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Zwischennutzung

Schule auf dem Campus Irchel

Diesen Sommer bezieht die Kantonsschule Zürich Nord zwei für sie umgebaute Gebäude am Campus Irchel. Diese Koexistenz von Hochschule und Gymnasium ist schweizweit einzigartig. Sie ermöglicht gemeinsame Projekte, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Bei einem Townhall-Meeting konnten sich UZH-Angehörige darüber informieren und Fragen stellen.
Nathalie Huber
Schüler:innen am Campus Irchel
Ab Sommer 2024 besuchen etwa 2300 Gymnasiast:innen den Campus Irchel. (Visualisierung: Raumgleiter AG)

So nahe waren sich Universität und Zürcher Gymnasien noch nie: In rund vier Monaten zieht die Kantonsschule Zürich Nord als erste von drei Zürcher Mittelschulen auf den Campus Irchel und nutzt bis 2027 zwei für sie umgebaute Gebäude. Im Drei-Jahres-Rhythmus werden bis zum Juli 2033 vier weitere Gymnasien folgen, die während der Renovation ihrer eigenen Schulanlagen in die Gebäude der UZH einziehen.

Die UZH hat in enger Zusammenarbeit mit den Gymnasien und der Bildungsdirektion die Weichen für eine reibungslose Zwischennutzung gestellt. Der Einzug der Kantonsschule Zürich Nord und ab dem 19. August der Schullalltag mit über 2000 Schüler:innen ist eine Herausforderung für den universitären Betrieb und die Infrastruktur. Um zu informieren, Fragen zu beantworten und den Dialog zu fördern, hat die Universitätsleitung vergangene Woche ein Townhall-Meeting abgehalten, das UZH-Angehörigen die Möglichkeit für einen konstruktiven Austausch bot.

Einmalige Gelegenheit

Rektor Michael Schaepman: «Wir dürfen uns auf einen schweizweit einmaligen, offenen und durchmischten Campus Irchel freuen, der Gymnasium und Universität einzigartig kombiniert.» (Bild: Fabio Schönholzer)

Hochschule und Gymnasium auf einem Campus – für die Schweiz ist das eine einzigartige Situation. Und wie Rektor Michael Schaepman zu Beginn der Veranstaltung betonte, eine besondere Gelegenheit: «Wir haben die Chance, einen neuen Bildungscampus zu erleben.» Die Nähe ermögliche es nicht nur, einander besser kennenzulernen, sondern schaffe auch Raum für gemeinschaftliches Lernen, Lehren, Forschen und Experimentieren. Der integrative Campus sei allerdings auch eine Herausforderung. «Sehr gut geplant, heisst nicht automatisch, an alles gedacht», sagte Schaepman. Nicht alles lasse sich voraussehen oder bis ins Detail planen – und das sei auch nicht das Ziel. Die Anpassung an den Alltag erfordere von allen Geduld. «Seien Sie – besonders in der Anfangsphase – grosszügig, tolerant, neugierig, offen und interessiert. Es ist unser gemeinsames Ziel, diesen offenen Campus gemeinsam zu formen.»

Einblick ins universitäre Leben

Die zukünftigen Standardklassenzimmer der Kantonschüler:innen (Rendering: Stücheli Architekten)

Andreas Niklaus, der Rektor der Kantonsschule Zürich Nord (KZN), präsentierte seine Schule, die er aufgrund ihrer Grösse mit einem beachtlichen KMU verglich. Mit 2275 Schüler:innen, 96 Klassen und 300 Lehrpersonen ist die KZN die grösste Mittelschule der Schweiz. Sie bietet sowohl ein Lang- als auch ein Kurzgymnasium und eine Fachmittelschule an.

Die Schulangehörigen beziehen die Gebäude Y12, Y32 und Y34, wobei ihnen zwischen Y32 und Y34 ein eigener Schulhof zur Verfügung steht. Dazu wurden die früher von den UZH-Chemiker:innen genutzten Gebäude angepasst: Y34 beherbergt nun Spezialräume für naturwissenschaftlichen, musischen und gestalterischen Unterricht sowie die Schulverwaltung, während Y32 die allgemeinen Klassenzimmer umfasst. Die Schulgemeinschaft wird auch die Verbindungsgänge der UZH nutzen, um zwischen den Stockwerken und Trakten zu wechseln, wobei der Stundenplan so gestaltet wird, dass Raumwechsel minimiert werden. Die Vorbereitungen für den Umzug sind laut Andreas Niklaus in vollem Gange. «Wir freuen uns sehr auf diesen hervorragenden Standort, der uns neue Möglichkeiten bietet, unsere Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern.» Die Nähe zur Hochschule ermögliche bereits in der Mittelschulzeit einen Vorgeschmack auf das universitäre Leben.

