Studierenden-Wettbewerb

Was China will

Wird die chinesische Währung, der Renminbi, den Dollar als Leitwährung ablösen? Nein, sagt Amro Elsarafy, Wirtschaftsstudent an der UZH in einem Essay, der beim internationalen Wettbewerb «Firefly» ausgezeichnet wurde. China sei viel mehr daran interessiert, Exportweltmeister zu sein.

Adrian Ritter

Kampf der Giganten: Wird der Renminbi den Dollar als Leitwährung ablösen? (Bild: iStockphoto)

Chinas Währungspolitik gibt immer wieder zu reden. Die USA werfen der Volksrepublik schon lange vor, ihre Währung künstlich unterbewertet zu halten und damit den Wettbewerb zu verzerren. Gleichzeitig horten die Chinesen inzwischen Billionen von US-Dollars als Währungsreserven.

Wird der Renminbi den Dollar gar als Leitwährung ablösen? Dies war eine der Fragen, welche Studierende im Rahmen des internationalen Wettbewerbes «Firefly» beantworteten (vgl. Kasten).

Der Essay von Amro Elsarafy, Masterstudent in Management & Economics an der UZH, gehört zu den ausgezeichneten Arbeiten, die jetzt auch auf der Website von Firefly veröffentlicht wurden.

Anleger suchen Sicherheit

Elsarafy vertritt die These, dass der Renminbi keineswegs auf dem Weg sei, den Dollar als Leitwährung abzulösen. Einen der Gründe dafür sieht er darin, dass China den Investoren zu wenig Sicherheit bieten kann.

Der US-Dollar konnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem deshalb als Leit- und Reservewährung etablieren, weil die USA frei zugängliche Märkte, Sicherheiten seitens der Regierung und eine blühende Wirtschaft boten.

Die Mischung aus Marktwirtschaft und Demokratie trage zu Transparenz und Sicherheit bei, wie sie für Anleger wichtig seien, so Elsarafy. China habe zwar eine grosse und zunehmend breitgefächerte Ökonomie, von Transparenz und Demokratie könne aber keine Rede sein: «Für Investoren ist es schwierig, die chinesische Politik und damit auch die zukünftige Wirtschaftspolitik zu verstehen.»

Unsichere Zukunftsaussichten und ein unberechenbares Rechtssystem sind gemäss Elsarafy der Hauptgrund für Anleger, sich dagegen zu entscheiden, in die Währung eines Landes zu investieren.

China habe mit einer strengen Kontrolle von Kapitalflüssen und Investitionen sowie Währungsmanipulation zwar einen Wirtschaftsboom bewirkt. Die Wirtschaftspolitik des Landes sei aber mit so vielen Unsicherheiten behaftet, dass der Renminbi nicht als Reservewährung tauge.

Amro Elsarafy: Gerüchte, wonach China seine Dollars auf den Markt zu werfen gedenkt, hält er für unrealistisch. (Bild: zVg)

Fokus auf dem Export

Das sei für die chinesische Führung allerdings kein Problem. Sie verfolge das Ziel «Leitwährung» gar nicht, da es den Interessen Chinas nicht diene. Das Hauptinteresse Pekings liege darin, Exportweltmeister zu sein.

Dazu gelte es, die Kapitalflüsse zu kontrollieren und den Renminbi im Vergleich zum Dollar an der kurzen Leine zu halten. Ein starker Renminbi würde chinesische Produkte etwa für US-Konsumenten verteuern und sei deshalb nicht erwünscht.

Der Wert des Renminbi soll deshalb nach dem Willen der chinesischen Regierung nicht vom Markt bestimmt werden. Werden auf den Weltmärkten US-Dollars in Renminbi umgetauscht, greife die chinesische Zentralbank ein, kaufe ihrerseits Dollars auf, bis dieser wieder an Wert gewinne. Kein Wunder, halte China inzwischen rund zwei Billionen US-Dollars an Reserven.

Gerüchte, wonach China diese Dollars auf den Markt zu werfen gedenkt, hält Elsarafy für unrealistisch, da es den Interessen der Volksrepublik schaden würde. «Für China gibt es keinerlei Grund, an der derzeitigen, erfolgreichen Situation etwas zu ändern», so Elsarafy.

Projekt «Firefly»

Das Projekt «Firefly»(«Emerging Leader Competition») ist ein 2012 erstmals durchgeführter internationaler Wettbewerb, bei dem Studierende Essays zu vorgegebenen Fragestellungen einreichen können. Bei der ersten Austragung konnten die Studierende zwischen vier Fragen auswählen: Wird der Renminbi die nächste Reservewährung? Sind Schulden auf lokaler Ebene eine Bedrohung für den chinesischen Staat? Wird der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl die Aussenpolitik der USA beeinflussen? Ist Geldpolitik allein ausreichend, um die wirtschaftliche Erholung zu stimulieren? Beim ersten Wettbewerb sind über 400 Essays aus 43 Ländern und 187 Hochschulen eingereicht worden. Eine nächste Rundedes Wettbewerbes ist bereits angelaufen. Das Projekt «Firefly» wurde von den beiden HSG-Professoren Simon Evenett und Daniel Garraty ins Leben gerufen und wird von der Credit Suisse gesponsert. Zum akademischen Gutachtergremium gehört unter anderem der Wirtschafts-Nobelpreisträger Eric Maskin.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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