Neuropathologie

Prionen blockieren

Forschende am Institut für Neuropathologie haben einen Wirkstoff entdeckt und verbessert, der Prionen zu blockieren vermag. Weitere Forschung soll zeigen, ob er sich zur Behandlung der bis heute unheilbaren Prionenkrankheiten eignet.

Adrian Ritter2 Kommentare

Forscht mit seinem Team seit den 1980er-Jahren zu Prionen: Neuropathologe Adriano Aguzzi. (Bild: Stefan Stöcklin)

Die BSE-Krise der 1990er Jahre konnte mit rigorosen Massnahmen in den Schlachthöfen eingedämmt werden. Entsprechend ist bis heute die Zahl der von der varianten Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (vCJK) betroffenen Menschen gering geblieben. Trotzdem: Prionenkrankheiten lassen sich bis heute nicht behandeln und könnten wieder zum Problem werden. Zudem gelten infektiöse Prionen – fehlerhaft gefaltete Eiweisse – als mögliche Auslöser von weiteren neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose.  

Die Forschenden um Professor Adriano Aguzzi und Uli Herrmann am Institut für Neuropathologie des Universitätsspital Zürich forschen bereits seit den 1980er-Jahren zu Prionen. Sie wollen die Ausbreitungswege der Prionen in einem infizierten Körper bestimmen. In der Zeitschrift Science Translational Medicine berichten die Forschenden heute aber auch über eine möglichen Ansatz, infektiöse Prionen unschädlich zu machen. Sie testeten Polythiophene genannte Stoffe (luminiscent conjugated polythiophenes/LCPs) auf ihre Fähigkeit, infektiöse Prionen im Gehirn von Mäusen und Hamstern zu blockieren.

Die Polythiophene binden sich dabei an die Prionen. So können sich diese nicht mehr vermehren und die Hirnzellen angreifen. Die Forschenden testeten eine Vielzahl von Polythiophenen, um die wirksamste Variante zu bestimmen. Auf dieser Basis entwickelten sie eine optimierte Variante, die noch besser an die Prionen bindet. Der vielversprechendste Stoff verlängerte die Überlebenszeit von prioneninfizierten Mäusen und Hamstern um mehr als 80 Prozent. Die Forschenden um Uli Herrmann und Adriano Aguzzi wollen die Polythiophene im Hinblick auf einen möglichen Wirkstoff gegen Prionenkrankheiten jetzt weiter verbessern.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

2 Leserkommentare

Adriano Aguzzi schrieb am Diagnostik @Peter Joller: Ja, das tun sie. Das haben wir vor einer Weile herausgefunden. (http://www.nature.com/nmeth/journal/v4/n12/abs/nmeth1131.html)
Peter Joller schrieb am Polythiophene für die Diagnostik Ich frage mich, ob sich Polythiophene auch zum Nachweis von Prionen eignen würden. Zum Beispiel werden heute aus Angst vor Prionenübertragungen teure chirurgische Instrumente entsorgt. Könnte man auf den Oberflächen Prionen nachweisen, wäre es möglich, durch geeignete Reinigungsverfahren (z.B. hochfrequenter Ultraschall) diese Instrumente wieder in den Kreislauf zurückzuführen.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000