Voneinander lernen

Gabriele Siegert knüpfte an die Idee, voneinander zu lernen, an und betonte, wie der durchmischte Campus nicht nur einen gemeinsamen Alltag, sondern auch die Möglichkeit biete, geteilte Interessen zu verfolgen. «Gemeinsame Projekte von UZH und Schulen fördern das Verständnis und Vertrauen», erklärte die Prorektorin Lehre und Studium. Mit finanzieller Unterstützung seitens Bildungsdirektion sollen Projektideen, welche die fachlichen und überfachlichen Kompetenzen fördern, die Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen und Dozierenden verstärken und Studierende für den Lehrberuf begeistern, realisiert werden. Zum Beispiel können Studierende Unterrichtserfahrungen sammeln. Schüler:innen haben umgekehrt die Chance, für ihre Maturaarbeiten vom Fachwissen der UZH-Angehörigen zu profitieren. Während Wochen der offenen Hörsäle erhalten Gymnasiast:innen Einblick in ausgewählte Vorlesungen und Studiengänge. Siegert ermunterte alle Beteiligten, sich aktiv an bzw. mit Projekten zu beteiligen.

Verpflegung und Sportangebote sichergestellt

Die Schüler:innen erhalten ihre eigene Mensa mit 300 Sitzplätzen. (Rendering: Stücheli Architekten)

Daniel Hug, Direktor Finanzen, präsentierte die Massnahmen rund um Verpflegung und Sport. Den Schulangehörigen steht zunächst einmal eine eigene Mensa zur Verfügung. Zusätzlich wird – um die Überlastung der UZH-Mensa etwas zu verringern – ein Foodtruck-Park auf dem Strickhof eingerichtet und das Dozierendenfoyer für die Selbstversorgung geöffnet. Für die rund 300 Sportlektionen der KZN wird auf dem Gebiet Irchel West ein Sportprovisorium mit zwei Turnhallen, drei Multifunktionsräumen und eigener Garderobe gebaut; ebenso stehen die bestehenden Turnhallen zur Verfügung. Dies erfordert eine zeitliche Anpassung des ASVZ-Angebots – das bisher tagsüber stattfindende Spiel- und Kondi-Angebot wird auf den Abend und das Wochenende verlegt. Hug versicherte jedoch, dass das gewohnte Sportprogramm für alle weiterhin – einfach zu teils anderen Zeiten – stattfinden werde.

Teil der Vision 2050

Gebäudeplan
Der Innenhof zwischen den Bauten Y32 und Y34 kann von den Schülerinnen und -schülern als Pausenbereich genutzt werden. (Karte: Schmid Landschaftsarchitekten)

Als letzter Redner präsentierte François Chapuis, Direktor Immobilien und Betrieb, die längerfristige bauliche Weiterentwicklung des Campus Irchel bis ins Jahr 2050. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Neubau «PORTAL UZH», der durch die Zwischennutzung der ehemaligen Chemiegebäude durch die Zürcher Gymnasien vorgezogen werden kann und ab 2030 realisiert werden soll. Die Gebäude der ersten Bauetappe, UZI 1, aus den 1970er-Jahren, zu denen auch die zwischengenutzten Räumlichkeiten gehören, werden nach Abschluss des «PORTAL UZH» und nach dem Auszug der Kantonsschulen vollständig erneuert.  

