Alchimisten im Audimax

Wie gross ist die Welt? Acht mal werden im kommenden Wintersemester die Fragen von Kindern beantwortet. Die beliebte Kinder-Universität geht damit in ihr viertes Semester. Für die Dozierenden ist es eine Herausforderung, universitäre Inhalte „kinderkompatibel“ zu vermitteln.

Marita Fuchs

Die Kinder-Universität Zürich hat sich etabliert. Im kommenden Wintersemester sind die Kinder zum vierten Mal von der Universität zu den grossen Warum-Fragen des Lebens eingeladen, wie zum Beispiel: Warum stürzen Brücken nicht ein?, Wie entsteht das Gehirn?, Wie ist es, Kind zu sein in China? Das Programm des Wintersemesters ist wie in den vergangenen Semestern transdisziplinär und vielfältig. Die Initiantin und Leiterin der Kinder-Universität Sabine Salis Gross erklärt: «Die Fragen des Wintersemesters sind zum Teil von den Kindern selbst vorgeschlagen worden. Mit einem Online-Fragebogen haben wir im Sommersemester bei den Kindern nachgefragt, welche Themen sie interessieren würden. Ein Kind hat mich angerufen und sich bedankt, als es „sein“ Thema jetzt auf dem Programm des Wintersemesters entdeckt hat.»

Der Ansturm auf die Kinder-Universität ist nach wie vor gross. Prof. Jürg Osterwalder bei der Vorlesung: Blitz und Donner, wie entsteht das Wetter? (Bild: Marita Fuchs)

Run auf den Hörsaal

Seit Samstag läuft die Anmeldung für das nächste Semester. «Von den 500 Plätzen ist schon die Hälfte vergeben, wahrscheinlich sind wir in der nächsten Woche schon ausgebucht, danach gibt es eine Warteliste», sagt Salis Gross. In der Regel können die Kinder im Anschluss an die Vorlesung Fragen stellen. Allerdings bleibt in der 45minütigen Vorlesung keine Zeit zum Vertiefen des gerade Gelernten.

«Wir möchten in Zukunft Kleingruppen anbieten, dann können die Kinder zum Beispiel im Labor experimentieren. Aus den Online-Fragebogen wissen wir, dass die Kinder an Experimenten besonders interessiert sind.» sagt Salis Gross. Das erfordere allerdings einen grossen Einsatz der Dozierenden, die das Thema pädagogisch-didaktisch auf die Altersgruppe der Neun- bis Zwölfjährigen ausrichten müssten.

Das Interesse an Experimenten ist bei den Kindern besonders ausgeprägt. (Bild: Marita Fuchs)

Auch die Hochschullehrer lernen

Vier Samstage hat Chemie-Professor Roger Alberto mit der Vorbereitung der Kindervorlesung im vergangen Wintersemester verbracht. Die Schwierigkeit bestehe darin, sich Menschen ohne akademische Vorbildung verständlich zu machen und sich selbst mental auf die Bedürfnisse der Kinder einzustellen. Die Vorlesung zum Thema «Warum gibt es so viele Farben?» erforderte die Auswahl geeigneter Experimente, welche die komplizierte Materie anschaulich machen sollten. «Beim Abendessen habe ich mit meiner Familie über das Thema gesprochen, meine zwölfjährige Tochter hat mir interessante Anregungen gegeben.» sagt Alberto. Die Herausforderung bestehe darin, dass man von einer anderen Seite an das Thema herangehen müsse. «Das hat mir sehr viel Spass gemacht», sagt Alberto. Er wird auch im kommenden Semester eine Vorlesung halten zum Thema «Kann man Gold selber machen?»

Autogrammstunde. Prof. Roger Alberto in der Vorlesung zum Thema: Warum gibt es so viele Farben? (Bild: Marita Fuchs)

Möglich dank Sponsoring

Auch wenn sich die Dozierenden alle unentgeltlich für die Kinder-Universität engagieren, so ist sie dennoch auf die finanzielle Unterstützung durch Sponsoren angewiesen. «Ohne Sponsoring könnte die Kinder-Universität nicht kostenlos angeboten werden», sagt Salis Gross. Sie sei sehr dankbar, dass sich renommierte Firmen bereit erklärt hätten, sie zu unterstützen. Auch über die Hilfe von Studierenden sei sie froh. So haben zum Beispiel engagierte junge Erwachsene zusammen mit dem Gemeinschaftszentrum Loogarten in Altstetten einen Begleitdienst für Kinder organisiert. Dadurch können auch Kinder an der Kinder-Universität teilnehmen, deren Eltern keine Zeit hätten sie zu begleiten. Dazu rief der Politologiestudent Oliver Dlabac das Projket «Bildungsmotor» ins Leben. Die Kinder-Universität will vermehrt mit Schulen und Gemeinschaftszentren zusammenarbeiten, damit sie von allen Kindern wahrgenommen werden könne.

Sabine Salis Gross selbst ist zufrieden mit ihrer bisherigen Arbeit. Sie sieht ihre Motivation am besten in einem Zitat von Antoine de Saint Exupéry verdeutlicht: «Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.» (aus: Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste)

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

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