Bologna-Reform

Jenseits der Vorurteile wird es spannend

Die Euphorie an der Universität Zürich hielt sich in Grenzen, als vor zehn Jahren die Bologna-Deklaration unterzeichnet wurde. Inzwischen sind in der Lehre interessante Entwicklungen im Gang – auch wenn kritische Stimmen bleiben. Nachzulesen im neuen unijournal. Welche Erfahrungen haben Sie mit Bologna gemacht? Schreiben Sie uns.

David Werner3 Kommentare

Im grossen Ganzen ist die Bologna-Reform umgesetzt, an Einzelheiten wird noch gefeilt. (Bild: Stephan Liechti)

Reformen sind selten beliebt. Sie sind langwierig, aufreibend und umständlich, sie machen viel Arbeit, die wenig Glanz abwirft. Und wer gibt schon gern Bewährtes für bürokratische Planspiele in Tausch, deren Tauglichkeit sich erst noch erweisen muss?

Zehn Jahre nach der Unterzeichnung der Bologna-Deklaration ist es Zeit zu fragen, wie weit das Werk an der Universität Zürich (UZH) gediehen ist. Gemäss einer jüngst veröffentlichten Studie der Hochschulrektoren-Konferenz und des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften sind rund drei Viertel der Bachelor-Studierenden an der UZH zufrieden mit ihrem Studium.

Ein positives Signal. Aber haben sich die Bedingungen für das Mobilitätsstudium tatsächlich verbessert? Ist die Transparenz und Vergleichbarkeit der Studienanforderungen gewährleistet? Und sind die administrativen Mehrbelastungen zu bewältigen?

Zu fragen ist auch, ob sich Befürchtungen bestätigen, die den Bologna-Prozess von Anfang an begleitet haben. Führt Bologna zu einer Punktesammelmentalität unter den Studierenden? Engen die neuen Curricula die Lehr- und Lernfreiheit ein? Nimmt die Verschulung zu?

Bologna einmal aus anderer Optik betrachtet

Wer sich darüber mit Personen unterhält, die an den Instituten und Fakultäten am Reformprozess beteiligt sind – etwa als Studienkoordinatoren und -koordinatorinnen – lernt, die Bologna-Reform aus einer anderen Optik zu betrachten.

Hier geht es, anders als in der öffentlichen Debatte, weniger um Pro und Contra. Hier dreht sich vielmehr alles um Wie-Fragen. Wie lässt sich auf Verschulungstendenzen reagieren? Wie gestaltet man Studienprogramme möglichst forschungsnah? Wie erhöht man die Lehrqualität?

Es begegnet einem hier eine Haltung, die über Grundsatzfragen hinaus ist. Das Problembewusstsein ist deswegen nicht ausgeschaltet, ganz im Gegenteil: Im Zuge der Bologna-Reform wurde der Blick auf Schwachstellen in der universitären Lehre gelenkt, zugleich ist das Interesse an Optimierungsmöglichkeiten gewachsen.

Zehn Fragen zu Wirkungen und Nebenwirkungen der Bologna-Reform 1.             Ist der Master das Mass aller Dinge? 2.             Führt Bologna zur universitären Einheitskultur? 3.             Studienstress: Ist Bologna daran schuld? 4.             Neue Curricula: Ist das Studium zu verschult? 5.             Prüfungen: Dürften es auch weniger sein? 6.             Zählt jetzt nur noch die Punktewährung? 7.             Workload: Wann ist ein Punkt ein Punkt? 8.             Wer hört auf die Meinung der Studierenden? 9.             Regiert nur noch das Nützlichkeitsdenken? 10.          War früher alles besser? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie im aktuellen unijournal oder hier als pdf online. Und was finden Sie? Ihre Meinung interessiert uns. Diskutieren Sie mit.

David Werner ist Redaktor des unijournals.

3 Leserkommentare

H. L. schrieb am Unnötige Bremse Als Student i.d. zweiten Lebenshälfte geniesse ich die Möglichkeit, noch ein Studium absolvieren zu dürfen. Mir passt auch die Bologna-Reform, inkl. der kontrovers diskutierten 'Verschulung'. Mir macht das nichts aus, denn so weiss ich jeweils viel rascher, ob/was ich geleistet habe. Aber: Nachdem ich im Hauptfach auf Bachelor-Niveau angelangt bin und nun noch i.d. Nebenfächern die letzten Seminare absolvieren muss, darf ich im Hauptfach so lange nicht mit dem Master beginnen, bis die Nebenfächer ebenfalls bis zum Bachelor-Niveau erreicht haben. Das stört mich, denn, wenn richtig verstanden, ist und war Sinn und Zweck der Bologna-Reform, u.a., exakt ein zügiges Vorankommen im Studium. Was - wie Figura zeigt - mit der geschilderten Regelung gleich wieder verunmöglicht wird. Schade!
anonym anonym schrieb am Unfaire Umsetzung Die Idee von Bologna fand ich von Anfang an eine gute Sache. Allerdings die Umsetzung an der Uni Zürich dann nicht so toll.An derPhil.Fakultät gibt es einige Fächer für welche für ein BA genauso hart, wenn nicht härter, gearbeitet werden muss wie für früher ein Liz. Ein Master entspricht hier definitiv nicht einem Liz. Und die BA's sind schwieriger zu machen als an anderen Uni's. Nicht weil die Qualität der Lehre soviel höher ist, sondern weil Studierende mit dem System schickaniert werden. zB keine Wiederholungsprüfungen (man muss oft ein ganzes Jahr warten, besteht man mal eine Prüfung nicht) dies ganz im Gegensatz zu anderen Schweizer Unis oder Unis im Ausland. Nebenfächer an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät wurden extrem aufgeblasen. War früher zB das Fach Völkerrecht ein grosses Nebenfach, das aus Vorlesung (3ECTS), Seminararbeit (6ECTS) und Fallbearbeitung (3ECTS) bestand. Ist dies für ein BA (notabene nicht Liz=MA!) nicht mal mehr ein halbes Nebenfach (nur 12 ECTS).
Henning Sievert schrieb am Ein gutes Ziel droht verfehlt zu werden. Die Ziele der Studienreform sind sinnvoll. In der Umsetzung krankt sie aber an drei Stellen: an der Fixierung auf möglichst kurze Studienzeit, an der schulhaften Einengung der Studierenden und vor allem an übertriebenem und unnötigem Verwaltungsaufwand.

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