Header

Suche
Innovation

Wie Studierende unternehmerisch denken lernen

In diesem Herbstsemester startet an der UZH das neue Studienprogramm «Innovation & Entrepreneurship». Das fakultätsübergreifende Masterprogramm richtet sich an Studierende, die eigene Ideen in die Praxis umsetzen wollen.
Autor: David Werner

Kategorien

Die drei UZH-Studentinnen Nina Kaelble, Suruchi Thakur und Simona Coppola wollen lernen, wie aus Fachwissen Wirkung entsteht. Deshalb haben sie den neuen Minor «Innovation & Entrepreneurship» gewählt. (Bild: Jasmin Frei)

Simona Coppola studiert im Hauptfach Rechtswissenschaft und hat nebenher schon erste Erfahrungen mit der beruflichen Selbständigkeit gesammelt, die sie nun methodisch vertiefen möchte. Suruchi Thakur studiert Informatik und arbeitet bereits an der Gründung eines eigenen Start-ups. Nina studiert im Hauptfach Strategische Kommunikation und Management. Von einem praxisnahen, projektorientierten Nebenfach verspricht sie sich verbesserte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die drei Studentinnen kommen aus verschiedenen Fakultäten und bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. Was sie verbindet, ist der Wunsch zu lernen, wie aus Fachwissen Wirkung entsteht. Deshalb haben sie den neuen Minor «Innovation & Entrepreneurship» gewählt.
 

Blick über den Tellerrand

Mit dem dreisemestrigen Minor schafft die UZH erstmals ein universitätsweites Masterprogramm, das unternehmerische Kompetenzen systematisch vermittelt. Das über die School for Transdisciplinary Studies angebotene und vom UZH Innovation Hub entwickelte Programm umfasst 30 ECTS und kann begleitend zu einem Hauptfach studiert werden. Angesprochen sind Studierende, die offen, initiativ und experimentierfreudig sind und in fachlich gemischten Teams an konkreten Problemstellungen arbeiten möchten. Unternehmerische Erfahrungen sind keine Voraussetzung. Interdisziplinarität ist ein zentraler Teil des Lehrkonzepts.

Suruchi Thakur verspricht sich viel vom Blick über den Tellerrand: Die technische Entwicklung der App, die sie vermarkten will, ist schon fortgeschritten. «Aber eine gute technische Lösung allein reicht nicht aus. Um das Produkt zur Marktreife zu bringen, muss ich verstehen, wie künftige Nutzer:innen denken.» 

Ich habe diesen Minor gewählt, um verschiedene Perspektiven kennenzulernen und aus verschiedenen Bereichen Inputs zu erhalten.

Simona Coppola
Studentin

Simona Coppola erhofft sich Inspiration und neue Ideen von der fachübergreifenden Zusammenarbeit: «Ich habe diesen Minor gewählt, um verschiedene Perspektiven kennenzulernen und aus verschiedenen Bereichen Inputs zu erhalten.» Nina Kaelble erwartet, auch persönlich zu reifen. «Ich freue mich darauf, gemeinsam mit anderen Neues auszuprobieren, Fehler machen zu dürfen und daran zu wachsen», sagt sie.

Starke Nachfrage

Der neue Minor stösst auf grosses Interesse: Über 50 Studierende haben sich beworben, sie belegen 17 verschiedene Hauptfächer. Das Spektrum reicht von Computerlinguistik bis Geografie, von BWL bis Kunstgeschichte. Bewerbungen gingen auch von Studierenden anderer Hochschulen ein. Um einen intensiven Austausch und eine enge Betreuung zu gewährleisten, wird die Teilnehmendenzahl auf rund 30 hochmotivierte Studierende beschränkt. Eine Ausweitung in den kommenden Jahren ist aber denkbar.

Vom Bootcamp zum Minor

Der universitätsweite, interdisziplinäre Ansatz bei der Innovationsförderung auf Studierendenstufe hat sich an der UZH in kleiner Form bereits bewährt. Seit 2019 bietet die Abteilung Innovation der UZH Entrepreneurship Bootcamps an, mehr als 150 Studierende haben bisher an diesen Kursen teilgenommen.

Die Bootcamps zeigten, welches Potenzial entsteht, wenn Studierende unterschiedlicher Fächer gemeinsam Ideen entwickeln. Zugleich wurde deutlich, dass ein einzelner Kurs für einen nachhaltigen Kompetenzaufbau nicht ausreicht. Deshalb entwickelte der UZH Innovation Hub mit der School for Transdisciplinary Studies und unterstützt durch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und die UZH Foundation den dreisemestrigen Minor.

