Im Rampenlicht

Mit den Delfinen im Meer tauchen

Ihren wichtigsten Arbeitsplatz hat die Biologin Angela Ziltener in El Gouna am Roten Meer. Dort erforscht die UZH Mitarbeiterin Delfine und setzt sich für den Lebensraum der faszinierenden Tiere ein.

Lukas Denzler1 Kommentar

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In Aktion: Delfinforscherin Angela Ziltener fotografiert die Meeressäuger zur Dokumentation ihrer Rückenfinne, einem individuellen Erkennungsmerkmal. (Bild: Frank Brüderli)

 

Angela Ziltener weilt nur kurz in Zürich. Am Wochenende reist sie nach Ägypten zurück, wo sie ihr Wissen über Delfine an einem Workshop für angehende Tauchlehrer weitergibt. Unser Gespräch findet am Seeufer statt. Wasser hat die Biologin schon als Kind magisch angezogen. Ihre andere Leidenschaft galt den Tieren. Die ersten Delphine in Freiheit sah Angela Ziltener mit neun Jahren in Florida. In dieser Zeit entstand auch ihr Wunsch, Tierforscherin zu werden.

Während ihres Studiums an der Universität Zürich verbrachte die angehende Biologin einige Monate in Vancouver an der kanadischen Pazifikküste. Dort beschäftigte sie sich mit Schwertwalen, den Orcas. Ziltener begann zu tauchen und reiste jedes Jahr ans Rote Meer – wegen des klaren Wassers ein Paradies zum Tauchen.  

Seit 2009 lebt Angela Ziltener am Roten Meer – in den ersten Jahren war sie im ägyptischen Tourismusort Hurghada, seit 2015 in El Gouna, im ersten von Samih Sawiris gebauten Ferienort. Als assoziierte wissenschaftliche Mitarbeiterin am Anthropologischen Institut und Museum ist sie weiterhin mit der Universität Zürich verbunden, wo sie bereits bei Carel van Schaik ihre Masterarbeit über Primaten verfasst hatte. Ihren wichtigsten Arbeitsplatz hat Angela Ziltener heute in El Gouna, wo die Technische Universität Berlin einen Campus unterhält. 

Dem Leben unter Wasser auf der Spur

«Das Rote Meer ist einer der wenigen Orte, an denen sich das Leben der Delfine tauchend erkunden lässt», schwärmt Angela Ziltener. In den vergangenen Jahren dokumentierte sie über 200 Individuen des Indopazifischen Grossen Tümmlers (Tursiops aduncus). Jeder Delfin lässt sich über seine spezifische Rückenfinne identifizieren. Ziltener gibt den Tieren auch Namen. Beobachtet man Delfine vom Boot aus, sind sie nur kurz zu sehen, wenn sie zum Atmen auftauchen. Von ihrem geheimnisvollen Leben unter Wasser ist vieles noch unbekannt.

Längst hat auch der Tourismus die Möglichkeit entdeckt, freilebenden Delfinen beim Tauchen zu begegnen. «Er hat in den  letzten Jahren ein Ausmass angenommen, das die Delfinpopulationen gefährdet», warnt Angela Ziltener. Touristenboote bringen Taucher und Schnorchler direkt zu den ruhenden Delfinen. Nach den nächtlichen Streifzügen zur Nahrungssuche im offenen Meer suchen die Tiere geschützte Lagunen an Korallenriffen in Küstennähe auf. Dort säugen Mütter auch ihre Kälber. 

Zusammen mit Vertretern der ägyptischen Regierung am Roten Meer setzt sich die Schweizerin für den Schutz der Delfine und einen respektvollen Tauchtourismus ein. Laut Ziltener ist noch viel Aufklärung  nötig. Und auch der Staat müsse seine Rolle wahrnehmen und Schutzzonen für die intelligenten Meeressäuger einrichten. Werde der Tauch- und Schnorcheltourismus nicht reguliert, zerstöre er seine eigene Grundlage. Um die Aktivitäten zu koordinieren,  hat Ziltener 2011 mit Freunden eine eigene Organisation gegründet, die Dolphin Watch Alliance. 

So konnte die Biologin bei inzwischen über 1000 Tauchgängen Delfine beobachten. Sie erkannte dabei, dass jedes Tier eine eigene Persönlichkeit hat. Ein eindrückliches Erlebnis hatte Angela Ziltener mit dem jungen Delfinweibchen Dandy. Vor einigen Jahren sind sich die beiden zum ersten Mal begegnet. Dandy ist mit zehn bis zwölf Jahren nun geschlechtsreif und hat ihr erstes Kalb geboren. Als Zilterner das Junge zum ersten Mal zu sehen bekam, kam es ihr vor, als sei die Delfinmutter so richtig stolz, ihr ihren Nachwuch präsentieren zu können.Der junge Delfin ist ein Männchen und hat den Namen Daniel bekommen. 

Als Beraterin mit der BBC unterwegs

Einem anderen, bisher nicht geklärten Verhalten der Delfine ist Angela Ziltener auf der Spur: Die Tiere reiben ihre Körper unter anderem an einer bestimmten Weichkoralle. «Die Gorgonien enthalten möglicherweise Stoffe, die antibakteriell wirken», sagt sie. Bisher haben die ägyptischen Behörden jedoch noch keine Bewilligung für die Entnahme von Korallenproben erteilt. Diese wären jedoch nötig, um die Existenz solcher Wirkstoffe nachweisen zu können. Als sie 2014 an einer wissenschaftlichen Konferenz in Belgien davon berichtete, wurden Mitarbeitende der BBC auf sie aufmerksam. Und so erhielt sie als Delfinexpertin die Gelegenheit, die britischen Filmer bei ihren Dreharbeiten für die neue Dokumentarserie «Blue Planet II» zu beraten. Angela Ziltener arbeitete auch schon mit dem ZDF-Tierfilmer Hannes Jaenicke und dem «Einstein»-Team des Schweizer Fernsehens zusammen. 

Das Engagement für den Schutz der Delfine und ihrer Lebensräume nimmt einen grossen Teil ihrer Zeit in Anspruch. Und so kommen gegenwärtig ihre Forschungs-aktivitäten zu kurz. Auch genetische Studien an den Delfinen im Roten Meer wären interessant. «Es wäre beispielsweise spannend, der Frage nachzugehen, ob die Tiere, die eng zusammenleben, auch miteinander verwandt sind», sagt Angela Ziltener. Dabei gäbe es auch Anknüpfungspunkte zu Forschungsarbeiten am Anthropologischen Institut, denn Michael Krützen untersucht unter anderem auch die Genetik der gleichen Delfinart in Westaustralien.

Dieser Text ist zuerst im aktuellen UZH Journal 2/2018 erschienen.

Lukas Denzler, freischaffender Journalist Zürich

1 Leserkommentar

Ruedi Berger schrieb am Mit den Delfinen im Meer tauchen Lukas Denzler ist es gelungen, die vielseitigen Tätigkeiten und Aufgaben der Forscherin interessant und anregend mit ihrem Lebenslauf zu verknüpfen, auf die glücklichen Augenblicke eines Forscherlebens, aber auch auf dessen Widerwärtigkeiten hinzuweisen, wenn etwa inkompetente Politiker der Wissenschaft Steine in den Weg legen. Erfreulich auch, wie er die wichtigsten Anliegen von Angela Ziltener anhand lebendiger Beispiele hervorhebt. Auch ich wünsche der Forscherin Angela Ziltener auf ihrem steinigen Weg den besten Erfolg! Ruedi Berger.

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