Hochschulgebiet Zürich Zentrum

«Die Zentrumslage der UZH hat enorme Vorteile»

Der Standort Zentrum der UZH wird in den kommenden 25 Jahren grundlegend modernisiert. Zum Beispiel soll vis à vis des Hauptgebäudes ein Lehr- und Lernzentrum mit Bibliothek, Mensen und Sporthallen entstehen. Im Interview erklärt Rektor Michael Hengartner den Stand der Planung des Projekts «Hochschulgebiet Zürich Zentrum» aus Sicht der UZH.

Interview: David Werner, Jessica Van Wezemael1 Kommentar

Michael O. Hengartner, Rektor
Michael O. Hengartner, Rektor
«Die zentrale Lage der UZH in der Stadt hat viel dazu beigetragen, dass Wissenschaft und Gesellschaft in Zürich traditionell sehr eng aufeinander bezogen sind.» Michael Hengartner, Rektor der UZH. (Bild: Frank Brüderli)

Herr Hengartner, 2014 wurden die Pläne zum Hochschulgebiet Zentrum erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Was ist seither geschehen?

Michael Hengartner: Das Hochschulquartier ist prominent gelegen und prägt das Gesicht Zürichs entscheidend mit. Daher geht es nicht nur die UZH, die ETH Zürich und das Universitätsspital etwas an, wie sich das Quartier zukünftig entwickelt, sondern die ganze Stadt. Die Bevölkerung hat ein begründetes Interesse daran, bei der Gestaltung dieses Quartiers mitzureden. Es gab viele Rückmeldungen auf den 2014 vorgestellten Masterplan. Die  UZH, die ETH Zürich und das Universitätsspital haben daraufhin nochmals überdacht, wieviel Platz sie zukünftig belegen wollen. Alle drei Institutionen haben ihren Flächenbedarf reduziert.

Wie stark hat die UZH ihren angemeldeten Flächenbedarf im Zentrum gegenüber der Planung von 2014 gesenkt?

Die UZH hat ihren Flächenbedarf um zehn Prozent, das heisst um rund 8'000 Quadratmeter Hauptnutzfläche reduziert. Damit leistet sie einen Beitrag dazu, dass im Hochschulgebiet Zentrum insgesamt weniger dicht und weniger hoch gebaut werden muss als ursprünglich vorgesehen. Die Maximalhöhe für Neubauten konnte um zwei bis drei Stockwerke auf 57 Meter gesenkt werden. Die Vorgaben für den Masterplan, wie sie jetzt formuliert worden sind, gewähren wesentlich mehr städtebauliche Gestaltungspielräume. 

Warum hat die UZH diese Konzession gemacht?

Für die UZH ist es von allergrösster Bedeutung, dass sie sich am Standort Zentrum weiterentwickeln kann. Wir wollen die Zukunft des Wissenschafts- und Bildungsstandorts Zürich für die nächste Generation sichern. Es liegt also in unserem Interesse, dass das Gesamtprojekt realisierbar bleibt. Dafür sind wir auch bereit, Konzessionen zu machen.

Wird die UZH nun in Zukunft insgesamt weniger zusätzliche Nutzfläche erhalten als vor zwei Jahren geplant?

Nein, wir haben unseren Bedarf sehr genau berechnet. An diesen Berechnungen hat sich nichts geändert. Geändert hat sich nur die Verteilung der neu zu schaffenden Nutzflächen. Es hat sich nämlich in der Zwischenzeit herausgestellt, dass wir am Campus Irchel, der ja ebenfalls ausgebaut wird, mehr Nutzfläche einplanen können als zunächst erwartet. Deshalb kommen wir im Hochschulgebiet Zentrum mit weniger Nutzfläche aus als wir zunächst dachten.

Hat dieser Entscheid einen Einfluss darauf, wo die einzelnen Institute der UZH zukünftig beheimatet sein werden?

Die wesentliche Änderung gegenüber unserer ursprünglichen Planung ist, dass die heute in Oerlikon beheimateten Sozialwissenschaften nicht im Zentrum, sondern am Irchel ein neues Domizil erhalten werden.

