Studierende verwandeln Unsicherheit in Chancen
Zeitdruck, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Austausch mit Fachleuten aus der Praxis: Darum geht es beim RiskON Hackathon an der Universität Zürich. Am 1. und 2. September 2026 fand die Veranstaltung zum vierten Mal statt. Sie brachte 58 Masterstudierende von Universitäten aus der ganzen Schweiz und Liechtenstein mit Fachleuten aus der Wissenschaft und dem Finanzsektor zusammen.
Die Risikomanagement-Initiative an die UZH gebracht haben Walter Farkas, Professor für Quantitative Finance und Leiter des MSc UZH ETH in Quantitative Finance und Daniel Fasnacht, Programmleiter Executive Education bei der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Unterstützt wird der RiskON von Maria Olivares, Head of Innovation beim UZH Innovation Hub, der Studierende und Forschende dabei begleitet, innovative Ideen in die Praxis zu übersetzen.
Banken stellen Aufgaben
Die Studierenden wurden in 16 interdisziplinäre Teams eingeteilt. Sie hatten 24 Stunden Zeit, um Lösungen für eine von vier Challenges zu entwickeln, die von Finanzinstituten konzipiert und gesponsert wurden. Das gemeinsame Thema lautete «Transforming Uncertainty into Opportunity», also «Unsicherheit in Chancen verwandeln».
- KI, die die Antwort kennt – oder weiss, wer sie kennt (Julius Bär)
- Entwicklung eines Radars für externe operative Risikoereignisse (Zürcher Kantonalbank ZKB)
- Bereinigung und Anreicherung von Marktdaten für Finanzsimulationen (Vontobel)
- Entwicklung eines OR-Agenten (Operations Research) – von der geschäftlichen Fragestellung bis zur optimalen Entscheidung (UBS)
Von der Theorie in die Praxis
Die RiskON-Teilnehmenden wurden von zwei Coaches und 14 Bankenvertreter:innen betreut, die während des Hackathons anwesend waren. In intensiven Diskussionen erarbeiteten die Studierenden ihre Lösungsvorschläge. Kurz vor Ablauf der 24 Stunden präsentierten sie ihre Ideen in einer Pitch-Session. Eine Jury mit Führungskräften aus dem Schweizer Finanzsektor bewertete die Projekte.
Pro Challenge wurde ein Siegerteam gekürt. Die Gewinnerteams erhalten neben einem Award ein Preisgeld und die Möglichkeit, ihre Ideen in einem akademischen White Paper als Co-Autor:innen zu publizieren. Eine Partnerschaft mit dem Innosuisse AI Innovationbooster trägt dazu bei, dass die Studierenden ihre Lösungen bei den Bankpartnern weiterentwickeln und deren Potenzial für die praktische Anwendung ausloten können.
Hackathon-Teilnehmerin Nina Savas im Interview
Was hat Sie motiviert, am RiskON Hackathon teilzunehmen?
Nina Savas: Ich war schon seit Längerem daran interessiert, an einem Hackathon teilzunehmen. Das Format von RiskON hat mich sofort angesprochen. Ich wollte mich selbst herausfordern: Meine Fähigkeiten auf ein reales Problem in der Finanzbranche anwenden, von Fachleuten lernen und meine Komfortzone verlassen. Ausserdem sah ich darin eine tolle Gelegenheit, meine Fähigkeiten auszubauen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Sie hatten nur 24 Stunden Zeit, um an einer realen Challenge zu arbeiten. Was war am spannendsten? Was war die grösste Herausforderung?
Nina Savas: Am spannendsten war es definitiv, vor Ort anzukommen und keine Ahnung zu haben, was die nächsten 24 Stunden bringen würden. So viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen kennenzulernen, hat mich wirklich bereichert. Am anspruchsvollsten war der Start, da wir wussten, dass die Zeit begrenzt ist, und gleichzeitig einen Ansatz finden mussten, hinter dem alle im Team stehen konnten. Und natürlich waren die letzten 30 Minuten am stressigsten, als wir versuchten, jede verbleibende Minute optimal zu nutzen und alles rechtzeitig fertig zu bekommen.
