«Vertrauenswürdigkeit steht an erster Stelle»
Neuerungen zur finanziellen Integrität an der UZH in Kürze
- Die UZH hat im März 2026 eine Abteilung FI Integrity innerhalb der Direktion Finanzen ins Leben gerufen. FI Integrity unterstützt Einheiten der UZH dabei, finanzielle Vorgaben im Alltag sachgerecht, einheitlich und nachvollziehbar anzuwenden.
- Ein Verhaltenskodex zur Korruptionsprävention fasst die Regeln für integres Handeln im universitären Kontext zusammen und hilft dabei, heikle Situationen zu erkennen.
Herr Hug, wie finden Sie den Spruch «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser»?
Daniel Hug: Ich würde es anders sagen: Für mich steht die Vertrauenswürdigkeit der Universität Zürich an erster Stelle. Die UZH erfüllt ihre Aufgaben mit grosser Eigenverantwortung. Das setzt voraus, dass die öffentliche Hand und andere Geldgeber sich darauf verlassen können, dass wir die bereitgestellten Mittel wirkungsvoll, sorgfältig und integer einsetzen. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, selbstkritisch auf unsere Finanzprozesse zu schauen. Wir tun das nicht etwa deshalb, weil der Universität misstraut würde, sondern weil wir das bestehende Vertrauen und Wohlwollen pflegen und stärken wollen.
Was leiten Sie daraus als Direktor Finanzen für die Weiterentwicklung des Finanzmanagements ab?
Hug: Unsere Aufgabe ist es, die Mitarbeitenden der UZH so zu unterstützen, dass sie finanzielle Verantwortung effizient, transparent und regelkonform wahrnehmen können. Entsprechend entwickeln wir das Finanzmanagement der UZH schrittweise weiter – auf unterschiedlichen Ebenen. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise das Risikomanagement modernisiert und damit bessere Grundlagen für Führungsentscheide geschaffen. Im Projekt «Finanzielle Führung» wurden Rollen und Verantwortlichkeiten in den Finanzprozessen geschärft. Gleichzeitig haben wir auf operativer Ebene Abläufe vereinfacht, etwa bei den Spesenabrechnungen.
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Es geht darum, Risiken wie Interessenkonflikte, korruptes Verhalten oder unrechtmässige Mittelverwendung frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Die jüngsten Massnahmen betreffen die finanzielle Integrität. Dabei geht es darum, Risiken wie Interessenkonflikte, korruptes Verhalten oder unrechtmässige Mittelverwendung frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Positiv formuliert: Es geht um den sorgfältigen und korrekten Umgang mit finanziellen Mitteln.
Wer ist dabei angesprochen?
Hug: Die Integrität der UZH zu wahren, ist in erster Linie eine Führungsaufgabe. Führungspersonen sind dafür verantwortlich, dass finanzielle Vorgaben eingehalten, Zuständigkeiten klar geregelt und Prozesse verlässlich organisiert sind.
Gleichzeitig tragen alle Mitarbeitenden ein Stück Verantwortung für die finanzielle Integrität der UZH. Der sorgfältige Umgang mit öffentlichen Mitteln und die Bereitschaft, bei Unsicherheiten nachzufragen oder Probleme anzusprechen, gehören zum professionellen Selbstverständnis der UZH.
Fangen wir mit der individuellen Seite an: Was müssen alle Mitarbeitenden der UZH zur finanziellen Integrität wissen?
Hug: Oft sagt einem bereits der gesunde Menschenverstand, wo Grenzen überschritten werden. Dass Spesenabrechnungen nicht manipuliert oder Ressourcen nicht zweckentfremdet werden dürfen, versteht sich eigentlich von selbst.
Oft sagt einem bereits der gesunde Menschenverstand, wo Grenzen überschritten werden.
Schwieriger sind Situationen, in denen die Grenzen nicht ganz offensichtlich sind. Der neue Verhaltenskodex zur Korruptionsprävention sensibilisiert dafür. Er hilft Mitarbeitenden dabei, mögliche Interessenkonflikte oder problematische Situationen frühzeitig zu erkennen und fasst die wichtigsten Regeln zusammen. Ergänzend dazu planen wir im Herbst 2026 eine praxisorientierte Sensibilisierungs- und Schulungskampagne, in der wir konkret zeigen wollen, welche Verhaltensweisen zulässig sind, wo Risiken entstehen und wann Grenzen überschritten werden.
Was sind – gemäss Verhaltenskodex – Beispiele für besonders sensible Felder?
Hug: Geschenke und Einladungen können die Unabhängigkeit von Entscheidungen beeinträchtigen. Ein wichtiges Thema sind auch Nebenbeschäftigungen. Tätigkeiten ausserhalb der UZH sind zwar oft sinnvoll und erwünscht, gleichzeitig muss aber transparent bleiben, wo mögliche Interessenkonflikte entstehen könnten. Deshalb müssen Nebenbeschäftigungen den Vorgesetzten gemeldet und in bestimmten Fällen bewilligt werden.
Was sollen UZH-Mitarbeitende tun, wenn sie unsicher sind oder Unregelmässigkeiten beobachten?
Hug: Mitarbeitende sollen Auffälligkeiten frühzeitig ansprechen. In der Regel ist die vorgesetzte Person eine wichtige erste Anlaufstelle. Darüber hinaus steht UZH-Mitarbeitenden mit der kantonalen Ombudsstelle eine unabhängige Meldestelle zur Verfügung. Über die Plattform «Integrity Line» können Hinweise auf mögliche Missstände oder Compliance-Verstösse – wenn gewünscht auch anonym – eingereicht werden.
Mitarbeitende sollen Auffälligkeiten frühzeitig ansprechen.
