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UZH-Mitarbeitende im Porträt

Im Dialog mit der Gesellschaft

Ausstellungen, die berühren und Experimente, die zu neuen Lösungen führen: Zwei UZH-Mitarbeitende geben Einblick, wie sie Wissen erlebbar machen und neue Verbindungen schaffen.
Protokolle: Carole Scheidegger

Frank Weinmann: «Ausstellungen berühren und wirken nach»

Erlebnisse schaffen: Frank Weinmann, Leiter Fachstelle Ausstellungen, in der Ausstellung «Benin verpflichtet. Wie mit geraubten Königsschätzen umgehen?». (Bilder: Sophie Stieger)

Wie lässt sich Forschung so erzählen, dass sie Menschen berührt? Wie kann Wissen nicht nur verstanden, sondern erlebt werden? Welche Rolle spielt Ästhetik dabei, dass Erkenntnisse in Erinnerung bleiben? Wie wird aus Wissen ein Erlebnis im Raum? Das sind die Fragen, die mich beschäftigen.

Ich leite ein kleines, effizientes Team der Fachstelle Ausstellungen innerhalb der Abteilung Campuskultur. Wir entwickeln Ausstellungen, die der Öffentlichkeit Forschungsergebnisse der UZH zeigen. Daneben sind wir auch bei Anlässen wie dem Dies academicus involviert. Unsere Stärken sind der gesamtheitliche Blick, die grosse Erfahrung und die Umsetzung aus einem Guss.

Die Inhalte für die Ausstellungen erhalte ich von UZH-Forschenden. Diese Inhalte umfassen wichtige und vielfach auch ganz neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die dem breiten Publikum vermittelt werden sollen. Bei der gestalterischen Umsetzung bin ich von der ersten Idee bis zur Eröffnung mit dabei, ich übernehme die konzeptionelle und die organisatorische Planung.

Manchmal sehe ich, wie Besuchende plötzlich innehalten, sich austauschen oder sichtbar berührt sind. Ausstellungen können nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Verbindungen schaffen.

Frank Weinmann
Leiter Fachstelle Ausstellungen

Sobald das konzeptionelle Fundament steht, präzisieren sich die szenografischen Fragestellungen: Wo werden Informationsträger wie Infotafeln positioniert? An welcher Stelle entfalten Medien wie Projektionen oder gezielte Lichtakzente ihre Wirkung? Welche Farb-, Material- und Oberflächenwelten definieren die Atmosphäre des Raums? Dank der technischen Infrastruktur unserer Werkstatt sind wir in der Lage, Ausstellungen effizient und zugleich individuell umzusetzen. Ein Grossteil der Elemente entsteht direkt bei uns im Haus – von massgefertigten Vitrinen bis hin zu deren farblicher Ausarbeitung im Einklang mit dem gestalterischen Gesamtkonzept.

Details sind entscheidend: Für die Ausstellung der Benin-Bronzen wählten wir eine Farbe, deren Ausdünstungen die Objekte nicht schädigen. Bei Textilien schauen wir darauf, dass Scheinwerfer die Stoffe nicht ausbleichen.

Mir ist wichtig, dass die Besucherinnen und Besucher bei Ausstellungen ein Erlebnis haben, das verschiedene Sinne anspricht. Manchmal sehe ich, wie Besuchende plötzlich innehalten, sich austauschen oder sichtbar berührt sind. Ausstellungen können nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Verbindungen schaffen – zwischen Menschen und Themen, aber auch zwischen der Universität und der Öffentlichkeit.

 

Jeannette Behringer: «Es ist ein Abenteuer»

Gesellschaftliche Veränderungen unterstützen: Jeannette Behringer, Verantwortliche Nachhaltige Entwicklung in Forschung und Lehre, in der Mensa Rämi 59. (Bilder: Sophie Stieger)

«Ich bin ein Hybrid-Mensch. Vielleicht beschreibt das meine Arbeit an der Universität Zürich am besten: Ich bewege mich zwischen Forschung und Organisation, zwischen Strategiepapier und Seminarraum. Manchmal falle ich dabei ein wenig aus dem Rahmen. Aber genau darin liegt für mich der Reiz.

