf an zusätzlicher finanzieller Unterstützung von Forschungsvorhaben wächst kontinuierlich. Die UZH Foundation hilft dabei, ihn zu decken. Leiterin Annelise Alig Anderhalden erklärt im Interview, welche Wege sie dabei beschreiten will.

Interview: Marita Fuchs

Annelise Alig Anderhalden
Annelise Alig Anderhalden
CEO der UZH Foundation: Annelise Alig Anderhalden. (Bild: Frank Brüderli)

 

Frau Alig, Sie haben zuvor die Standortförderung des Kantons Aargau geführt. Seit April 2021 leiten Sie die UZH Foundation. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Exzellente Bildung und Forschung sind zentral für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Die UZH Foundation wirbt zusätzliche Mittel von Privaten ein, um die Forschenden zu unterstützen und ambitionierte Ziele zu erreichen. Die Tätigkeit bei der UZH Foundation ist für mich eine einmalige Gelegenheit, einen Beitrag für die Universität Zürich und einen hervorragenden Bildungs- und Forschungsstandort zu leisten. Zudem lerne ich spannende Forschungsprojekte und Forschende kennen, worüber ich mich auch persönlich sehr freue.

Worin liegt der Hauptunterschied zwischen Ihrer bisherigen Tätigkeit und Ihrer Funktion an der UZH?

Das Fundraising für die UZH Foundation ist fokussierter als das breite Tätigkeitsgebiet der Standortförderung. Wir haben von der Universität Zürich den Auftrag, private Drittmittel zu akquirieren, was relativ klar umrissen ist.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für die UZH Foundation?

Im Fundraising gibt es viele Mitbewerber, die Konkurrenz ist gross. Alle setzen sich für berechtigte Anliegen ein. Eine langfristige Aufgabe ist, die UZH und unsere Aktivitäten sinnvoll zu positionieren sowie im Markt präsent zu sein. Mehr noch, durch die stark steigende Anzahl Studierenden und Forschungsvorhaben, die laufend teurer werden, steigt der Bedarf an zusätzlicher finanzieller Unterstützung kontinuierlich. Das bedeutet für uns, dass wir beim Spendenvolumen bedeutend wachsen wollen.

Was wollen Sie als erstes anpacken?

Wir möchten unsere Spendenbasis zukünftig verbreitern. Aktuell kommen 80 Prozent der Drittmittel von Förderstiftungen und 20 Prozent erhält die UZH Foundation von vermögenden Privatpersonen und Unternehmen. Die Mittel sollen sich künftig zu je einem Drittel von Förderstiftungen, privaten Gönnerinnen und Gönnern sowie Legaten oder Unternehmen zusammensetzen.

Das bedeutet, dass wir einerseits die bestehenden Kontakte zu den Stiftungen vertiefen und gleichzeitig bei den Privatpersonen und Unternehmen unser Netzwerk auf- und ausbauen. In der Schweiz wurde noch nie so viel Geld vererbt wie heute. Nur ein Bruchteil geht davon bislang an Organisationen wie die UZH.

Wie wollen Sie dabei vorgehen?

Ich sehe unsere Aufgabe darin, Privatpersonen für die Forschung der Universität Zürich zu begeistern. Wir wollen ihnen aufzuzeigen, wie sinnstiftend ihre Unterstützung ist. Eine Universität leistet Grosses für zukünftige Generationen. Mit einer Spende oder einem Legat zugunsten der universitären Forschung engagieren sich Privatpersonen für die Lösung gesellschaftlich relevanter Probleme. Wie beispielsweise zur Förderung des Nachwuchses in der Gehirnforschung mit dem Brain Diseases Award oder zur Bekämpfung von Corona durch den Pandemiefonds der UZH.

Welche Netzwerke nutzen Sie bei Ihrer Arbeit?

Das Alumni-Netzwerk ist für uns ein essenzieller Pfeiler. Das Studium an der UZH war für viele ehemalige Studierende eine prägende Zeit. Wir gehen davon aus, dass wir unter den Alumni viele Privatpersonen ansprechen können, die gerne die Forschung «ihrer UZH» unterstützen. Wichtig ist hier eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Alumni-Vereinigungen.

Auch das Netzwerk des Stiftungsrates ist von grosser Bedeutung für uns. Sie können uns durch ihr Netzwerk Türen öffnen – vor allem auch zu Grossgönnerinnen und -Gönnern. Eine Herausforderung wird sein, Privatpersonen ausserhalb des universitären Umfelds zu erreichen. Hier bietet die UZH jedoch grosse Vorteile, da an unglaublich vielen Themen geforscht wird, die für die Zukunft wichtig sind. Das wird auch Privatpersonen überzeugen.

Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist eine enge Zusammenarbeit mit den Professorinnen und Professoren. Sie verfügen über wertvolle Kontakte und im Gegenzug können wir sie im Fundraising, mit administrativen Dienstleistungen und beratend unterstützen.

Welche Forschung wird von Spenderinnen und Spendern besonders gern unterstützt?

Wir haben ein Projektportfolio, das Themen aus sehr unterschiedlichen Disziplinen abdeckt: Präzisionsmedizin, Biodiversität, Chancengleichheit, Nachwuchsförderung, Entrepreneurship und mehr. So können wir für verschiedene Interessen spannende Projekte präsentieren. Wir fokussieren dabei auf die von der Universitätsleitung priorisierten Projekte.

Erfahrungsgemäss werden gesellschaftlich relevante Forschungsbereiche von Stiftungen und Privatpersonen bevorzugt. Es gibt jedoch auch Personen, die Bereiche unterstützen möchten, welche geringe öffentliche Aufmerksamkeit haben und «unterfinanziert» sind. Entscheidend ist, das jeweilige Thema überzeugend zu präsentieren. Wünschenswert sind Spenden, welche nicht zweckgebunden sind. Im Moment machen diese nur rund 10 Prozent des Spendenvolumens aus.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit?

Unsere Spenden sind sehr volatil und deshalb schwer planbar. Dennoch haben wir uns ehrgeizige Wachstumsziele gesteckt – die wir zusammen mit der UZH anstreben. Darüber hinaus wollen wir uns laufend weiter vernetzen sowie die Beziehungen zu den Stiftungen und Privatpersonen ausbauen und pflegen. Wenn es uns gelingt, das Verständnis für die Unterstützung der Universität mit privaten Geldern zu steigern, werden über die Zeit die Erträge stetig fliessen und zunehmen.

Zur Person

Annelise Alig Anderhalden hat ihr Studium an der ETH Zürich in Agrarwissenschaften mit Fachrichtung Ökonomie abgeschlossen und besitzt zusätzlich den didaktischen Fachausweis.

Sie ist in Graubünden aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Zürich. Mit ihrer Familie verbringt sie jeden Sommer Heuferien auf dem Maiensäss. Sie unternimmt gerne Bergtouren und liebt Schnee. Gern reist sie und möchte irgendwann mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok fahren.

 

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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