Weiterbildung

«Début» - Einstieg in die Lehre

Assistierende, die kommendes Semester zum ersten Mal Studierende unterrichten, konnten sich für ihren Einstieg in die Lehre bei «Début» fit machen.

Brigitte Blöchlinger

Aller Anfang ist leicht, vermittelten die drei Profis von der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik, Kathrin Futter (re, stehend), Mandy Schiefner (Mitte) und Bruno Wohlgemuth (li). (Bild: Brigitte Bloechlinger)

Vorbei die Zeiten, da Assistierende selbst schauen mussten, wie sie am besten einen erhaltenen Lehrauftrag erfüllen konnten. Seit längerem hilft die Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik den Assistierenden bei ihrem Einstieg in die Lehre und unterstützt sie mit Kursen, Infos und individueller Beratung bei diesem anspruchsvollen Schritt. Während der Semesterferien hat die Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik gleich zwei Kurse angeboten: «Début» für absolute Lehr-Anfängerinnen und Anfänger und «Novice» als weiterführende Unterstützung bei der konkreten Planung der Lektionen.

Fülle didaktischer Möglichkeiten präsentiert

Rund fünfzig Lehrbeauftragte fanden sich am Montagmorgen im Hörsaal F-150 beim Kurs «Début» ein. Sie alle werden im kommenden Semester das erste Mal als Lehrperson vor Studierenden stehen. Dass sie diesen Auftrag ernst nehmen, zeigte ihre rege Teilnahme am Kursgeschehen. Die drei Lehr-Profis der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik, Kathrin Futter, Mandy Schiefner und Bruno Wohlgemuth, machten es ihnen leicht, die Fülle didaktischer Möglichkeiten kennen zu lernen – indem sie diese gleich in «Début» einbauten.

Murmelgruppen (buzz groups) zu bilden, ist eine gute Möglichkeit, auch grosse Gruppen zum Mitdenken zu aktivieren – wie man an der «Début»-Veranstaltung erleben konnte. (Bild: Brigitte Bloechlinger)

So begann der Tag mit einem sogenannten Advance Organizer, einem Überblick über das inhaltliche Gefüge von «Début». Wie alle Lernenden wollen auch die Début-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer wissen, worum es in der Lehrveranstaltung geht, wie stark diese sie beanspruchen wird und was für Menschen die Dozierenden sind. Die Begeisterung für den zu vermittelnden Stoff ist dabei besonders wichtig und bei der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik gegeben.

Am Anfang steht das Lernziel

Zu Beginn ging es darum, die Lernziele zu formulieren, die ersten fünf Minuten so ansprechend wie möglich zu gestalten und überhaupt die erste Lektion zu planen. Die Débutantinnen und Débutanten wurden in drei Gruppen aufgeteilt und erhielten je zwanzig Minuten Input zu den drei Punkten. Dabei sassen sie nicht passiv in ihren Bänken, sondern wurden immer wieder aufgefordert, selbst mitzudenken und mitzumachen. So mussten sie beispielsweise ihre schlimmste und ihre beste Erinnerung an eine Lehrveranstaltung auf farbige Zettel schreiben und diese zur allgemeinen Kenntnisnahme an die Wand pinnen. Oder sie erhielten zwei Zitate zur Lernfähigkeit von Erwachsenen und mussten raten, welches das neuere Zitat war.

Ein guter Einstieg lohnt sich

Es gibt noch zahlreiche weitere Methoden, wie man in eine Lehrveranstaltung einsteigen kann. Die Profis der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik zeigten sie in ihrem Skript auf: die Abstimmung, das Blitzlicht (kurze Statements sammeln), das Kugellager (sich mit mehreren Sitznachbarn nacheinander kurz austauschen) oder der informierende Unterrichtseinstieg. Letzterer tönt zwar etwas trocken, hat sich jedoch bewährt und ist bei den Studierenden beliebt. Am besten funktioniert er, wenn er auf das Vorwissen der Lernenden abstützt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Lernforschung besagt nämlich, dass beim Lernen das «Matthäus-Prinzip» gilt: Wer (Vorwissen) hat, dem wird (noch mehr Wissen) gegeben.

