Prof. Dr. Heinz Stefan Herzka, Emeritierter Professor für Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters

Verstorben am 14. Februar 2021 im Alter von 86 Jahren.  

 

Heinz Stefan Herzka war in vieler Hinsicht ein Pionier: Unter seiner Leitung entstand die erste Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Schweiz. Als erster Vertreter seines Fachs engagierte er sich für die transkulturelle Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Heinz Stefan Herzka kam im Alter von 3 Jahren als Flüchtlingskind mit seinen Eltern aus Wien in die Schweiz. Sein Medizinstudium an den Universitäten Basel und Zürich schloss er 1960 in Zürich mit dem Staatsexamen ab. Ein Jahr später promovierte er mit einer Dissertation über «Amiphenazole (Daptazole) und seine Wirkung auf die durch Pethidin verursachte Atemdepression» an der UZH. Danach absolvierte er zunächst die Facharztweiterbildung zum Pädiater und anschliessend zum Kinder- und Jugendpsychiater. Bereits im Alter von 33 Jahren habilitierte er sich auf Beginn des Wintersemesters 1968/69 an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich für das Gebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

1977 wurde Heinz Stefan Herzka zum Extraordinarius ad personam mit beschränkter Lehrverpflichtung für Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters an die Universität Zürich berufen. Er leitete die Abteilung Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters, repräsentierte das Bindeglied zwischen Medizin und Psychologie und begeisterte Studierende beider Fachrichtungen für die Themen der Kinderpsychopathologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Heinz-Stefan Herzka war in vieler Hinsicht ein Pionier: Nach mehrjähriger Planung unter seiner Leitung konnte 1975 die erste Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Schweiz eröffnet werden, welche er bis 1998 leitete und welche national und international als Vorbild wirkte. 

Heinz Stefan Herzkas prägende Erfahrung als Flüchtlingskind war einer der Gründe für sein lebenslanges Interesse und Engagement für die Psychotherapie mit Migranten und Flüchtlingen. So engagierte er sich als einer der ersten Vertreter seines Faches für die transkulturelle Kinder- und Jugendpsychiatrie. Seine Haltung der Dialogik nach Martin Buber und sein Fokus auf Interdisziplinarität vor allem unter Berücksichtigung von Medizin und Pädagogik und unter Einbezug der Eltern und Familien prägten die Kinder- und Jugendpsychiatrische Behandlung unserer Klinik und der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Schweiz nachhaltig.  Die Dialogik war die philosophische Grundlage seines Berufslebens und prägte das Menschenbild, die Lehre und klinische Tätigkeit von Professor Herzka.  Seine modellhafte Zusammenarbeit mit dem Kinderspital Zürich und Winterthur schuf ein enges Bindeglied zwischen den Institutionen der Kindermedizin, die auch gemeinsam seinen 80. Geburtstag feierten. 

Heinz-Stefan Herzka wirkte als Mitherausgeber der Acta Pädopsychiatrica und hinterlässt viele Publikationen zu entwicklungspsychologischen Themen, beispielsweise den 1975 erschienenen Bilderatlas «Das Kind von der Geburt bis zur Schule». Er hatte auch ein grosses Interesse an geschichtlichen, philosophischen und musischen Themen. So sind wunderbare Bildbände zu Kindern aller Welt mit seinen Photographien entstanden, in denen unter anderem Remo Largo das Begleitwort schrieb. Sein politisches Engagement etwa anlässlich der Zürcher Jugendunruhen 1980\81 zeugt von seinem umfassenden Einsatz für den Mensch in der Gesellschaft. Heinz-Stefan Herzka prägt unsere Haltung in vielfältiger Hinsicht bis heute. 

Seine erste Frau Irène Herzka-Langsam, die nur gerade zwei Monate vor ihm an Corona verstarb, hatte ihre Tätigkeit als Sozialarbeiterin zugunsten der Familie früh aufgegeben und den Ehemann auf seinem akademischen Weg sehr unterstützt. Den gemeinsamen Kindern Marc, Michael und Ruth sowie den Enkeln Yossi und Dani blieben beide immer sehr eng verbunden. 

Zusammen mit seiner zweiten Frau Verena Nil Herzka wandte sich Heinz Stefan Herzka in der zweiten Lebenshälfte vermehrt der Musik zu, einem weiteren Eckpfeiler seiner Biografie. So initiierte er ein interkulturelles Musikprojekt für Kinder und widmete sich in den letzten Jahren dem Aufbau der weltweit grössten Schalmeien-Sammlung sowie der Gründung eines Museums für Musikinstrumente in Südfrankreich. Mit der Hinwendung zur Musik setzte er sich nochmals intensiv mit den Weltkulturen auseinander. Heinz Stefan Herzka, der selbst gerne als Kind musiziert hat, sah darin ein überkulturelles, Menschen jeder Religion und Kultur verbindendes Element, das für seine Wirkung keiner Sprache und Erklärung bedarf. Bis wenige Wochen vor seinem Tod als Supervisor tätig, hat er über seine Website und die sozialen Medien den Austausch mit Freundes- und Fachkreisen in der ganzen Welt gepflegt.

Wir werden Heinz Stefan Herzka ein ehrendes Andenken und seinen Platz als ein prägender Vater unserer Klinik und unseres Fachgebietes bewahren. 

Prof. Dr. Susanne Walitza, Dr. Dagmar Pauli, Dr. Ronnie Gundelfinger und Dr. Hadmut Prün, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich der Universität Zürich