Neu können sich Mitarbeitende bei finanzbezogenen Fragestellungen oder Compliance-Themen auch direkt an die neue Abteilung FI Integrity wenden, um Risiken zu erkennen und Sachverhalte rasch einzuordnen.
Was sind die zentralen Aufgaben der neuen Abteilung FI Integrity?
Hug: Die Abteilung FI Integrity unterstützt die Einheiten der UZH dabei, finanzielle Vorgaben im Alltag sachgerecht, einheitlich und nachvollziehbar anzuwenden. Sie schafft Transparenz in komplexen Situationen und interveniert, wo Zuständigkeiten unklar sind, Kontrollen nicht ausreichend greifen oder sich informelle Praktiken etabliert haben.
Die neue Abteilung FI Integrity
Die Abteilung FI Integrity besteht seit März 2026 und bündelt zwei komplementäre Fachstellen: Financial Compliance und das Interne Kontrollsystem (IKS). Während Financial Compliance die universitären Einheiten bei der einheitlichen und regelkonformen Anwendung finanzieller Vorgaben begleitet, verantwortet die Fachstelle IKS die methodische Weiterentwicklung und Koordination des internen Kontrollsystems der UZH mit Fokus auf finanzrelevante Prozesse. Ziel ist es, Regelungen und Abläufe etwa bei der Verwendung finanzieller Mittel oder der Genehmigung von Ausgaben klar und nachvollziehbar zu gestalten, damit sie in der alltäglichen Praxis funktionieren und Orientierung geben.
Leiterin der Abteilung FI Integrity ist Ruta Bilkeviciute. Die promovierte Betriebswirtschafterin war zuvor in verschiedenen Funktionen innerhalb der Direktion Finanzen tätig, unter anderem als FI Liaison für dienstleistungsorientierte Einheiten sowie als Leiterin Financial Compliance. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Analyse und Strukturierung komplexer organisatorischer Prozesse an den Schnittstellen zwischen Fachbereichen, Verwaltung und zentralen Diensten.
«Mir ist wichtig zu verstehen, wie Prozesse im Alltag tatsächlich funktionieren – nicht nur auf dem Papier. Nur so lassen sich Lösungen entwickeln, die praktikabel sind und von den Einheiten mitgetragen werden», sagt Ruta Bilkeviciute.
Besonders gross ist der Klärungsbedarf dort, wo unterschiedliche Organisationen, Finanzierungsformen und Verantwortlichkeiten sich überlagern. Ein besonderes Augenmerk gilt deshalb den Schnittstellen zu den Vertragsspitälern, aber auch Drittmittelprojekten oder Kooperationen mit externen Partnern.
Was ist die Herausforderung dabei?
Hug: Die UZH ist eine äusserst vielfältige Organisation. Viele Einheiten arbeiten hoch spezialisiert und brauchen Freiräume, um flexibel agieren zu können, deshalb wurden zahlreiche Abläufe und Zuständigkeiten dezentral entwickelt. Die Herausforderung ist, in diesem Umfeld gemeinsame Standards und nachvollziehbare Prozesse sicherzustellen, ohne die notwendige Eigenständigkeit und Agilität der Einheiten einzuschränken.
Was steht auf dem Spiel, wenn finanzielle Vorgaben unklar sind?
Hug: Dann steigt das Risiko, dass Regeln verletzt werden. Das kann finanziellen Schaden verursachen und auch das Vertrauen der Gesellschaft in die UZH belasten – zum Nachteil aller, die hier arbeiten und studieren.
Bedeutet der Aufbau der Abteilung FI Integrity einen Ausbau der Verwaltung?
Hug: Nur temporär. In erster Linie bündeln wir schon vorhandene personelle Ressourcen innerhalb der Direktion Finanzen und nutzen pragmatisch bestehende Prozesse im Internen Kontrollsystem (IKS), das wir bei dieser Gelegenheit ausbauen und modernisieren. Das Ziel unserer Unterstützungsleistungen ist, die Standards, Verantwortlichkeiten und Abläufe an der UZH in den kommenden Jahren so zu vereinfachen, dass ein grosser Teil der Unterstützung gar nicht mehr nötig ist und die Ressourcen dafür wieder reduziert werden können.
Was vor einigen Jahren vielleicht noch als Graubereich galt, wird heute zu Recht nicht mehr toleriert.
Was ist Ihnen persönlich beim Thema Integrität besonders wichtig?
Hug: Mir ist erstens wichtig, dass wir als Universität höchsten Ansprüchen genügen. Die Rahmenbedingungen verändern sich derzeit sehr schnell – für die UZH genauso wie für viele andere Organisationen. Finanzflüsse, regulatorische Vorgaben und Kooperationen werden komplexer, zugleich ermöglichen digitale Systeme heute deutlich mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit als früher. Die Erwartungen an Transparenz und Compliance sind deutlich gestiegen. Was vor einigen Jahren vielleicht noch als Graubereich galt, wird heute zu Recht nicht mehr toleriert. Die UZH geht bei der Sicherstellung finanzieller Integrität der allgemeinen Entwicklung mit modernen und effizienten Mitteln voran.
Zweitens ist mir wichtig, dass finanzielle Integrität nicht als zusätzliche Hürde verstanden wird, sondern als Teil guter universitärer Führung und Zusammenarbeit. Die UZH soll den hohen Grad an Eigenverantwortung ihrer Einheiten bewahren können – gerade deshalb müssen finanzielle Prozesse verlässlich funktionieren. Klare Regeln und nachvollziehbare Abläufe geben Sicherheit: Mitarbeitende und Führungspersonen sollen wissen, welche Regeln gelten, wo Handlungsspielräume bestehen und an wen sie sich in Zweifelsfällen wenden können.