Astrophysik

«Aliens sehen ganz anders aus»

Der Astrophysiker Ben Moore veröffentlicht sein zweites populäres Buch. In «Da draussen. Leben auf unserem Planeten und anderswo», erklärt er, wie das Leben auf der Erde entstanden ist, wo es im Universum (intelligentes) Leben geben und wie dieses aussehen könnte. UZH News sprach mit Ben Moore über intelligente Aliens, Delfine und Science-Fiction-Romane. 

Thomas Gull

Rechnet mit intelligentem Leben im All: Astrophysiker und Autor Ben Moore im «Kafi Schnaps». (Bild: Thomas Gull)

Herr Moore, würden Sie gerne Aliens kennenlernen?
Ben Moore: Sehr gerne. Ich hätte viele Fragen an sie.

Weshalb möchten Sie sie treffen?
Wenn sie es geschafft haben, die Reise von einem anderen Stern zu uns zu machen, sind sie technologisch viel weiter als wir. Sie haben sicher coole Raumschiffe und Antworten auf die grossen Fragen, die wir uns stellen.

Welche Fragen würden Sie ihnen gerne stellen?
Wie hat unser Universum begonnen?

Sollten sie das wissen?
Sie könnten es wissen, wenn sie beispielsweise eine Million Jahre lang geforscht haben, verglichen mit unseren 1000 Jahren.

In Ihrem Buch schreiben Sie, es könnte eine unerfreuliche Erfahrung für die Menschheit sein, mit Aliens Bekanntschaft zu machen. Weshalb?
Sie könnten so grausam sein wie wir Menschen, ohne Respekt für andere Arten. Wir tragen zu unserem Planeten keine Sorge, massakrieren Tiere, einige von uns jagen zum Vergnügen. Vielleicht tuen Aliens das auch.

Was würde das für uns bedeuten?
Im schlimmsten Fall würden wir ausgerottet, wenn sie uns nicht mögen.

Würden Sie versuchen, mit ihnen zu kommunizieren?
Das wäre der erste Schritt, der jedoch schwierig sein könnte, weil wir eine gemeinsame Sprache finden müssten. Dazu hätten wir nur ein paar Wochen Zeit – von dem Moment, in dem wir feststellen, dass sie in unser Sonnensystem eingedrungen sind, bis sie bei uns ankommen.

In Ihrem Buch schlagen Sie vor, dass wir gar nicht versuchen sollten, sie zu verstehen, sondern gescheiter in unserer eigenen Sprache kommunizieren und hoffen, dass sie uns verstehen.
Ich hoffe, dass sie uns verstehen, weil sie intelligenter sein dürften als wir. Wenn wir kommunizieren, sollten wir es mit einfacher Mathematik tun, mit etwas, das universell ist und von allen intelligenten Lebewesen verstanden werden sollte.

Glauben Sie, dass es da draussen tatsächlich Wesen mit so etwas wie menschlicher Intelligenz gibt?
Es würde mich überraschen, wenn es nicht so wäre.

Weshalb?
Wir schätzen, dass es alleine in unserer Galaxie 40 Milliarden Planeten gibt, die bewohnbar sind. Diese Planeten sind vergleichbar mit unserer Erde. Es würde mich überraschen, wenn sich auf diesen Welten kein Leben entwickelt hätte und dieses nicht intelligent wäre.

Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit für intelligentes Leben in Universum?
Es ist keine Frage der Wahrscheinlichkeit, denn wir wissen nicht, wie das Leben angefangen und sich Schritt für Schritt entwickelt hat. Das Leben könnte sich auf diesen Welten in ganz anderen Formen entwickelt haben als auf der Erde. Es geht deshalb weniger um eine Wahrscheinlichkeit als darum, dass unser Stern, die Sonne, nichts Aussergewöhnliches ist, genauso wenig wie die Erde. Deshalb sollte auch das Leben auf der Erde nichts Besonderes sein, sondern nur ein Beispiel für das Leben, wie es auf anderen Planeten in unserer und anderen Galaxien existiert.

