Jahresmedienkonferenz 2008

Forschen und Lehren mit Afrika

Die Universität Zürich kooperiert mit zwei Universitäten in Rwanda und Uganda. Anlässlich der Jahresmedienkonferenz stellten UZH-Rektor Hans Weder und Vertreter der beiden Universitäten die bisherigen und geplanten Projekte vor.

Adrian Ritter

Solidarität zeigen mit Forschenden, die unter weniger optimalen Rahmenbedingungen arbeiten: Rektor Hans Weder informiert über die Kooperationen der UZH mit afrikanischen Universitäten. (Bild: Adrian Ritter)

«Wissen teilen» lautet das Motto des 175-Jahr-Jubliäums der Universität Zürich. Dabei ist klar, dass die UZH ihr Wissen nicht nur wie aktuell in zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen mit der Zürcher Bevölkerung, sondern auch mit der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft teilt. «Aus Anlass des Jubiläums will die UZH ihre Solidarität zeigen mit Forschenden, die unter weniger optimalen Rahmenbedingungen arbeiten und deren Arbeit häufig gar nicht wahrgenommen wird», sagte Rektor Hans Weder an der Jahresmedienkonferenz.

Gezielt sind daher im Hinblick auf das Jubiläumsjahr akademische Partnerschaften mit zwei afrikanischen Universitäten aufgebaut worden: mit der National University of Rwanda (NUR) und mit der Makerere University in Kampala, Uganda (MAK). «Es geht dabei nicht um Entwicklungshilfe, sondern um echte Partnerschaften», betonte Hans Weder.

Eine Kooperation, bei der beide Seiten profitieren, sei nämlich auch in asymmetrischen Beziehungen möglich. Gerade in der Zusammenarbeit über kulturelle Grenzen hinweg resultiere nämlich immer ein Gewinn, indem beide Partner neue Wahrnehmungen und Perspektiven kennen lernen.

Wollen keine Entwicklungshilfe, sondern echte Partnerschaften (von links): UZH-Rektor Hans Weder, Prof. Stephen Cyril Kijjambu, Vize-Dekan der Medizinischen Fakultät der Makerere University in Uganda und Prof. Silas Lwakabamba, Rektor der National University Rwanda. (Bild: Adrian Ritter)

Von E-Learning bis Ultraschall

Dies hat denn auch schon in vielfältiger Weise stattgefunden. Mit Rwanda beispielsweise wurden Projekte im Bereich Informatik, Politikwissenschaft und Medizin initiiert. So wurde die dortige Universität beim E-Learning unterstützt, eine Politikwissenschaftlerin der UZH unterrichtet drei Monate an der NUR und ein Assistenzarzt aus Rwanda besuchte eine Weiterbildung zur Handhabung von Ultraschallgeräten an der Universität Zürich.

Bei der bisherigen Zusammenarbeit mit Uganda stehen ethische Fragen im Mittelpunkt. Im Rahmen des Themas «World Poverty and Human Rights» fand Anfang 2008 in Kampala ein Seminar unter der Leitung von Dozierenden der MAK wie auch der UZH statt. In Zukunft sollen an solchen Veranstaltungen auch Studierende aus Zürich teilnehmen können.

Schritt für Schritt solle die Zusammenarbeit ausgebaut werden, erläuterte Rektor Hans Weder. Geplant sind beispielsweise mit beiden Universitäten Kooperationen im Fach Medizin, etwa in der Chirurgie oder beim E-Learning. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Genozids im Rwanda der 1990er-Jahre ist zudem ein Forschungsprojekt über posttraumatische Belastungen geplant.

Bei der bisherigen Zusammenarbeit mit der Makerere Universität in Kampala (Uganda) standen ethische Fragen im Mittelpunkt. (Bild: zVg)

Die Stärken nutzen

Dass die Zusammenarbeit praktische Relevanz haben soll, betonten auch die anwesenden Vertreter der beiden Partneruniversitäten. «Wir müssen voneinander lernen», sagte Prof. Silas Lwakabamba, Rektor der National University Rwanda, mit Blick auf globale Herausforderungen wie Energiekrise, Klimaerwärmung oder Epidemien wie SARS: «Die Kooperation soll zeigen, wie wir unsere Stärken nutzen können, um diesen Themen zu begegnen.»

Für ein Land wie Rwanda ohne natürliche Ressourcen sei das Bildungswesen zentral. Entsprechend sei man auch bemüht, den Anteil an Hochschulabsolventen deutlich zu erhöhen.

Dass sich die Kooperation mit der Universität Zürich von anderen Hilfeleistungen für Afrika unterscheidet, betonte Prof. Stephen Cyril Kijjambu, Vize-Dekan der Medizinischen Fakultät der Makerere University in Uganda. Die Zusammenarbeit mit der UZH sei nicht mit politischen Fragen verbunden. Es handle sich um gleichberechtigte Partner, welche nicht zuletzt durch die Ausbildung vor Ort dazu beitragen können, einen «brain drain» aus Afrika zu verhindern.

Er hoffe deshalb, mit dem Beispiel der Medizinischen Fakultät auch andere Fakultäten seiner Universität für die Idee begeistern zu können. «Mögen die drei Universitäten leben, wachsen und gedeihen», meinte Hans Weder vor der feierlichen Unterzeichung der entsprechenden Zusammenarbeits-Urkunden.

Bessere Betreuungsverhältnisse

Erfreuliche Nachrichten konnte an der Jahresmedienkonferenz auch Stefan Schnyder, Direktor Finanzen und Controlling der UZH, vermelden. Die Zahl der Studierenden sei auch 2007 leicht gewachsen und lag im Herbstsemester bei 24'231 Personen (+1,3%). Zurückzuführen sei dies insbesondere auf den höheren Anteil an Studierenden aus dem Ausland – er liegt aktuell bei rund 14 Prozent.

Gleichzeitig sei es aber gelungen, die Betreuungsverhältnisse weiter zu verbessern. In vielen Fächern werde inzwischen das Ziel erreicht, nicht mehr als 60 Studierende pro Professur und nicht mehr als 30 Studierende pro Mittelbaustelle zu haben. Insgesamt lag das Verhältnis dank 18 neuen Professuren und 65 neuen Mittelbaustellen im Herbstsemester bei 51,6 Studierenden pro Professur beziehungsweise 15,1 Studierenden pro Mittelbaustelle.

Noch nicht ideal sind die Betreuungsverhältnisse in der Rechtswissenschaftlichen und der Philosophischen Fakultät. Das Potenzial für weitere Verbesserungen sei allerdings vorhanden, da sich einige budgetierte Professuren derzeit noch im Berufungsverfahren befinden, erläuterte Schnyder.

Im Reich der Zahlen: Stefan Schnyder, Direktor Finanzen und Controlling der UZH, präsentiert die Kennzahlen für 2007. (Bild: Adrian Ritter)

Langsameres Wachstum

Der Zuwachs an akademischem Personal spiegelt sich auch in der Rechnung 2007. Diese überschreitet erstmals die Milliardengrenze, indem die UZH im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1'009 Millionen Franken aufwies (+2,8% gegenüber 2006). Möglich war dieses Wachstum dank eines höheren Staatsbeitrages sowie einer Zunahme bei den Drittmitteln. Für die kommenden Jahre rechnet die Universität mit einem verlangsamten Wachstum der Studierendenzahlen und einer leichten Erhöhung der finanziellen Mittel.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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