Entrepreneurship

Innovationen in den Life Sciences fördern

Die Universität Zürich unterstützt junge Forschende aus den Life Sciences mit einem neuen Programm. Die «UZH BioEntrepreneur-Fellowships» sollen beim Schritt in die Selbstständigkeit helfen. Denis Schapiro und Iwan Zimmermann sind die ersten Fellows. Sie wollen mithelfen, digitale Technologien für die Pathologie und neue Antibiotika zu entwickeln.

Adrian Ritter

Denis Schapiro
Denis Schapiro
Entwickelt eine neue Art bildgebender Analyse, um krankhafte Gewebe zu identifizieren: Denis Schapiro (Bild: zVg)

 

Algorithmen sollen in Zukunft Krankheitserreger in Blutproben identifizieren und auf Fotos Hautkrebs erkennen: Auch in der Pathologie ist die Digitalisierung in vollem Gange. Der Weg führt immer stärker vom Blick durch das Mikroskop hin zum Blick auf den Computerbildschirm. Gemäss Schätzungenwird sich der globale Markt für digitale Pathologie in den kommenden sechs Jahren mehr als verdoppeln – auf ein Volumen von 932 Millionen Dollar.

Auch der UZH-Systembiologe Denis Schapiro mischt mit in diesem Markt. Er hat während seiner Dissertation am Institut für Molekularbiologie der UZH mit der Imaging Mass Cytometry einen Ansatz mitentwickelt, mit dem man bis zu 120 molekulare und genetische Marker in krankhaften Geweben analysieren kann.

Die Software «histoCAT» (histology topography cytometry analysis toolbox) hilft vor allem mit, hochkomplexe Bilder zu analysieren, bei denen das menschliche Auge überfordert ist. Die neue Art von bildgebender Zytometrie, an der er forscht, soll krankhafte Muster innerhalb von Zellen und im Gewebe erkennen – zum Beispiel verschiedene Tumortypen. Das Gerät und die Software werden bereits in einzelnen Universitäten, Kliniken und Unternehmen genutzt.

Geld und Wissen

Denis Schapiro will noch einen Schritt weitergehen und die Software so vereinfachen, dass jeder Pathologe sie nutzen kann. Er ist froh, sich in den kommenden 18 Monaten ganz auf diese Aufgabe fokussieren zu können – dank des neuen «UZH BioEntrepreneur-Fellowship». Damit unterstützt die Universität Zürich junge Forschende, eine erfolgversprechende Geschäftsidee weiterzuentwickeln. Sie erhalten für die Periode von 18 Monaten 150'000 Franken und profitieren gleichzeitig von Trainings und einem Coaching. Dabei können sich die Nachwuchsforschenden die Grundlagen aneignen, um ein eigenes Unternehmen zu gründen und zu führen und können sich gleichzeitig mit Industriepartnern vernetzen.

Die jährlich vergebenen Fellowships richten sich an Doktorierende sowie Postdocs aus den Life Sciences und verwandten Gebieten wie Medizin- und Biotechnologie. Die Projekte müssen sich durch eine exzellente wissenschaftliche Qualität und ein hohes Innovationspotenzial auszeichnen und wirtschaftlich umsetzbar sein.

«Mit den neuen Fellowships wollen wir neueste Forschungsergebnisse und Technologien aus der UZH schneller nutzbar machen. Das Programm erlaubt es, das kommerzielle Potential neuartiger Technologien zu prüfen und Businessideen im besten Fall in konkrete Produkte und Dienstleistungen umzusetzen», sagt Maria Olivares, die im Bereich Forschung, Innovation und Nachwuchsförderung der UZH für das Thema Innovation zuständig ist.

Systembiologe Denis Schapiro ist mit seinem Projekt «histoCAT» einer der ersten zwei Fellows. «Dass die Fellowships sowohl finanzielle Unterstützung wie auch unternehmerisches Wissen zur Verfügung stellen, ist die perfekte Mischung, um meine Idee zu verwirklichen», sagt Schapiro.

Iwan Zimmermann
Iwan Zimmermann
Forscht an einer neuen Klasse von Antibiotika: Iwan Zimmermann (Bild: zVg)

Neue Antibiotika entwickeln

Begeistert vom neuen Angebot ist auch Iwan Zimmermann, der zweite Fellow: «Das Programm wird mir helfen, das nötige Wissen zu erhalten und ein Netzwerk aufzubauen, um ein Start-up-Unternehmen zu gründen.» Der 34-jährige Biochemiker ist Postdoktorand am Institut für Medizinische Mikrobiologie an der UZH. Sein Ziel: Mithelfen, eine neue Klasse von Antibiotika zu entwickeln, die spezifisch gegen Escherichia coli wirksam sind. Das Darmbakterium ist auch ein häufiger Verursacher von Infektionen der Harnwege und von Blutvergiftungen.

Immer öfter sind E. coli-Bakterien gegen die gängigen Antibiotika resistent und neue Wirkstoffe fehlen. «In den letzten 30 Jahren sind nur zwei neue Klassen von Antibiotika zugelassen worden», sagt Iwan Zimmermann. Er hat als Doktorand mitgeholfen, eine Technologie zu entwickeln, die Antikörper identifiziert, die gegen E. coli wirksam sein könnten.

Die Antikörper hindern das Bakterium daran, Proteine für seine Aussenmembran zu synthetisieren. Ein Patentgesuch für die Methode namens «NestLink» hat die Forschungsgruppe bereits eingereicht. Erfolgversprechende Antikörperkandidaten sollen in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungsgruppen und der Industrie für den klinischen Gebrauch weiterentwickelt werden.

Ein Schritt mit grossen Risiken

Die Initiative, ein spezifisches Entrepreneurship-Programm für die Life Sciences anzubieten, ging von Christoph Hock aus. Er hat beim Amtsantritt als Prorektor Medizin und Naturwissenschaften 2015 einen Schwerpunkt auf Innovations- und Entrepreneurship-Themen gelegt. Die Idee: Junge Forschende machen in den Life Sciences oft vielversprechende Entdeckungen, die zu nützlichen medizinischen Anwendungen entwickelt werden könnten. Der Weg von der Grundlagenforschung zur praktischen Anwendung sei allerdings lang, sagt Maria Olivares: «Gerade in den Life Sciences ist der Schritt in die Selbstständigkeit mit grossen Risiken verbunden, weil hohe Investitionen in Labors und Materialien notwendig sind. Deshalb wollen wir junge Entrepreneure gerade in dieser ersten Phase stärken, ein Spin-off zu gründen.»

Neben Denis Schapiro und Iwan Zimmermann profitieren auch andere Forschende davon, an einzelnen Kursen des Weiterbildungsprogramms BioEntrepreneurship & Innovation teilzunehmen. Dieses wird vom Institut für Regenerative Medizin der UZH angeboten und ist integrativer Bestandteil der neuen Fellowships.

In Diskussion ist auch, weitere Entrepreneurship-Angebote zu schaffen – auch für nicht-technische Themenfelder und um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Disziplinen zu fördern. Für die Finanzierung solcher Fellowships arbeitet die UZH mit der UZH Foundation zusammen, die hilft, private Gelder einzuwerben.

Die Bewerbung für die nächste Ausschreibung «UZH BioEntrepreneur-Fellowships» läuft bis 15. September 2017

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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