Welchen Lösungsvorschlag hat Ihr Team entwickelt?
Nina Savas: Wir haben zu Challenge 4 gearbeitet (Entwicklung eines OR-Agenten (Operations Research) – von der geschäftlichen Fragestellung bis zur optimalen Entscheidung). Wir haben einen KI-Agenten entwickelt, der eine konkrete Fragestellung in ein Operations-Research-Problem übersetzt und die Nutzenden zu einer optimalen Entscheidung führt. Ein wesentlicher Bestandteil unseres Ansatzes war, dass der Agent Folgefragen stellen kann, wenn Informationen fehlen oder unklar sind, anstatt Annahmen zu treffen. Darüber hinaus wollten wir die Argumentation transparent und nachvollziehbar gestalten, damit die Nutzenden nicht nur die endgültige Empfehlung verstehen, sondern auch, wie sie entstanden ist.
Was haben Sie aus der Zusammenarbeit mit Studierenden anderer universitärer Hochschulen und Fachleuten aus der Finanzbranche gelernt?
Nina Savas: Die zentralste Erkenntnis für mich war, wie wichtig klare Kommunikation ist. Die intensive Zusammenarbeit mit Menschen, die man gerade erst kennengelernt hat, kann eine Herausforderung sein – daher ist es entscheidend, sicherzustellen, dass alle auf dem gleichen Stand sind. Ich habe auch gelernt, wie wertvoll es ist, aktiv Fragen zu stellen und das Fachwissen von Expertinnen und Experten zu nutzen. Deren Hinweise können dazu beitragen, dass man viel schneller vorankommt.
Würden Sie anderen Studierenden die Teilnahme am RiskON Hackathon empfehlen?
Nina Savas: Ja, auf jeden Fall. Ich konnte in sehr kurzer Zeit viel lernen, und es ist eine Gelegenheit, Kontakte zu anderen Studierenden und Fachleuten aus der Branche zu knüpfen. Wenn man Spass am Wettbewerb hat und erleben möchte, was man unter echtem Zeitdruck auf die Beine stellen kann, dann würde ich die Teilnahme auf jeden Fall empfehlen.
Was bedeutet «Transforming Uncertainty into Opportunity» für Sie persönlich?
Nina Savas: Für mich bedeutet es, Unsicherheit nicht nur als Problem zu sehen, sondern auch als Chance, zu lernen, sich anzupassen und neue Lösungen zu finden. Der Hackathon war ein gutes Beispiel dafür: Wir begannen mit einem uns unbekannten Problem und sehr begrenzter Zeit. Indem wir die Unsicherheit annahmen und zusammenarbeiteten, konnten wir daraus etwas Konkretes machen.
Die Köpfe hinter dem Hackathon
Erklären, was RiskON bewirkt: Daniel Fasnacht, Maria Olivares, Walter Farkas (von links).
«Die Studierenden können ihr Wissen auf reale Probleme des Finanzsektors anwenden und erleben, wie quantitative Methoden, Datenanalyse und neue Technologien in konkreten Entscheidungssituationen zum Einsatz kommen», sagt Walter Farkas über die Lerneffekte.
Den Wert des Hackathons für Akademie und Praxis beschreibt Daniel Fasnacht so: «Die Banken sehen, wie junge Menschen aktuelles Wissen in die Praxis transferieren können. Gleichzeitig lernen die Studierenden, wie Ideen bei Unternehmen positioniert werden müssen.»
Ausserdem schaffe der Hackathon durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den direkten Austausch mit der Praxis zentrale Voraussetzungen für Innovation, sagt Maria Olivares. «Innovation entsteht nicht isoliert, sondern dort, wo unterschiedliche Perspektiven und Expertise auf reale Herausforderungen treffen», so Olivares. «RiskON schafft genau diesen Raum: Studierende, Wissenschaft und Unternehmen kommen zusammen, um gemeinsam neue Lösungsansätze zu entwickeln. Die Fähigkeit, über Disziplingrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und Wissen in neuen Kontexten anzuwenden, wird in der künftigen Arbeitswelt immer wichtiger.»