Kathrin Futter (li) von der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik  begrüsst eine letztjährige «Début»-Teilnehmerin, die am Kurs über ihre ersten Erfahrungen als Lehrende berichtete. (Bild: Brigitte Bloechlinger)

Didaktische Strategien für grosse Gruppen

Dass auch in grossen Lerngruppen von fünfzig und mehr Leuten didaktisch Attraktiveres als monotones Referieren möglich ist, zeigte der Début-Teil «Aktivierung und Interaktivität in grossen Gruppen». Die Bildung von «Buzz-Groups» (Murmel-Gruppen: man unterhält sich mit seinem Banknachbarn leise über ein vorgegebenes Thema) ist so eine Möglichkeit, die an der Début-Veranstaltung immer wieder eingesetzt wurde und selbst in grossen Gruppen die Diskussionsfreudigkeit der Teilnehmenden fördert.

Gruppenarbeit, richtig gemacht

Doch nicht alle Lehr-Anfänger werden gleich vor hundert Leuten stehen. Auch für kleine Gruppen gibt es didaktische Möglichkeiten. Gruppenarbeiten zum Beispiel. Von vielen geschmäht, von wenigen geliebt, hat die Gruppenarbeit durchaus ihre positiven Seiten: Sie fördert die überfachlichen (sozialen) Kompetenzen, sie ist effektiv beim Erkennen von Zusammenhängen und Hintergründen und sie hilft, das Wissen gut zu verarbeiten. Allerdings will sie gut strukturiert und vermittelt sein, damit die Gruppe nicht bei organisatorischen Nichtigkeiten hängen bleibt und sich den wesentlichen Aufgaben widmet. Dass es gar nicht so trivial ist, einen griffigen Arbeitsauftrag für eine Gruppenarbeit zu formulieren, konnten die Début-Teilnehmenden in einer Aufgabe gleich selbst erfahren.

Feedback einholen

Wer lehrt, möchte irgendwann auch ein Feedback erhalten, wie sein Stoff bei den Studierenden ankommt. Die Lehrevaluation war deshalb bei «Début» ebenfalls ein Thema. Es muss nicht immer ein mehrseitiger Fragebogen sein. Kurze Feedbacks, die die Studierenden regelmässig zu den einzelnen Lektionen abgeben können (beispielsweise über OLAT), tun ihren Zweck auch. Dabei kann zum Beispiel gefragt werden, welches der verworrenste Punkt in der Vorlesung war. Oder was als nützlichste oder bedeutungsvollste Erkenntnis aus der Lehrveranstaltung mitgenommen wurde. Auch eine fachspezifische Classroom assessement technique (CAT), bei der am Ende der Lektion die wichtigsten fachlichen Informationen abgefragt werden, kann sinnvoll sein.

Das Beherrschen der Infrastruktur gehört auch zum erfolgreichen Lehren. Im Bild: Mandy Schiefner von der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik. (Bild: Brigitte Bloechlinger)

Support und Coaching

Dass «Début» meist nur der Anfang einer grossen Didaktikkarriere ist, zeigte der Überblick über den Support und das Coaching, das die Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik den Lehrenden bietet. Auf der entsprechenden Webseite (www.afh.uzh.ch) und auf der Webseite des Bereichs Lehre ( www.teachers.uzh.ch) wird die ganze Fülle an Weiterbildung und Schulungen aufgelistet, inklusive Downloads und Kontaktangaben. Dort herumzusurfen und vom breiten Angebot zu profitieren, bevor man zum ersten Mal vor die Studierenden tritt, lohnt sich bestimmt.

 

 

Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin von unipublic.

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