Neuer Prorektor gewählt

«Die Zukunft ist interdisziplinär»

Der Universitätsrat der UZH hat gestern Professor Michael Schaepman zum Prorektor Veterinärmedizin-Naturwissenschaften ernannt. Schaepman hat viele neue Ideen. Und er kann kochen. Sein Geheimrezept wird hier verraten.

Marita Fuchs

Michael Schaepman
Wird am 1. August das Amt des neuen Prorektors übernehmen: Michael Schaepman, Professor für Fernerkundung und zur Zeit Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. (Bild: Marita Fuchs)

 

Noch findet man ihn im Büro des Dekans der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät am Campus Irchel, doch ab 1. August 2017 wird Michael Schaepman den Arbeitsplatz wechseln. Gestern wurde er vom Universitätsrat zum Prorektor Veterinärmedizin-Naturwissenschaften ernannt. Damit betritt Schaepman Neuland, denn das «Prorektorat Veterinärmedizin und Naturwissenschaften», kurz VNW, wurde ganz neu geschaffen. Der neue Prorektor wird für die Vetsuisse-Fakultät und die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät (MNF) zuständig sein. Zum Verantwortungsbereich des neuen Prorektorats gehören auch die Technologieplattformen, die Forschungs- und Nachwuchsförderung sowie Innovationen.

Besondere Herausforderungen für die Zukunft lokalisiert Schaepman, der an der UZH ein Ordinariat für Fernerkundung inne hat, vor allem in der Infrastruktur. Die Platzverhältnisse und der Renovationsbedarf auf dem Campus Irchel wie auch im Tierspital seien grundsätzlich verbesserungswürdig, führt Schaepman aus. Gute Forschung und Lehre gebe es nur mit ausreichend Raum.

Zudem möchte der neue Prorektor die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern und dabei ganz konkret bei der Beantragung von Forschungsgeldern Hand bieten. Zudem macht er sich stark für junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die nach dem Studium Neues aufbauen möchten. Nicht zuletzt liegt dem Vater zweier Kinder auch eine familienfreundliche Universität am Herzen. Er will mehr Professorinnen anstellen und beiden Geschlechtern bessere Bedingungen bieten, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Klassischer Secondo

Der Name Schaepman ist niederländisch und heisst auf deutsch «Schäfer». Die Wurzeln des neuen Prorektors liegen denn auch in Holland. «Ich bin ein klassischer Secondo», sagt er. Sein Vater ist Holländer, die Mutter aus Deutschland, und aufgewachsen ist er in der Schweiz. Von 2003 bis 2009 war Schaepman Professor im niederländischen Wageningen. Die Universität Wageningen gehört zu den weltweit wichtigsten wissenschaftlichen Institutionen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Das niederländische Hochschulsystem sei anders als das der Schweiz, erzählt Schaepman. Alles sei genau durchkalkuliert, so werde zum Beispiel jeweils berechnet, wie viele Studierende auf einen Lehrstuhl kommen. Nach diesem Schlüssel würden die Gelder verteilt.

Das Schweizer System ist ihm grundsätzlich lieber – auch wenn es auch hier in seinen Augen einiges zu verbessern gibt. Zum Beispiel hält Schaepman die Stellung der klassischen Lehrstühle für veraltet. «Wir werden auf Dauer einen Kulturwandel haben, der die Strukturen der UZH noch moderner machen wird.»

Interdisziplinarität ist gefragt

Als Dekan der MNF kennt Schaepman seine Fakultät gut. Doch wie ist es mit der Vetsuisse-Fakultät? Für Schaepman eine schöne Herausforderung. Es gebe sehr viele Überschneidungen, der administrative Teil sei ähnlich. Zudem überlappen sich die Forschungsgebiete teilweise, das zeige sich auch bei den Doppelprofessuren der MNF und der Vetsuisse-Fakultät. «Zusammenarbeit ist mir ein grosses Anliegen. Ich plädiere für interdisziplinäre Forschung», betont Schaepman. «Die Zukunft ist interdisziplinär». Abgänger, die interdisziplinär ausgebildet seien, hätten hervorragende Berufschancen, sagt er. 

Schaepman muss es wissen, war er doch selbst lange nebenher unternehmerisch tätig. Er ist Mitbegründer – und von 1996 bis 2015 Verwaltungsrat – von «Netcetera», einem Softwareentwicklungsunternehmen in Zürich. Heute ist es ihm ein Anliegen, Abgänger der UZH dazu zu motivieren, etwas auf die Beine zu stellen und ihr Knowhow zum Beispiel in einem Start-up umzusetzen. «So können wir die Kompetenzen, die wir generieren, auch in der Region halten», sagt Schaepman. «Es wäre doch fantastisch, wenn wir im Innovationspark Dübendorf so etwas schaffen könnten wie im Silicon-Valley.»

