Leichte Beute an der Universität

Immer öfter kommt es an der Universität zu Diebstählen: Taschen, Portemonnaies und Laptops sind schon lange beliebte und einfache Beute. Nicht verschont bleiben jedoch auch Bibliotheken und der Studentenladen. Bereits einfache Massnahmen würden den Dieben das Leben erschweren.

Lukas Mäder

Was Diebstähle betrifft, ist die Universität keine «Insel der Seeligen». (Bild: pop)

Ein Mann im Anzug, gross mit dunklen Haaren, englischsprechend: Bestimmt keine aussergewöhnliche Erscheinung an einer Hochschule. Doch genau dieses Signalement trifft auf einen Dieb zu, der für fünfzehn Diebstähle im Monat August an der Universität, der ETH und am Tierspital verantwortlich gemacht wird. Diebstähle gehören zum Tagesgeschäft von René Zimmermann: Der ehemalige Polizist ist im Stab Sicherheit und Umwelt der Universität Zürich für den Bereich Security/Sicherheit vor kriminellen Übergriffenzuständig. «Diebstähle und Einbrüche machen bei mir den Grossteil der Arbeit aus», sagt er. Von letzteren gibt es rundzehn pro Jahr. Die Universität arbeitet eng mit der Polizei zusammen und erstattet konsequent Anzeige. Häufen sich Diebstähle nach demselben Muster, kommt eine temporäre Videoüberwachung zum Einsatz: Dabei wird für einige Tage an der betroffenen Stelle, seien das nun Büroräume, Garderoben oder Gebäudeeingänge, eine mobile Videokamera aufgestellt - natürlich in Zusammenarbeit und mit dem Einverständnis der jeweiligen Abteilungsleitung. «Wir haben bei regelmässigen Diebstählen klar das Ziel, den Täter zu fassen», sagt Zimmermann.

Druckerpatronen als Beute

Nicht gefasst sind die Täter, welche diesen Sommer im Studentenladen an der Schönberggasse zweimal das Regal mit den Druckerpatronen ausräumten. Das Vorgehen der Diebe war dabei organisiert. Während jemand das Verkaufspersonal ablenkte, räumte ein anderer das Regal aus. Der dabei entstandene Schaden von gegen tausend Franken veranlasst die Verantwortlichen der Stiftung Zentralstelle der Studentenschaft zum Handeln: Die Einführung einer Videoüberwachung der teuren Produkte, hauptsächlich Computerzubehör, wird geprüft. «Wir wollen aus dem Studentenladen keinen Hochsicherheitstrakt machen, schliesslich sind 99,9 Prozent unserer Kunden ehrlich», sagt Gion Pallecchi, der Geschäftsführer der Stiftung. Zur Zeit müssen die Druckerpatronen an der Kasse verlangt werden. Wenn jedoch zu Semesterbeginn im Laden Grossbetrieb herrscht, fürchtet Pallecchi, dass dieses System wegen der Kapazität des Personals nicht mehr möglich ist. Die Entscheidung soll Anfang Oktober fallen. «Mir persönlich wäre das jetzige System, bei dem die Artikel an der Kasse herausgegeben werden, amliebsten. Ich bin nicht für allgegenwärtige Videokameras. Es ist jedoch eine Frage des Aufwands», sagt Pallecchi.

«Liebhaber» russischer Literatur

Für eine Lösung mit Mehraufwand hat sich die Bibliothek des Slavischen Seminars entschieden. Die Bibliothek war bis anhin für jedermann frei und ohne Aufsicht zugänglich. Die Bücher konnten selbstständig auf einem Computer ausgeliehen werden. Bei den letzten zwei Teilrevisionen der Bibliothek wurde festgestellt, dass eine unüblich grosse Anzahl Bücher verschwunden war. Normalerweise fehlen sechzig bis siebzig Bücher, nun waren es je rund 250 Bücher. Ein Teil wird zwar wiedergefunden - beispielsweise in den Büros von Professoren -, doch kamen diesmal ganze Werkausgaben neuerer russischer Autoren weg. Ein systematisches Vorgehen war offensichtlich. Die Bibliothek musste handeln: Sie gibt nun Bücher nur noch auf Bestellung heraus. Während des Semesters wird die Bibliothek dreimal wöchentlich je zwei Stunden unter Aufsicht geöffnet sein. Der Mehraufwand für die Ausleihe - die Bücher müssen vom Personal bereitgestellt werden - tragen die Assistierenden und Sekretariatsmitarbeiterinnen des Slavischen Seminars.

Immer gleiche Vorgehensweise

«Die Universität als offene Institution bietet sich für Diebe geradezu an», sagt Zimmermann und betont aber, dass diese Offenheit nicht aufgegeben werden soll. Trotzdem dürfte in Zukunft nun auch an der Universität die Videoüberwachung zunehmen. So sind im neueröffneten Zentrum für nachhaltige Unternehmens- und Wirtschaftspolitik an der Künstlergasse 15a zwei Kameras installiert worden.

An der Universität gehören Diebstähle inzwischen zur Tagesordnung, obwohl das viele immer noch nicht wahrhaben wollen. Bestohlene würden oft erstaunt ausrufen: «Aber an der Uni wird doch nicht geklaut!», erzählt Zimmermann. Doch offenstehende Büroräume mit herumliegenden Laptops, Taschen oder Portemonnaies sind eine zu leichte Beute. Und über Leute, die ihre Taschen während dem Mittagessen in einer Ecke der Mensa deponieren, kann Zimmermann nur den Kopf schütteln. Die Täter sind denn meist auch mit den Örtlichkeiten und Gewohnheiten an der Universität vertraut, und sei es auch nur über einen Bekannten. Dieses Wissen ist die Voraussetzung für einen Diebstahl.

Grundlegende Vorkehrungen treffen

Dabei wäre es einfach, den Dieben das Leben schwerer zu machen. Zimmermann rät, Büros so oft als möglich abzuschliessen oder wenigstens Taschen und Portemonnaies in einem Schrank oder einer Schreibtischschublade zu verstauen. Für Hinweise über seltsame Beobachtungen ist er dankbar, denn schon oft liess sich ein Täter aufgrund einer unwichtig erscheinenden Meldung fassen. Doch viele Universitätsangehörige kennen seine kriminalistische Abteilung des Stabs Sicherheit und Umwelt gar nicht. Auch wenn solche Vorkehrungen in den Büros nicht immer einen Diebstahl verhindern, kann doch deren Anzahl verringert werden.

Lukas Mäder ist Student an der Universität Zürich und freier Mitarbeiter bei unipublic.