Krebszellen gezielt ausbremsen
Am Day of Clinical Research am Universitätsspital Zürich wurde am 21. Mai 2026 der Georg-Friedrich-Götz-Preis an Raphael Morscher verliehen. Morscher ist Oberarzt und Forschungsgruppenleiter am Universitäts-Kinderspital Zürich. Er untersucht, welche Stoffwechselprozesse Krebszellen zum Wachsen brauchen und wie sich diese therapeutisch nutzen lassen.
Raphael Morscher: Stoffwechsel als Schwachstelle von Krebszellen
Krebs gehört zu den häufigen Todesursachen bei Kindern in der Schweiz. Besonders schwierig zu behandeln sind Hochrisikoerkrankungen wie das Neuroblastom, bei dem Tumoren aus unreifen Nervenzellen entstehen. In der Schweiz sind jedes Jahr rund 15 bis 20 Kinder betroffen. Trotz intensiver Therapien können nicht alle Kinder langfristig geheilt werden.
Raphael Morscher und sein Team untersuchen, welche Stoffwechselprozesse Krebszellen zum Wachsen brauchen. In ihrer Studie analysierten die Forschenden am Universitäts-Kinderspital Zürich den Stoffwechsel von Hochrisiko-Neuroblastomen mit hochauflösender Massenspektrometrie. Dabei zeigte sich, dass die Tumorzellen besonders stark vom Polyaminstoffwechsel abhängig sind. Polyamine sind Moleküle, die für das Wachstum unreifer Krebszellen wichtig sind.
Diese Abhängigkeit lässt sich therapeutisch nutzen: Der Wirkstoff Difluoromethylornithin, kurz DFMO, hemmt die Bildung von Polyaminen. Morscher und sein Team konnten zeigen, dass sich die Wirkung des Medikaments deutlich verstärkt, wenn gleichzeitig bestimmte Aminosäuren reduziert werden, welche die Krebszellen für die Polyaminproduktion benötigen. Möglich war dies über eine präzise Diät oder über extern zugeführte Enzyme, die diese Bausteine direkt aus der Blutbahn entfernen. Die Krebszellen geraten dadurch unter metabolischen Stress.
In den Untersuchungen wurde nicht nur ihr Wachstum gebremst. Die aggressiven Neuroblastomzellen stoppten auch ihr bösartiges Programm und gingen in einen Zustand der zellulären Differenzierung über. Sie entwickelten sich also stärker in Richtung reifer Nervenzellen.
Aufbauend auf diesen Ergebnissen arbeitet Morschers Team am Universitäts-Kinderspital Zürich gemeinsam mit internationalen Partnern an einer klinischen Studie zur Behandlung von Kindern mit Krebs. Auch im Nationalen Forschungsschwerpunkt «Children & Cancer» wird Raphael Morscher seine Forschung zum Stoffwechsel von Krebszellen weiter vertiefen.
Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlicht und wurde zusätzlich auf dem Cover und einem Kommentar hervorgehoben.