Informationsveranstaltung zu Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz

Am 27. Oktober findet an der Universität Zürich eine Informationsveranstaltung zum Thema Mobbing statt. UZH-Arbeits- und Organisationspsychologe Professor Martin Kleinmann wird auf dem Podium mitdiskutieren. unipublic bat ihn, das Thema Mobbing kurz zu umreissen.

Interview: Marita Fuchs

«Frauen sind deutlich häufiger Mobbingopfer als Männer.», Professor Martin Kleinmann, Arbeits- und Organisationspsychologe an der UZH. (Bild: zVg.)

Professor Kleinmann, googelt man im Internet nach dem Begriff Mobbing, finden sich sehr viele Ratgeberseiten, von der Rechtsberatung bis zur psychologischen Unterstützung. Ist Mobbing ein grosses gesellschaftliches Problem?

Betroffen sind 1% - 3% der Beschäftigten. Allerdings sind die Folgen für die Mobbingopfer gravierend. Insofern hat es gesellschaftliche Relevanz.

Können Sie ein typisches Mobbing-Beispiel skizzieren?

Typisch – und Teil der Mobbingdefinition ist, dass Mobbing als sozialer Stressfaktor betrachtet wird. Wenn Mitarbeitende beispielsweise von ihrer Umgebung wie «Luft» behandelt werden, keiner mit ihnen spricht, auf Fragen nie geantwortet wird, ihre Arbeitsergebnisse ignoriert werden, ist dies Mobbing.

Gibt es Faktoren (soziale, finanzielle …) die Mobbing fördern bzw. mindern?

Mobbing tritt häufiger bei unklaren Organisationsstrukturen auf in Abteilungen mit ohnehin schlechtem Betriebsklima. Frauen sind deutlich häufiger Mobbingopfer als Männer.

Sich fühlen wie im Haifischbecken: Mobbingopfer. (Bild: Thomas Poppenwimmer)

In ca. 50 Prozent der Mobbingfälle – so der Mobbingbericht der deutschen Bundesregierung – sind Vorgesetzte an Mobbing beteiligt, auch «Bossing» genannt. Gilt diese Zahl auch für die Schweiz?

Mobbing wird von Kollegen wie von Vorgesetzten praktiziert. Die Situation in Deutschland ist insofern anders, da dort speziell im öffentlichen Dienst Mobbing vermehrt auftritt. Der öffentliche Dienst in Deutschland hat bei Beamten in der Regel unkündbare Beschäftigungsverhältnisse. Insofern kann Mobbing auch als untaugliche Konfliktlösestrategie in solchen Beschäftigungsverhältnissen betrachtet werden.

Gibt es bestimmte Mobbing-Taktiken, die vermehrt an Universitäten angewendet werden und gibt es hier einen Unterschied zwischen Frauen und Männern?

Mobbing ist selten. Bei den mir bekannten Fällen habe ich verschiedene Mobbing-Taktiken an Universitäten kennen gelernt, in die Frauen wie Männer verstrickt waren. Oft ist auch unklar, wer Täter und wer Opfer ist.

Was unternimmt man am besten gegen Mobbing, welche Präventivmassnahmen haben sich bewährt?

Es gibt Beratungsstellen für Mobbing in der Schweiz. Klare Organisationsstrukturen mit definierten Aufgaben sind hilfreich, damit Mobbing weniger wahrscheinlich wird. Speziell die Einarbeitungsphase neuer Mitarbeiter ist wichtig, da Mobbing vermehrt in den ersten sechs Monaten einer Beschäftigung auftritt.

Mehr zum Thema Mobbing: am Montag, 27. Oktober 2008, 18.15 Uhr bis 20.00 Uhr Podiumsdiskussion mit: Daniel Vischer (Rechtsanwalt und Nationalrat), Prof. Dr. Martin Kleinmann, (UZH, Arbeits-und Organisationspsychologie), Claudia Stam-Wassmer (Psychologin und Co-Geschäftsleiterin sowie Beraterin der führenden Mobbingberatungsstellen in der Deutschschweiz). Moderation: Prof. Dr. Brigitte Woggon.Ort: Universität Zürich, Rämistr. 69, Raum 106Veranstalter:VIP, VAUZ und StuRA

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

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