Hochschuldidaktik

Lehrpreise etablieren sich

Nicht nur die Forschung kennt ihre Preise, auch hervorragende Lehrtätigkeit wird in der Schweiz seit einigen Jahren an zahlreichen Hochschulen ausgezeichnet. Nach welchen Kriterien dies geschieht und welche Fragen sich dabei stellen, war Thema einer Tagung der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik.

Adrian Ritter

Engagierte Diskussionen an der Tagung «Lehrpreise an Schweizer Hochschulen». Vorne, von links: Prof. Uschi Backes-Gellner (Institut für Strategie und Unternehmensökonomie), Prof. Fritz Gutbrodt (Credit Suisse Jubiläumsstiftung) und Dr. Peter Tremp (Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik). (Bild: Adrian Ritter)

Es gibt Fussballpokale, Nobelpreise, Musicstars – und es gibt an der Universität Zürich seit zwei Jahren einen mit 10`000 Franken dotierten Lehrpreis. Während sportliche Preise nach messbaren Grössen wie erzielten Toren oder Bestzeiten vergeben werden, sei die Qualität der Lehre schwieriger zu messen, sagte Peter Tremp, Leiter der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik, bei der Begrüssung zur Tagung «Lehrpreise an Schweizer Hochschulen».

Trotzdem seien die Gemeinsamkeiten zwischen Sportturnieren und Lehrpreisen gross, betonte Prof. Uschi Backes-Gellner vom Institut für Strategie und Unternehmensökonomie der UZH. In beiden Fällen werde ein Preis aufgrund einer relativen Leistung vergeben. Es muss nicht ein vorgegebenes Leistungsmass, etwa eine bestimmte Anzahl Tore oder ein bestimmter Notendurchschnitt der Studierenden in einer Prüfung, erreicht werden, sondern der oder die Beste gewinnt.

Aus der Sicht der ökonomischen «Turniertheorie» sei dabei zu beachten, dass somit ein Sieg auch möglich sei, indem die Mitkonkurrenten sabotiert werden – was im Sport unschön ist und vermutlich auf den Hochschulbereich noch weniger zutrifft.

Marc-Joachim Wasmer, Träger des Lehrpreises 2008 an der UZH. (Bild: Frank Brüderli)

Mit Ressourcen belohnen

Zentral für Lehrpreise ist dagegen die Frage, wer den Preisträger oder die Preisträgerin bestimmt. Studierende schätzen die Lehre unter Umständen gänzlich anders ein als beispielsweise Alumni, so Backes-Gellner.

Die Referentin erinnerte an ihre eigene Studienzeit, in der sie eine praxisbezogene Veranstaltung sehr ungern besuchte. Sie habe dabei allerdings wichtige Kompetenzen wie Ziele setzen oder Selbstorganisation entwickeln können. Rückblickend sei es die wichtigste Veranstaltung des ganzen Studiums gewesen.

Für Dr. Peer Pasternack, Forschungsdirektor am Institut für Hochschulforschung Wittenberg, können Lehrpreise nur ein Element sein innerhalb von systematischen Anstrengungen, die Lehrqualität zu fördern.

In Zukunft müsste man sich überlegen, gute Leistungen in der Lehre mit mehr Ressourcen zu belohnen. Ein Lehrpreis dürfe nicht strafend wirken, indem ein Preisträger mehr Studierende anzieht und bei gleichbleibenden Ressourcen die Studierenden in der Folge weniger gut betreuen kann.

Unterschiedliches Vorgehen

Lehrpreise, in den USA schon länger bekannt, beginnen sich auch in der Schweiz zu etablieren. Prof. Fritz Gutbrodt von der Jubiläumsstiftung der Credit Suisse berichtete, dass der «Credit Suisse Award for best teaching» unterdessen an zehn Universitäten und vier Fachhochschulen der Schweiz vergeben wird.

Nach welchen Kriterien und mit welchem Vorgehen die Preise vergeben werden, darin unterscheiden sich die Hochschulen stark. An der Universität Luzern wurde die Preisvergabe für den CS-Award in die Hände der Studierendenorganisation SOL gelegt, wie Michel Comte, Leiter des Zentrums Lehre der Universität Luzern, erläuterte.

Die Studierenden wählen in einem ersten Schritt in einer Online-Umfrage für jede Fakultät die beste Lehrkraft. Danach besuchen Vertretende der SOL die Lehrveranstaltungen der Vorgeschlagenen und bestimmen den Sieger oder die Siegerin. Die Kriterien zur Bewertung der Lehre seien noch zuwenig fundiert und die Auswahl entsprechend etwas «impressionistisch», so Comte.

Prof. Lutz Jäncke, Träger des Lehrpreises 2007 an der UZH. (Bild: Frank Brüderli)

Schwerpunktthema an der UZH

An der EPF Lausanne verläuft die Vergabe des CS-Award anders, wie Albertine Kolendowska, Mitarbeiterin der Delegierten für Lehre der EPF Lausanne, berichtete.

Die Vorsteher der einzelnen Sektionen der Hochschule schlagen Kandidatinnen und Kandidaten vor. Bei der Preisvergabe berücksichtigt die Jury, bestehend aus Leitungspersonen der Hochschule, das «Lehrdossier» der Vorgeschlagenen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Ergebnisse der allgemeinen Evaluation des Unterrichts, die in jedem Semester stattfindet.Bei derPre berücksichtigt die Jury, bestehend aus Leitungspersonen der Hochschule, das «Lehrdossier» der Vorgeschlagenen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Ergebnisse der allgemeinen Evaluation des Unterrichts, die in jedem Semester stattfindet.

An der Universität Zürich ist der Lehrpreis an ein jährlich änderndes Schwerpunktthema gebunden, erläuterte Kathrin Futter, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik. Nach den «Grossveranstaltungen» (2007) und der «Beratung und Betreuung der Studierenden» (2008), rückt die derzeit laufende Umfrage für den Lehrpreis 2009 die «Verknüpfung von Forschung und Lehre» in den Mittelpunkt.

Besonderes Gewicht legte die Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik von Beginn des Lehrpreises an auf die Erarbeitung angemesser Kriterien der Qualitätsmessung, wozu theoretisch fundierte Modelle aus der Lehr- und Lernforschung miteinbezogen wurden.

Nach dieser Übersicht über Lehrpreise an Schweizer Hochschulen bot der Beitrag von Dr. Bettina Jorzik vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft die Gelegenheit, Realisierungsmodelle aus Deutschland kennenzulernen. In der nachfolgenden Diskussion wurde festgestellt, dass es bisher den verschiedenen Lehrpreisen nicht gelungen ist, dieselbe Reputation zu erreichen, wie Forschungspreise sie haben. 

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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