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Klimagarten 2085

Klimawandel anschaulich gemacht

Abhängig vom CO2-Anstieg wird es in der Schweiz im Jahr 2085 entweder 3.5 oder 5.6 Grad wärmer sein als heute. Wie Pflanzen auf erhöhte Temperaturen reagieren, zeigt der «Klimagarten 2085» im Alten Botanischen Garten. Die Ausstellung dauert noch bis zum 18. September.
Marita Fuchs
Auf der bunten Wiese im Alten Botanischen Garten: Die Gewächshäuser des Klimagartens.

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum, weil es stark durch die Lufttemperatur beeinflusst wird. So können sich zum Beispiel Blüte und Blattaustrieb zeitlich verschieben. Wie etwa beim Haselnussstrauch, der heute im Schnitt 13 Tage früher blüht als noch vor 60 Jahren.

Auf den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Natur macht derzeit das Projekt «Klimagarten 2085». Die Pflanzenwelt unserer Zukunft» im Alten Botanischen Garten der UZH aufmerksam. Juanita Schläpfer, Koordinatorin des Klimagartens und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zurich-Basel Plant Science Center, erklärt: «Wir wollten die Besucherinnen und Besuchern dazu anregen, sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf unsere heimische Flora auseinanderzusetzen.»

Zum Rundgang durch den Klimagarten gehört die Entnahme von Bodenproben.

Versuchsanlage in zwei Gewächshäusern

In der Wissenschaft ist es heute eine gesicherte Tatsache, dass sich das Klima erwärmt. «Wenn die Welt es schafft, mit einer strengen Emissions-Kontrolle die globale Erwärmung auf plus zwei Grad einzudämmen, bedeutet das für die Schweiz im Jahr 2085 eine Erwärmung von 3.5 Grad», erklärt Schläpfer. Das haben Klimaforschende aufgrund der geografischen Lage der Schweiz errechnet. Ganz anders sieht es aus, wenn es nicht gelingt, die Emissionen einzudämmen – dann wird es 2085 in der Schweiz etwa 5.6 Grad wärmer sein.    

Doch was bedeutet das für unsere Landwirtschaft? Wie reagieren Nutzpflanzen auf die erhöhte Lufttemperatur? Um diese Fragen zu beantworten, wurden seit diesem Frühling im Klimagarten in je zwei Gewächshäusern die jeweiligen Klimaszenarien simuliert: Im einen Gewächshaus liegt die Temperatur bei plus 3,5 Grad, im anderen bei plus 5,6 Grad Celsius.

Klimagewinner sind Mais und Sonnenblumen

Im Laufe des Frühlings und Sommers zeigte sich, dass zum Beispiel Kartoffeln zu den so genannten Klimaverlierern gehören. Sie entwickelten in dem «heissen» Gewächshaus einen buschigen Strauch mit langen Stängeln, die im freien Feld wohl kaum eine Überlebenschance hätte. Weizen benötigt ebenfalls eher kühlere Temperaturen, um optimal zu wachsen, wie ersichtlich wurde. Andere Pflanzen wie Mais oder Sonnenblumen kamen dagegen mit der Wärme gut zurecht. «Pflanzen können sich zwar an unterschiedliche klimatische Veränderungen anpassen, doch die Klimaerwärmung nimmt so rapide zu, dass von der Hitze bedrohten Pflanzen kaum  Zeit dazu bleibt», sagt Juanita Schläpfer.

Dass sich durch die Klimaveränderung auch in der wasserreichen Schweiz elementare Verschiebungen in der Pflanzenwelt ergeben könnten, wird den Besucherinnen und Besucher des Klimagartens schnell klar. Kein Wunder, dass auch Schulklassen und Familien mit Kindern das Angebot intensiv nutzen.

 

450 Schülerinnen und Schüler besuchten bis jetzt den Klimagarten. Im Bild: Feedbackrunde von Gymnasiasten.

Bedrohte Riesenschildkröten

Zusätzlich zu den Pflanzenbeobachtungen stiessen in den vergangenen Monaten vom Klimagarten organisierte Kunstinstallationen und «Science Talks» auf reges Interesse. So berichtete etwa der UZH-Ökologe Dennis Hansen von seiner Feldforschung mit Riesenschildkröten auf einer Insel in der Nähe von Madagaskar. Auch diese friedlichen Riesen sind vom Klimawandel betroffen, weil ihr Lebensgebiet durch das Ansteigen des Meeresspiegels bedroht ist.

Der Klimagarten kann noch bis zum 18. September besucht werden. Juanita Schläpfer zeigt sich bereits jetzt zufrieden. 9000 Besucherinnen und Besucher kamen zum Klimagarten und 450 Schülerinnen und Schüler besuchten verschiedene Workshops.

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