Im Anschluss an die Präsentationen hatte das Publikum Gelegenheit, den Referierenden Fragen zur Zwischennutzung zu stellen. Hier eine Zusammenfassung:

Die Redner:innen beantworten Fragen zur Zwischennutzung (v.l.n.r.): Daniel Hug (Direktor Finanzen), Michael Schaepman (Rektor), François Chapuis (Direktor Immobilien und Betrieb), Gabriele Siegert (Prorektorin Lehre und Studium), Andreas Niklaus (Rektor KZN), Roger Nickl (Moderator UZH Kommunikation) (Bild: Fabio Schönholzer)
  • Wie werden die durch den Einzug zusätzlich verursachten Menschenströme auf den Irchel geleitet?
    François Chapuis erklärte, der Campus sei schon jetzt eine «Stadt in der Stadt» und verkehrstechnisch hervorragend angebunden. Die Zürcher Verkehrsbetriebe planten, täglich zum Schulbeginn nach Bedarf zusätzliche Tramfahrten zwischen Oerlikon und Irchel. Zudem werde die Beschilderung der Zufahrtswege aktualisiert und Hinweise zu den Kantonsschulen integriert.
  • Reichen die Veloplätze aus?
    Für die Schulangehörigen stehen rund 600 zusätzliche Plätze bereit. Dies sollte reichen, da Schüler:innen gemäss Andreas Niklaus auch andere Verkehrsmittel benutzten. Für die UZH-Angehörigen stehen die bisherigen Veloabstellplätze zur Verfügung.
  • Der Umzug auf den Campus Irchel beginnt Anfang Juli und überschneidet sich mit den Prüfungen. Wird darauf Rücksicht genommen?
    Gemäss François Chapuis stellt das kein Problem dar, denn auch im normalen Betrieb wird viel transportiert und die nötigen Logistikwege stehen zur Verfügung und tangieren die Prüfungen nicht.
  • Dürfen Schüler:innen die UZH-Lernarbeitsplätze und Bibliothek nutzen?
    Gemäss der Hausordnung sind die Gebäude und Lernplätze der UZH für alle zugänglich. Die Universitätsbibliothek Irchel steht von 9 bis 17 Uhr allen offen; UZH-Angehörige haben auch ausserhalb dieser Zeiten mit ihrem Badge Zugang. Die Schülerinnen und Schüler bekommen in ihren eigenen Gebäuden zugewiesene Lernplätze und Zugang zu einer separaten Bibliothek.
  • Gewisse Orte an der UZH sind aus Sicherheitsgründen sensibel. Wie geht man mit solchen Sicherheitsfragen um?
    Michael Schaepman wies darauf hin, dass Türen in Sicherheitsbereichen verschlossen und nur mit UZH-Badge zugänglich seien. Eine disziplinierte Handhabung seitens der UZH-Angehörigen sei erforderlich, um sicherzustellen, dass Türen mit automatischer Schliessung konsequent geschlossen und verriegelt werden.
  • Die Irchelbar schenkt Alkohol aus. Wie soll die Bar das mit den Schüler:innen handhaben?
    Die Betreiberin der Bar, die ZFV-Unternehmen, ist laut Daniel Hug über den Einzug der Kantonsschulen informiert. Es obliegt der Betreiberin, beim Alkoholausschank gemäss Gesetz das Alter zu kontrollieren. Ausserdem ist es den Schüler:innen während den Unterrichtszeiten gemäss Hausordnung der Kantonsschule verboten, Alkohol zu konsumieren.
  • Wie werden die Angehörigen der Schulen mit ihrer neuen Umgebung vertraut gemacht?
    Andreas Niklaus zufolge werden die Vorbereitungen schrittweise vorangetrieben. Über einen Newsletter bleiben alle Schulangehörigen auf dem Laufenden. Zudem sind Videos verfügbar, die Orientierung bieten und wertvolle Hinweise zum Campus geben. In der letzten Woche der Sommerferien erhalten Lehrpersonen und Mitarbeitende der KZN eine Campusführung. Nach den Ferien werden die Schülerinnen und Schüler durch den Campus geführt.
  • Was passiert, wenn die getroffenen Planungsmassnahmen nicht ausreichen, hat die UZH einen Plan B?
    Gabriele Siegert merkte an, dass übermässig detaillierte Regeln auch einschränkend seien. Während der Zwischennutzung ist eine eigens dafür angestellte «Koordinator:in Zwischennutzung» Ansprechperson für Anliegen und Fragen bei Problemen. «Runde Tische» sollen den Austausch zwischen der UZH und den Schulen fördern und gemeinsame Lösungen für auftretende Probleme finden.