Graduate Campus

Gut aufwachen und schöne Tomaten

Goldgräberstimmung in der Bürgerwissenschaft: Gestern präsentierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der LERU Doctoral Summer School 2017, die vom Graduate Campus der UZH organisiert wird, vielfältige Ideen für künftige Citizen-Science Projekte.

Roger Nickl

LERU Doctoral Summer School 2017
LERU Doctoral Summer School 2017
Chemiefrei schöne und schmackhafte Tomaten anpflanzen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der LERU Doctoral Summer School 2017 zeigen, wie es gehen könnte. (Bild: Fabio Schönholzer)

Bürgerinnen und Bürger, die forschen und Daten sammeln: Die digitalen Medien eröffnen der Wissenschaft ganz neue Möglichkeiten, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Momentan herrscht in der Citizen Science Goldgräberstimmung: Forschende rund um den Globus loten das Potenzial der Bürgerwissenschaft aus und hecken vielversprechende Projektideen aus – auch an der UZH.

24 Stunden für eine Idee

Die Bürgerwissenschaft steht im Zentrum der LERU Doctoral Summer School 2017 zum Thema «Citizen Science – Nexus between Research and Public Engagement», die der Graduate Gampus dieses Jahr an der UZH organisiert hat. 44 Nachwuchsforscherinnen und –forscher aus ganz Europa treffen sich hier, um sich auszutauschen und wissenschaftlich weiterzubilden. Gestern präsentierten nun sieben Arbeitsgruppen der Summer School an der UZH Ideen für Citizen Science-Projekte und diskutierten sie mit ihren Kollegen und einer Reihe von Experten.

Die unter Hochdruck in knappen 24 Stunden entwickelten Projektskizzen zeigten eine erstaunliche Vielfalt an Forschungsthemen. So könnten mit Hilfe von Laien etwa verschwundene alte Kinofilme in Archiven aufgestöbert und dokumentiert, medizinische Bilder analysiert und vermessen und dadurch die Krankheitsdiagnose verbessert oder krankmachendes Asbest in Städten aufgespürt werden.

Nutzen für die Bürger

In den Präsentationen wurde immer wieder deutlich gemacht, dass Citizen Science nicht nur der Wissenschaft dient, sondern auch den forschenden Bürgern nutzen soll. So hatten viele Projekte einen ganz konkreten Praxisbezug. Zum Beispiel wenn es um die Frage geht, wie Hobbygärtner in Beeten, auf Balkonen und Terrassen natürlich und chemiefrei schöne und schmackhafte Tomaten anpflanzen und ernten können. Das geballte Wissen von Laien und Experten soll darauf eine Antwort geben und gleichzeitig Daten für die Forschung generieren.

Heute lassen sich viele Menschen von ihrem Smartphone wecken. Doch die meisten der programmierten Wecktöne seien für ihren Zweck wenig geeignet, meinten die Teilnehmer der Arbeitsgruppe «LetsWakeApp: Can we find our perfect alarm?». Sie seien stressig und weckten schlechte Gefühle, das sei ungesund und mindere die Produktivität. Eine App soll nun helfen, individuell den richtigen Weckton zu finden und damit ein gutes Aufwachen zu garantieren; gleichzeitig werden damit auch allgemeine Daten zur Klangwahrnehmung erhoben und für die Forschung zugänglich gemacht. Von den Daten, die die App generiert, könnte künftig auch die Schlafforschung profitieren, meinten die Nachwuchsforscherinnen und –forscher.

Eine gute Idee reicht nicht

Neben Fragen zum wissenschaftlichen Nutzen standen in den kritischen Diskussionen zu den verschiedenen Projektideen auch immer wieder Probleme von Datenschutz und Privacy im Raum. Sie machten deutlich, wie komplex Citizen Science-Projekte sind. Es genügt nicht, eine gute wissenschaftliche Idee zu haben – ein Projekt lässt sich nur dann erfolgreich umsetzen, wenn es auch ethischen und rechtlichen Massstäben genügt.

Damit die Bürgerwissenschaft gedeiht, braucht es vor allem auch engagierte Laien, die sich an den Forschungsprojekten beteiligen. Doch wie kann man Herrn und Frau Schweizer zum Mitmachen motivieren? Indem man das Forschen spielerisch gestaltet, antworteten die Teilnehmer des Projekts «BeeCare – How to Engage the Public in Environmental Research» auf diese Frage. Sie entwickelten die Idee einer Spiel-App – einer Mischung aus Tamagotchi und Pokémon GO, wie eine Teilnehmerin erklärte – mit der die Biodiversität in Städten erforscht und dokumentiert werden kann. Absicht ist es, die App in Zürich zu testen – man darf gespannt sein.

Roger Nickl, Redaktor UZH Magazin

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