  • Gespannte Erwartung: Eindrücke von der Eröffnungsveranstaltung zum neuen Minor «Innovation & Entrepreneurship». (Bilder: Jasmin Frei)
    Gespannte Erwartung: Eindrücke von der Eröffnungsveranstaltung zum neuen Minor «Innovation & Entrepreneurship». (Bilder: Jasmin Frei)

Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung der UZH, initiierte das Programm aufgrund früherer Gespräche mit der Zürcher Wirtschaft. «Unternehmerische Kompetenzen und innovatives Denken sind essenziell für eine Gesellschaft, die sich in grossem Tempo verändert», sagt sie. «Es ist deshalb ein strategisches Anliegen der UZH, die Förderung dieser Kompetenzen frühzeitig in der akademischen Ausbildung zu verankern. Als Volluniversität haben wir die besondere Chance, Innovation und Entrepreneurship über Disziplingrenzen hinweg zu vermitteln und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen.» 

Entscheiden, erproben, weiterentwickeln

Im Minor lernen die Studierenden, Probleme, für die es noch keine eindeutige Antwort gibt, in grösseren Zusammenhängen zu verstehen. Unter Laborbedingungen arbeiten sie in fachlich gemischten Teams an der Realisierung eigener Ideen, analysieren deren Nutzen, die Machbarkeit und mögliche Folgen. Dabei trainieren sie, wie man in unübersichtlichen Situationen Entscheidungen trifft, Ressourcen bereitstellt, mögliche Partner findet und aus Fehlversuchen Erkenntnisse gewinnt. 

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit anderen Neues auszuprobieren, Fehler machen zu dürfen und daran zu wachsen.

Nina Kaelble
Studentin

Die Fähigkeiten, die sie dabei erwerben, sind nicht nur für Unternehmensgründungen wichtig. Sie werden überall benötigt, wo Menschen neue Aufgaben bewältigen, unterschiedliche Interessen zusammenführen und unter unsicheren Bedingungen handeln müssen. Der Minor richtet sich also nicht nur an zukünftige Gründer:innen, sondern bereitet auch auf Tätigkeiten in etablierten Unternehmen, in der Forschung, in öffentlichen Einrichtungen oder in NGOs vor.

Die Praxis als Gegenüber

Ob eine Idee trägt, zeigt sich erst dann, wenn sie auf reale Bedingungen trifft. Deshalb spielen Praxispartner im Minor eine wichtige Rolle. Zu den Partnern zählen unter anderem die Wirtschaftskanzlei Wenger Vieli, Swiss Re, Google und die Zürcher Kantonalbank. Die Studierenden erfahren, wie Unternehmen mögliche Zukunftsentwicklungen antizipieren und daraus Innovationen ableiten, sie erhalten Einblicke in Rechtsverhandlungen oder diskutieren Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups. Zusammen mit einer Künstlerin und einem Science-Fiction-Autor entwerfen sie mögliche Zukunftsszenarien und hinterfragen vertraute Annahmen. Eine den Minor begleitende Veranstaltungsreihe «Connect» öffnet den Studierenden zudem den Zugang zum Zürcher Innovations- und Start-up-Ökosystem.

Gerade von diesen Kontakten verspricht sich Nina Kaelble viel: «Eines meiner zentralen Studienziele ist zu lernen, wie man Netzwerke aufbaut und nutzt», sagt sie. 

Der Minor bringt mich mit den richtigen Leuten zusammen.

Suruchi Thakur
Studentin

Suruchi Thakur, die schon ganz konkrete Pläne mit ihrem Startup hat, ist überzeugt: «Der Minor bringt mich in der jetzigen Phase meines Wegs mit den richtigen Leuten zusammen.» Sie will in den kommenden drei Semestern herausfinden, ob für ihre Produktidee ein Markt besteht – und Investoren dafür finden. Simona Coppola, die noch keine konkreten unternehmerischen Pläne hat, formuliert ihr Ziel offener: «Ich möchte vor allem genügend Selbstvertrauen aufbauen und die nötigen Kompetenzen erwerben, um gute Entscheidungen treffen und im richtigen Moment ‚Ja‘ sagen zu können.»

Welche Wege die drei Studentinnen einschlagen werden, wird die Zukunft zeigen. Ihre Reise hat gerade erst begonnen.

Weiterführende Informationen