Online-Self-Assessment

Neuer Selbsttest für Psychologiestudierende

 Das Psychologiestudium verzeichnet sehr hohe Abbruchraten. Nun hat das Psychologische Institut der UZH zusammen mit der Hochschule für Angewandte Psychologie der FH Nordwestschweiz ein Online-Self-Assessment entwickelt.

Paula Lanfranconi

Der Leidensdruck ist hoch, das Betreuungsverhältnis entsprechend ungünstig. Im Herbstsemester 2011 hatten 433 Personen an der UZH ein Psychologiestudium begonnen, doch lediglich 244 bestanden das Assessmentjahr. Dies entspricht einer Abbruchrate von 46 Prozent. "Unsere Studieninformationstage 2012", sagt Martin Kleinmann, Direktor des Psychologischen Instituts, "zeigen, dass viele junge Leute falsche Vorstellungen mitbringen." So erwarteten über 90 Prozent der Interessierten, die Psychoanalyse spiele im Psychologiestudium eine wichtige Rolle. Fast jeder zweite glaubt, unmittelbar nach dem Studium selbständig Therapien durchführen zu können, und rund jeder Dritte meint, die Psychologie befasse sich auch mit Traumdeutung, Graphologie und Hypnose.

Nachdem die Studierendenzahlen weiter stark ansteigen, ein Numerus clausus jedoch politisch nicht gewünscht ist, sei das Institut auf die Idee gekommen, ein Online-Self-Assessment einzuführen: Interessierte sollen bereits vor dem Studienentscheid testen können, wie gut ihre Interessen und Erwartungen zu den realen Studieninhalten passen, welche Beschäftigungsmöglichkeiten es gibt und wo man sich weiter beraten lassen kann. "Der Test", so Organisationspsychologe Kleinmann, "kostet eine Stunde Zeit und erspart möglicherweise ein verlorenes Studienjahr."

Die Universitätsleitung unterstützt das Vorhaben. Da die Fachhochschule Nordwestschweiz ähnliche Intentionen hat und bereits über die nötige Testerfahrung verfügt, entwickelten UZH und FHNW das neue Tool gemeinsam. Damit erhalten die Testteilnehmer auch Informationen über Berufsfelder in der Angewandten Psychologie.

Für die UZH, sagt Thomas Hildbrand, Leiter des Bereiches Lehre, sei es wichtig, dass das neue Assessment auf die Selbstaufklärung der Studieninteressierten setzt. "Die Hochschule ist aber auch in der Pflicht, den Beratungsprozess zu unterstützen."

Über die Frage, wie verpflichtend das neue Tool sein soll, gehen die Auffassungen noch auseinander. Während Thomas Hildbrand die Freiwilligkeit betont und darüber reflektiert, in welcher Studienphase das Tool sinnvoll eingebaut werden solle, strebt das Psychologische Institut Verbindlichkeit an. Martin Kleinmann: "Das Self-Assessment sollte künftig verpflichtend sein, allerdings ohne Konsequenzen. Für die Immatrikulation sollte die Online-Beratung Voraussetzung sein."  

Anbieten will man den Selbsttest ab 2014, der Endzustand soll laut Martin Kleinmann in drei bis vier Jahren erreicht sein. Optimal wäre für ihn, wenn die Interessierten auch gleich auf ihre Fähigkeiten hin geprüft und ihnen Studienfächer aufgezeigt würden, die besonders gut zu ihnen passen: "Eine Art Online-Studienberatung." In Baden-Württemberg geht man bereits weiter. Seit dem Wintersemester 2011/12 müssen Studienanwärter aller Fachrichtungen einen Online-Selbsttest zur Studienorientierung absolvieren. Er zeigt ihnen dann innert Sekunden eine Liste mit passenden Studiengängen. Das Teilnahmezertifikat, welches indes die Testergebnisse nicht anzeigt, ist Voraussetzung, um sich für einen Studienplatz zu bewerben.

Die UZH versteht das Selbstassessment als Pilotprojekt. Ob der Test auf andere Fachrichtungen ausgedehnt werden soll, ist laut Thomas Hildbrand noch nicht geklärt: "Das wäre ein grosser Schritt." Im Vordergrund stünden stark nachgefragte Fachrichtungen und Ausbildungen, die sowohl an Fachhochschulen wie auch an Universitäten mit unterschiedlichen Profilen angeboten werden. "Unser Ziel ist, dass sich die Studierenden gut informiert für ein Studium entscheiden. Das senkt die Abbruchquoten und sorgt dafür, dass die richtigen Studierenden rechtzeitig zum optimalen Studium finden."

Paula Lanfranconi ist freie Journalistin

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