Werden wir je wissen, ob es da draussen Leben gibt?
Wir werden es sicher wissen. Heute haben wir die Technologie, um festzustellen, ob es auf anderen Planeten Leben gibt. Wir könnten beispielsweise messen, ob Sauerstoff, Ozon oder andere Moleküle vorhanden sind, die mit Leben im Zusammenhang stehen. Dazu bräuchten wir ein Teleskop im Weltraum, mit dem wir die Atmosphären dieser fernen Welten beobachten könnten. Es gibt Pläne, ein solches Teleskop zu bauen.

Werden wir es noch erleben, dass Aliens bei uns auftauchen?
In unserer Lebenszeit werden wir erfahren, ob es Leben auf anderen Planeten gibt. Ob wir Aliens treffen, hängt davon ab, ob sie sich die Mühe machen, zu uns zu reisen. Wir selbst sind im Moment nicht in der Lage, ein Raumschiff zu bauen, das zu den Sternen reisen könnte.

Weshalb sind wir dazu nicht in der Lage – ist es ein technologisches Problem? Das Problem ist, dass der Grossteil des Geldes dafür ausgegeben wird, Kriege zu führen. Wenn wir diese Mittel für die Wissenschaft einsetzen würden, könnte eine solche Mission gelingen.

Statt für Waffen sollten wir unser Geld für Raumschiffe ausgeben?
Das sollten wir tun, ja. Wir könnten unser Geld für einige viel sinnvollere Dinge als Waffen ausgeben, nicht nur für Raumschiffe. Doch das gelingt nur, wenn auf unserem Planeten Frieden und Harmonie herrschen.

Wie sehen Aliens aus?
Wahrscheinlich anders als die Aliens, die in Hollywoodfilmen gezeigt werden und die alle Menschen oder Affen gleichen. Das muss nicht so sein, intelligentes Leben könnte ganz anders aussehen als wir. Es gibt acht Millionen Arten auf unserem Planeten, die Gehirne haben. Sie alle könnten diese so weiterentwickeln, dass sie die nächsten Herrscher über die Erde werden.

Die Delfine werden es nicht sein?
Nein.

Weshalb?
Es gibt viele Planeten, die ganz von einem Ozean bedeckt sind. Ohne Land wird es nicht möglich sein, Feuer zu machen und ohne Feuer wird es für ein Lebewesen schwierig, weiter als die Steinzeit zu kommen. Ich kann mir keinen Weg vorstellen wie eine Art, die unter Wasser lebt, Metalle entwickeln könnte. Doch um Maschinen zu bauen, braucht es Metall. Das limitiert die Möglichkeiten der Delfine.

Weshalb haben Sie dieses Buch geschrieben?
Die Astrobiologie und der Ursprung des Lebens gehören im Moment zu den aufregendsten Forschungsgebieten. Ich wollte verständlich darstellen, welche Theorien es zum Ursprung des Lebens auf der Erde gibt. Und jedermann fragt sich, was es da draussen gibt. Auch dazu wollte ich meine Ideen formulieren. Die beiden meistgelesenen Bücher der Welt, die Bibel und der Koran, erklären den Ursprung des Lebens.

Sie erzählen eine andere Geschichte.
Es ist die Geschichte der modernen Wissenschaft.

In Ihrem Buch weisen Sie verschiedentlich darauf hin, dass es viel Material gibt, um einen wissenschaftlich fundierten Science-Fiction-Roman zu schreiben. Wird Ihr nächstes Buch ein Roman sein?
Es könnte sein. Ich habe bisher eine Seite geschrieben. Ich habe ein paar gute Ideen, aber für einen Roman braucht es Figuren. Das ist eine andere Art zu schreiben. Ich würde gerne so etwas schreiben wie «The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy» («Per Anhalter durch die Galaxis»). Das ist guter britischer Humor.

Worum würde es gehen?
Wir werden sehen. Ich möchte nicht all meine Ideen preisgeben (lacht).

Welchen SiFi-Roman würden Sie empfehlen?
H.G. Wells «War of the Worlds» («Krieg der Welten»). Das Buch wurde vor mehr als hundert Jahren geschrieben, ist aber immer noch eine tolle Geschichte.

Ben Moores Buch «Da draußen. Leben auf unserem Planeten und anderswo» erschien Anfang Oktober bei «Kein & Aber».

Thomas Gull, Redaktor des Magazins der UZH.

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