Warum sollen die Sozialwissenschaften nicht in Oerlikon bleiben, wo sie heute domiziliert sind?

Wir wollen der räumlichen Zersplitterung der UZH entgegenwirken und uns zukünftig auf zwei Hauptstandorte beschränken – auf das Zentrum und den Irchel. Die Institute und Fakultäten der UZH sollen ungehindert zusammenarbeiten können, dafür sind kurze Wege essentiell.

Welchen Prämissen folgt die UZH bei der Zuordnung der Nutzflächen?

Wichtig ist, die verschiedenen Disziplinen sinnvoll zu gruppieren. Zudem ist uns eine ausgewogene Verteilung von Studierenden und Mitarbeitenden auf die beiden angestammten Standorte Zentrum und Irchel wichtig.

Könnten noch weitere Institute an den Standort Irchel umziehen?

Das ist nicht geplant. Diejenigen Fakultäten bzw. Fächergruppen, die heute im Zentrum angesiedelt sind – also die Theologie, die Wirtschafts-, die Rechts- und die Geisteswissenschaften – werden weiterhin im Zentrum beheimatet sein.

Die UZH plant an prominenter Lage ein grosses Lehr- und Lernzentrum. Wie muss man sich diesen Bau vorstellen?

Als eine Art Kollegiengebäude des 21. Jahrhunderts. Es wird neben dem bestehenden Hauptgebäude eine Schlüsselrolle im Hochschulgebiet Zürich Zentrum spielen. Der Bau kommt auf das Wässerwies-Areal schräg vis à vis des UZH-Hauptgebäudes zu stehen – dort, wo die Gloriastrasse in die Rämistrasse mündet. Der Blick geht direkt auf den Park des Universitätsspitals.

Das Lehr- und Lernzentrum wird nicht nur Studierenden, Forschenden und Lehrenden der UZH zur Verfügung stehen, sondern auch Angehörigen des Universitätspitals und der  ETH. In Teilen wird es auch öffentlich zugänglich sein. Es wird Platz für grosse Vorlesungsveranstaltungen und Prüfungen und bieten, aber auch Räumlichkeiten für Gruppenarbeiten und das Selbststudium. Dazu kommen Büroräume für die Wirtschaftswissenschaften, die Rechtswissenschaften sowie die Philosophische Fakultät. Eine grosse Bibliothek wird die Buchbestände versammeln, die heute noch in 60 universitären Kleinbliotheken verstreut sind. Dazu kommen Verpflegungsstätten, kleine Ladenlokale und moderne Sporthallen für die umliegenden Mittelschulen, den Akademischen Sportverband ASVZ und die UZH-Alumni.

Wann kann das Lehr- und Lernzentrum bezogen werden?

Wir treiben dieses Teilprojekt mit hoher Priorität voran, eine erste Etappe soll zirka 2027 fertig sein.

Bauvorhaben der UZH
Bauvorhaben der UZH
Die drei wichtigsten Bauvorhaben der UZH im Hochschulgebiet Zentrum im Überblick: Auf dem Wässerwies-Areal an der Ecke Rämistrasse/Gloriastrasse soll bis 2027 das Lehr- und Lernzentrum errichtet werden. Auf dem Kernareal Ost des Universitätsspitals plant die UZH bis 2026 neue Labors für die klinische Krebsforschung. Weitere Bauten für die klinische Medizin – u.a. für die Infektiologie – sollen bis 2029 auf dem Areal Gloriarank/Häldeliweg entstehen. (Bild: UZH)

Mit der Irchel-Erweiterung und dem Projekt Hochschulgebiet Zürich Zentrum treibt die UZH zwei bauliche Grossvorhaben gleichzeitig voran. Warum soviel auf einmal?

Die Immobilienentwicklung der UZH ist in den 90er-Jahren stehen geblieben. Dadurch hat sich einerseits eine Schere aufgetan zwischen den bis vor kurzem kontinuierlich anwachsenden Studierendenzahlen und der verfügbaren Lehr- und Forschungsfläche. Jetzt ist dringend wieder ein Modernisierungsschub nötig. Die Institute, die heute dezentral untergebracht sind, sollen zukünftig alle entweder am Standort Irchel oder eben im Zentrum ein Domizil erhalten. Die verstreuten Liegenschaften, die die UZH in den letzten Jahrzehnten angemietet hat, wollen wir zurückgeben.

