MOOC

Der digitale Dozent

Massive Open Online Courses (MOOCs) sind offen zugängliche Lehrangebote im Internet. Im Rahmen eines Pilotprojekts fördert die Universität Zürich in den kommenden zwei Jahren zwei bis vier MOOCs.

Marita Fuchs

Isländische Weiten: Videostill aus dem MOOC «Sagas and Spaces» von Jürg Glauser, Professor für altnordische Philologie an der UZH. 

Es klingt wie ein grosses Versprechen: Bei den Massive Open Online Courses (MOOCs) unterrichten die besten Dozierenden; Interessierte können kostenlos und gemeinsam mit vielen anderen aus aller Welt teilnehmen – ein orts- und zeitunabhängiges Lernen ohne Zugangsbeschränkungen.

Seit die Universität Stanford Ende 2011 den ersten Kurs online stellte, haben auch die europäischen Hochschulen nachgezogen. An der UZH wurden bisher fünf MOOCs angeboten, ein sechster mit dem Titel «Spacebooks» läuft gerade. Die Erfahrung zeigt: Einen MOOC durchzuführen bedeutet für die Dozierenden sehr viel didaktische Vorarbeit, spezielles technisches Wissen und hohe Betreuungsarbeit während des Kurses.

Den Nutzen abschätzen

In der Schweiz setzt vor allem die ETH Lausanne auf MOOCs. Ansonsten sind die Universitäten eher zurückhaltend, von einem Hype wie in den USA kann nicht die Rede sein. Noch weiss man zu wenig darüber, ob der Aufwand zum Ertrag in einem lohnenden Verhältnis steht.

Die UZH hat beschlossen, im Rahmen eines Pilot-Projekts in den kommenden zwei Jahren neue MOOCs zu fördern. «Wir wollen weiterhin im MOOCs-Universum präsent sein, unser Renommee stärken und mit etwas Glück auch gute Studierende rekrutieren», sagt Christian Schwarzenegger, Prorektor Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. «Gleichzeitig möchten wir neue Erfahrungen sammeln und nach der Frist von zwei Jahren das Projekt evaluieren», sagt Schwarzenegger.

Strategisch ausgerichtete Förderung

Jährlich werden von der UZH zwei bis vier qualitativ hochstehende MOOCs mit 180'000 Franken gefördert. Zudem sollen universitätsinterne videobasierte MOOC-ähnliche Online-Kurse mit 150'000 Franken unterstützt werden. Letztere sind nur Studierenden der UZH zugänglich. Methodisch basieren diese internen Kurse auf dem so genannten «flipped classroom-Szenario». Dabei wird den Studierenden Lernmaterial online zur Verfügung gestellt, – darunter viele Videosequenzen –, die sie zu Hause rezipieren. Besprechungen und Aufbereitungen finden dann an der Universität statt.

Bevorzugt werden MOOCs, die im Zusammenhang mit den Strategischen Zielen 2020der UZH von Nutzen sind, indem sie einen Beitrag zur Profilierung der Forschung auf gesamtuniversitärer Ebene leisten oder den Austausch mit der Öffentlichkeit fördern. Auch MOOCs, die zur Effizienz- und Qualitätssteigerung in der Lehre beitragen, werden berücksichtigt.

Gezielte Verzahnung

Bisherige Erfahrungen mit MOOCs haben gezeigt, dass sie besonders aufwändig sind, weil Dozierende nicht einfach alte Vorlesungsinhalte in ein neues Medium füllen können. «Es geht um eine gezielte Verzahnung von Inhalten mit den medialen Möglichkeiten», sagt Franziska Schneider, Leiterin der MOOC-Koordinationsstelle der UZH. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Daniela Isch unterstützt sie Dozierende dabei, einen MOOC auf die Beine stellen.

Wichtig sei es, sich auf die spezifischen Eigenheiten des Mediums einzustellen, sagt Daniela Isch. Lerninhalte müssen ganz neu überdacht und zusammengestellt werden. Auch während des Kurses ist der Aufwand für die Lehrenden beträchtlich: Videosequenzen mit Multiple Choice Tests ermöglichen zwar selbstgesteuertes Lernen, doch müsse auch dafür gesorgt werden, dass Fragen der Teilnehmenden schnell und konsequent beantwortet werden.

Sind alle Vorarbeiten für ein MOOC erledigt, werden die Inhalte auf einer MOOC-Plattform im Internet veröffentlicht. Die Universität Zürich nutzt zurzeit das Angebot der amerikanischen Firma Coursera.

Coursera bietet ihre Dienstleistung kostenlos an. Geld verdient die Firma mit Zertifikaten. Ein Zertifikat erhält jeder Teilnehmer, der Aufgaben gelöst und eine Abschlussprüfung bestanden hat. Coursera nimmt etwa 50 Dollar für ein Zertifikat, die Hälfte des Betrags geht an den jeweiligen Partner, also die Universitäten. Die in einem MOOC erworbenen Zertifikate sind, zumindest an der UZH, nicht als ECTS-Punkte anrechenbar. Ob Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer die Möglichkeit erhalten, ein Zertifikat zu erwerben, können die Anbieter des jeweiligen MOOC selbst entscheiden.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

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