Ich bin im Sustainability Hub für Nachhaltige Entwicklung in Forschung und Lehre zuständig. Daneben bin ich selbst in der Nachhaltigkeitsforschung im Bereich Suffizienz tätig, drittmittelfinanziert. Nachhaltige Entwicklung ist kein Schlagwort, sondern ein anspruchsvolles ethisches und gesellschaftliches Leitbild. Es geht letztlich um die Bewahrung der Umweltressourcen und einen gerechten Zugang für alle, und um dafür notwendige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Für die Hochschulen stellen sich auf vielen Ebenen Herausforderungen. Im Bereich Forschung und Lehre sind hier neue Konzepte entstanden, die letztlich neue Inhalte, Formen und Kompetenzen für die Wissenschaft generieren. Es geht auch um die Frage, wie Hochschulen Wissen nicht nur erzeugen, sondern auch wirksam in gesellschaftliche Veränderungen einbringen können. Zu diesen Grundsatzfragen der Nachhaltigkeitsforschung und -lehre arbeite ich, berate Forschende und Dozierende und führe Workshops durch, um all dies in die Organisation Hochschule einzubringen.

Es geht letztlich um die Bewahrung der Umweltressourcen und einen gerechten Zugang für alle, und um dafür notwendige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Jeannette Behringer
Verantwortliche Nachhaltige Entwicklung in Forschung und Lehre

Wichtig sind dabei inter- und transdisziplinäre Formate, in denen Wissen nicht nur vermittelt, sondern für gesellschaftliche Fragestellungen gemeinsam erarbeitet wird. Gesellschaftliche Lösungen können nur in der Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen entwickelt werden, transdisziplinäre Lösungen entstehen zusätzlich mit verschiedenen Wissensformen gesellschaftlicher Akteur:innen.

In der Studienwoche «Nachhaltige Entwicklung und Transformation», die wir im Sustainability Hub entwickelt haben und zusammen mit der School for Transdisciplinary Studies durchführen, kommen Studierende aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen und arbeiten mit Praxispartnern an gesellschaftlichen Herausforderungen der Nachhaltigen Entwicklung.

Auch die Ringvorlesung «Sustainability Now» in Zusammenarbeit mit dem Right Livelihood Center liegt mir am Herzen. Dort holen wir Stimmen an die Universität, die andere Erfahrungen, anderes Wissen und andere Weltzugänge mitbringen.

Ein gemeinsamer, offener Suchprozess

Besonders spannend ist auch unser Projekt RealTransform an vier Hochschulen, die wir als Experimentierraum nutzen. Dafür holen wir verschiedene Perspektiven an einen Tisch: Studierende, Forschende, Verwaltungsmitarbeitende und Akteur:innen aus der Gesellschaft. An der UZH sind zwölf Personen in dieser Gruppe, die an einem konkreten Thema arbeitet: Nachhaltige Ernährung. Als wissenschaftliche Projektleitung mache ich aber keine Vorgaben, etwa im Stil von: «Ihr esst nun ein Jahr lang vegetarisch.» Überhaupt nicht – die Teilnehmenden sollen selbst definieren, was nachhaltige Ernährung für sie heisst und welche Massnahmen sie ergreifen wollen. Es ist ein gemeinsamer, offener Suchprozess, auch zur Rolle der Universität in der Gesellschaft.

In der Begleitforschung ist meine Rolle beobachtend und reflektierend – ich möchte verstehen, unter welchen Bedingungen solche Kooperationen funktionieren. Entstehen auf diese Weise neue Erkenntnisse, neue Ideen, neue Lösungen? Ich bin gespannt. Es ist ein kleines Abenteuer.»