Warum legt die UZH eigentlich so grossen Wert auf die bauliche Erneuerung am Standort Zentrum – und nicht irgendwo auf der grünen Wiese?

Die UZH ist eine typische Stadtuniversität. Sie ist geschichtlich geprägt durch die zentrale Lage am Puls des städtischen Lebens. Diese attraktive Lage bringt der UZH enorme Vorteile: Die Wege sind kurz, die Universitätsbauten im Zentrum sind für Studierende und Mitarbeitende sehr gut erreichbar. Die ETH Zürich und das Universitätsspital sind nah. Die zentrale Lage der UZH hat viel dazu beigetragen, dass Wissenschaft und Gesellschaft in Zürich traditionell sehr eng aufeinander bezogen sind. Man kann den Wert, den ein solch lebendiger Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft für beide Seiten hat, gar nicht hoch genug einschätzen. Wenn die UZH ihr Standbein im Zentrum stärkt, sind die Voraussetzungen gut, dass dieser Dialog mindestens so intensiv bleibt, wie er heute ist.

Wie es mit dem Projekt Hochschulgebiet Zürich Zentrum weitergeht

Die kantonsrätliche Kommission für Planung und Bau hat vor einigen Tagen dem Kantonsrat eine Empfehlung zum kantonalen Richtplan abgegeben, in dem die Eckpunkte für die verschiedenen Bauvorhaben des Hochschulgebietes Zürich Zentrum definiert sind.  Bis im Frühjahr 2017 soll der Richtplan im Anschluss an die öffentliche Auflage vom Kantonsrat festgesetzt und vom Bund genehmigt werden. Für die Behörden sind die darin enthaltenen Vorgaben sodann verbindlich.

Um die architektonische Gestaltung der vorgesehen Bauten vorzubereiten, werden mehrere interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppen gemeinsam eine Ideenstudie mit dem Titel «Stadtraumkonzept Hochschulgebiet Zürich Zentrum» erarbeiten. Parallel werden UZH, ETH Zürich und USZ weitere Machbarkeitsstudien für die geplanten Neubauten durchführen. Danach werden erste Gestaltungspläne für die prioritären Areale erstellt – also für das Kernareal Mitte, Ost und West auf dem Planungsperimeter USZ/ETH sowie Gloriarank und Wässerwies auf dem Planungsperimeter UZH. Sobald die Gestaltungspläne festgesetzt sind, können Architekturwettbewerbe für erste Bauetappen ausgeschrieben werden.

Jessica Van Wezemael, Leiterin Kommunikation Projekt Stadtuniversität UZH / David Werner, Leiter Publishing.

1 Leserkommentar

Stich Peter schrieb am Projekte UZH und USZ unbedingt durchziehen.... Leider hört und liest man schon jetzt massive Kritik und Ablehnung vieler Anwohner, vor allem aber des Heimatschutzes ZH im Zusammenhang mit den baulichen Erweiterungsvorhaben, dies sowohl der UZH wie vor allem auch des USZ. Man will "alles so behalten, wie es immer war, das Gesicht des Quartiers nicht verändern." Wir leben jedoch nicht nur in Zürichs mittelalterlicher Vergangenheit, sondern vorab in der Gegenwart und mit notwendigen Investitionen in die Zukunft der Stadt! Sei dies nun für das Bildungswesen, sei es für eine absolut dringliche Sanierung und Erneuerung des total in die Jahre gekommenen Haupttrakts des USZ, welcher absolut veraltete architektonische Standards aufweist. Man sollte dem Volk diese zwingenden Notwendigkeiten schon jetzt aufklärend schmackhaft machen, um konservativen Kreisen und deren zu erwartenden Einsprachen tunlichst schon im Vorfeld wirksam zu begegnen. Es ist davon auszugehen, dass den neuen Vorhaben die Zustimmung an der Urne nicht versagt bleiben!

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