Zentralstelle verkauft Computer-TakeAway

Rückwirkend auf den ersten August übernimmt die Firma Data Quest von der studentischen Stiftung Zentralstelle deren Computershop, den Computer-TakeAway. Damit stösst die Stiftung ihren einzigen defizitären Bereich ab.

Lukas Mäder

Der Compuer Takeaway-Shop an der Riedtlistrasse 27. (Bild: Lukas MAEder)

Das gelb-schwarz gescheckte Logo - das immer an das Filmfestival Locarno erinnert - ist an der Universität Zürich überall anzutreffen. So betreibt die dazugehörige Organisation, die Stiftung Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich, denn auch eine grosse Zahl von Institutionen an der Universität. Der Studentenladen mit Papeterieartikeln, die Kioske, Kopiergeräte, eine Buchhandlung, die Arbeitsvermittlungsstelle und sogar eine Druckerei: Alles ist in der näheren Umgebung der Universität Zürich angesiedelt. Oft vergessen ging der Computer-TakeAway, den die Stiftung Zentralstelle etwas abseits zwischen Rigiplatz und Schaffhauserplatz führte. Nicht ganz zu unrecht, denn der Preisvorteil im Vergleich zu anderen Anbietern war schon lange unerheblich.

Betrieb nicht kostendeckend

«Die Margen in dieser Branche sind extrem gering und mit unserer Warenmenge bekamen wir bei den Herstellern vergleichsweise geringe Rabatte», sagt Gion Pallecchi, Geschäftsführer der studentischen Stiftung. Als weitere und vor allem kostenaufwendige Dienstleistung bot der Computer-TakeAway einen umfassenden Service und Support an. Als einziger Geschäftsbereich der Stiftung war der Computershop nicht kostendeckend und das seit seinem Bestehen. Die Geschäftsleitung - vom Studentenrat gewählt - war zum Handeln gezwungen: Der Computer-TakeAway musste abgestossen werden. Und wegen der allgemein schlechten Wirtschaftslage blieb dafür nicht viel Zeit. «Die ganzen Verkaufsverhandlungen haben nur etwa drei Wochen gedauert», sagt Pallecchi, der vor einem Jahr, als die gesamte Geschäftsleitung ausgewechselt wurde, seine Stelle antrat.

«Wir wollen mit dem Computer-TakeAway einen Schritt in Richtung studentische Kundschaft tun». René Schneider, Geschäftsleitung Data Quest. (Bild: lm)

Idealer Käufer

Mit der Firma Data Quest AG aus Dietikon scheint ein idealer Käufer gefunden worden zu sein: Das Unternehmen mit rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist einer der grossen Apple-Händler der Schweiz. Bereits bisher verkaufte es Produkte für Schulen und Universitäten zu einem ermässigten Preis. «Wir sind der grösste Apple-Lieferant der ETH und wollen mit dem Computer-TakeAway einen Schritt Richtung studentische Kundschaft tun», sagt René Schneider, Mitgründer der Firma und Mitglied der Geschäftsleitung. Die Education-Kunden sind für Data Quest ein wichtiger und wachsender Geschäftsbereich. Zufrieden mit dem Verkauf ist aber auch Pallecchi: «Für uns war wichtig, dass alle elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Stelle behalten werden und das wir für das Warenlager einen fairen Preis bekommen. Beides haben wir erreicht.» Die Firma Data Quest will den bisherigen Standort an der Riedtlistrasse, der vom Computer-TakeAway erst vor drei Jahren mit grossen finanziellen Aufwand bezogen wurde, beibehalten. Dies obwohl sie mit einem Geschäft am Limmatquai prominent in Zürich vertreten sind: «Wir wollen uns am Standort Riedtlistrasse auf den Bereich Education konzentrieren. Ausserdem bewerte ich die Nähe zur Uni Irchel und zur ETH Hönggerberg als positiv», sagt Schneider dazu.

Idee wird weiterverfolgt

Die Idee eines Computershops an der Universität ist für die Zentralstelle jedoch noch nicht vom Tisch: Die grosse Anzahl von Studierenden auf dem Zürcher Hochschulhügel würden einen eigenen Computershop rechtfertigen. Er müsste jedoch zentral bei den Hochschulen angesiedelt werden. Im Studentenladen wird bereits seit einiger Zeit ein kleines Sortiment an Computerzubehör verkauft. Wie weit dieses ausgebaut werden kann, wird jetzt abgeklärt: «Wir haben demnächst ein Treffen, um eine Zusammenarbeit zwischen Universität und ETH zu diskutieren», sagt Pallecchi. Ein erneuter Alleingang kommt für den Geschäftsführer der Stiftung jedoch nicht mehr in Frage. Insbesondere die Bereiche Technik und Einkauf könnten nach seiner Aussage nur in Kooperation mit einem Partner erfolgreich sein. Der Gedanke, dass dieser Partner die Firma Data Quest AG sein könnte, drängt sich auf. Die Zusammenarbeit mit einem kommerziell operierenden Unternehmen ist dabei fürdie unabhängige, nicht profitorientierte Stiftung Zentralstelle, deren Ziel der studentische Mehrwert ist, nicht ganz unproblematisch. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen: Entscheidend ist die Haltung der Universitätsleitung und des Stiftungsrats, in dem die Mehrheit vom StuRa gestellt wird.

Alternativen sind vorhanden

Für die Studierenden bringt der Verkauf des Computer-TakeAway keine Nachteile mit sich. Einerseits will Data Quest das Ladenlokal und die ermässigten Ausbildungspreise beibehalten. Andererseits mangelt es nicht an alternativen Angeboten: An der ETH verkauft die Stiftung Studenten Discount (www.ssd.ethz.ch) ein grosses Angebot von Computern und Zubehör und verschiedene grosse Hardwarehersteller wie Apple oder IBM gewähren Studierenden Rabatte in speziellen Online-Shops. Ausserdem wird seit 2001 die Aktion Neptun von der ETH Zürich mit Beteiligung der Universität durchgeführt. Jeweils im Herbst - das nächste Mal in diesem Oktober - haben Studierende und Mitarbeiter die Möglichkeit Rechner aus einer begrenzten Auswahl von Modellen zu erwerben - zu einem einmalig tiefen Preis.

Lukas Mäder ist Student an der Universität Zürich und freier Mitarbeiter bei unipublic.