Forschungsgelder aus Europa

Forschung ist nur möglich mit Geld. Diese einfache Tatsache stellt auch den neuen Prorektor vor Herausforderungen. «Vom Schweizerischen Nationalfonds werden wir gut unterstützt», sagt Schaepman. Was die Einwerbung europäischer Forschungsgelder anbelangt, sieht er hingegen noch Luft nach oben. Schaepman möchte eine zentrale Stelle einrichten, die Forschenden der UZH dabei hilft, Anträge professionell zu erstellen. Damit könnte der nicht-wissenschaftliche Teil von zentraler Stelle verfasst werden, weil hier das richtige Wording wichtig ist. Dieser sogenannte «Tender Support» sollte für alle Fakultäten an der UZH angeboten werden.

Ruhe in Sibirien

Zurück zur Vetsuisse-Fakultät: Das Thema Tierversuche steht hier im Raum. Schaepman macht deutlich, dass ohne Tierversuche auch keine neuen Medikamente entwickelt werden können. Um die Anliegen der Forschung verständlich zu machen, müsse ein intensiver Dialog mit der Öffentlichkeit geführt werden. «Das gilt nicht nur für Tierversuche, sondern für alle ethisch sensiblen Aspekte der Forschung», sagt er.

Auf den zukünftigen Prorektor kommen viele neue Aufgaben zu. Die Übergabe der Geschäfte an die noch zu bestimmende neue Dekanin oder den neuen Dekan der MNF wird ebenfalls Zeit kosten. Für seine Kinder wird Schaepman dennoch da sein, wenn seine Frau, die auch wissenschaftlich tätig ist, im Ausland weilt. Gabriela Schaepman-Strub reist oft nach Sibirien. Schaepman hat sie schon mehrfach begleitet – und die Reisen jeweils sehr genossen. «Sibirien ist der beste Ort um abzuschalten. Es gibt kein Handy- oder Internetempfang, und unsere Kinder reisen gerne mit».

Leidenschaft für die iranische Küche

Und wenn Familie Schaepman zu Hause ist? Wer sorgt für das Abendessen? Er koche gern persisch, sagt Schaepman. Er habe zusammen mit einem Iraner doktoriert und diese Freundschaft habe über die Jahre gehalten. Inzwischen sei der Freund Dekan an der Universität von Teheran. Schaepman liess sich von der Leidenschaft des Iraners für die persische Küche anstecken. Besonders gut könne er eine klassische persische Nachspeise zubereiten. Sie nennt sich «Faloodeh» ( فالوده , gesprochen: Fālūde) und besteht aus Glasnudeln, Rosenwasser-Glacé und Limonensaft. Das Geheimrezept für diese Köstlichkeit verrät uns der zukünftige Prorektor an dieser Stelle.

 

Faloodeh

Für 4 Personen

200 g Zucker

Knapp 2.5 dl Wasser

1 Esslöffel Rosenwasser

30 g getrocknete Reisnudeln

Frische Limettensaft oder Limetten in Stücke geschnitten

Nach Wunsch hinzufügen: Sauerkirschen, Sauerkirschsirup, Beeren (Maulbeeren, Brombeeren, Himbeeren), Pistazienkerne, Minze hinzufügen.

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Zucker und Wasser in eine kleine Kasserolle geben und mischen. Alles erhitzen bis sich der Zucker aufgelöst hat, von der Flamme nehmen und das Rosenwasser hinzufügen. Den Sirup durchrühren und danach vollständig auskühlen lassen.

Reisnudeln in eine hitzebeständige Schüssel geben und mit kochendem Wasser knapp bedecken. Fünf Minuten stehenlassen, bis die Nudeln aufgeweicht sind. Wasser abgiessen und die Nudeln mit kaltem Wasser abspülen. Nudeln in ca. 2 cm breite Stücke schneiden.

Die Nudeln und den ausgekühlten Sirup in eine Backform (Glas oder Metall) geben und mischen. Ins Gefrierfach stellen.

Nach einer Stunde das Eis aus dem Tiefkühler nehmen, die Masse mit einer Gabel umrühren und wieder für etwa eine Stunde ins Tiefkühlfach geben. Erneut mit einer Gabel umrühren und wieder ins Eisfach geben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist (ca. 1-3 Stunden).

Serviervorschlag: Eine oder auch zwei Kugeln in Dessertschalen servieren. Mit frischem Limettensaft beträufeln oder mit Limettenstücken versehen. Auch sehr fein ist dieser Nachtisch mit Sauerkirschen oder Sauerkirschsirup, frischen Beeren, Pistazien oder Minze.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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